Feuerwehrmann

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Mein blonder Sonnenschein, auch über dich mag ich heute ein paar Worte schreiben. Gestern standest du im Türrahmen, eine Hand angelehnt, ein Bein angezogen. Und was selten passiert, ich konnte mir vorstellen, wie du da in zehn Jahren stehst, in einer ähnlichen Haltung, aber mit demselben schelmischen Grinsen im Gesicht. Du bist ein solcher Schelm geworden. Du lotest Grenzen aus, übst dich in Überredungskunst und bist oft überzeugt, dass ein “doch” die Welt an deine Wünsche anpassen wird. Das gelingt natürlich nicht immer und darüber kannst du sehr wütend werden. Aber manche Regeln sind einfach nicht verhandelbar, mein großer Sohn. Mit diesen Auseinandersetzungen kommt aber auch etwas für mich Wunderschönes: Ich kann mit dir Kompromisse schließen, teilweise richtiggehend verhandeln. Das klappt richtig gut. “Noch einmal mit x spielen, dann machen wir y” ist einer meiner häufigsten Sätze, der dich aber wirklich gut zum Aufräumen, Haus verlassen, Essen, Zähne putzen und anderen Dingen bringt. Ich bin stolz, wie gut du puzzelst (12 Teile alleine, mehr Teile mit Unterstützung), wie viele Bücher du anschaust (teilweise liest du jetzt dem Baby vor und willst gar nicht mehr, dass ich mitmache), wie toll du das Laufrad fahren gelernt hast und wie begeistert du in Rollen schlüpfst. Dann bist du Feuerwehrmann, Bauarbeiter, “Musikmann”, “Kochmann” oder Fahrer von Krankenwägen. Du spielst “Feuerwehreinsatz” mit dem Bobby Car und löschst Flammen, rettest Leute und fährst sie, wenn sie sich angestoßen haben, ins Krankenhaus. Du kochst uns Zehngängemenüs in deiner Küche oder spielst auf Gästebett und Sofa Hai. Der schwimmt herum und sucht sich Essen. Du bist aber ein vegetarischer Hai und isst meist Äpfel. Du baust Höhlen aus Kissen und Kisten, bist wahlweise eine Schnecke im Schneckenhaus, eine Spinne oder ein Tiger und mähst mit dem Puppenbuggy den Rasen. Du sägst und reparierst und rennst und hüpfst. Du bist wahnsinnig agil und motorisch richtig fit geworden. Manchmal weißt du nicht, wie stark du bist und so sind unsere Spiele schon wirklich oft sehr wild und ab und zu gibt es kleinere Blessuren.

Du singst sehr gerne. Dabei kümmerst du dich selten um Melodien. Hauptsache es ist laut und macht Spaß. Du singst mir vor, du singst der Kleinen vor, du stellst dich auf Steine und singst vorübergehenden Passanten vor. Du liebst Publikum für deine Lieder. Wenn du morgens in unserem Bett aufwachst – noch immer wechselst du nachts vom Kinder- zum Elternschlafzimmer – fängst du an zu Quatschen und hörst bis zum Abend nicht wieder auf. Außer wir sind bei anderen Kindern, dann wirst du erstmal schüchtern. Deine Grammatik wird immer besser, dein Wortschatz ist riesig.

Du bist mein wundertoller Sohn. Nach Weihnachten wartet die nächste große Veränderung auf dich. Du bist langsam deiner Krippe entwachsen, ab Januar hast du einen Platz im Kindergarten. Oft scheinst du mir schon so groß. Manchmal möchte ich die Zeit anhalten, aber dann sehe ich deine Fortschritte und bin einfach nur wahnsinnig stolz darauf, wie du dich entwickelst, mein kleiner, wunderbarer Rabaukenjunge.

Drei Monate minus drei Tage

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Mein wunderschönes kleines Babymädchen,

in drei Tagen wirst du drei Monate alt. Es kommt mir so kurz vor, seit du bei uns bist und ich habe oft das Gefühl, dich noch kein Stück zu kennen. Es kommt mir aber noch viel öfter so vor als wärst du immer schon hier gewesen. Du bist so selbstverständlich ein Teil unserer Familie, das uns alle jeden Tag aufs Neue verzaubert. Besonders deinen großen Bruder. Er liebte dich vom ersten Tag deines Lebens an und diese Liebe zeigt er dir auch oft und gerne. Er will deine Hand halten, wenn er morgens aufwacht und ich dich stille. Er will deine Hand halten, wenn er sich besonders groß fühlen möchte und dir dann erzählen, dass er dir bald Hüpfen und Rennen beibringen wird. Er will deine Hand halten, wenn er kuschelig auf dem Gästebett liegt und kurz ausruhen (“Bauarbeiter Pause machen!”) möchte. Er will deine Hand halten, wenn er müde das Sandmännchen guckt. Er will deine Hand halten, wenn er sich weh getan hat. Manchmal kann weder der Papa noch die Mama, nur das kleine Babymädchen ihn trösten. Er hält sich an dir fest und fühlt sich stark, weil er sich um dich kümmern darf (“Alles gut, großer Bruder kommen!”). Er hilft mir beim Wickeln und er akzeptiert, dass du immer da bist. Selbst beim ins Bett bringen beschwert er sich selten, wenn du mal meckerst und andere Wünsche hast als er. Bevor der Schatzmann wieder das Arbeiten anfing, hatte ich wirklich viel Respekt vor diesem Teil des Tages. Aber meist geht das wirklich gut. Du lässt meist zu, dass ich ihm die Füße kuschele und ihm vorlese, er akzeptiert, dass ich nicht immer seine Hand halten kann, während ich dich stille. Ich hoffe so, dass die enge Bindung, die er zu dir aufgebaut hat und die du auch aufbaust, euch erhalten bleibt und ihr immer füreinander da sein werdet.

Ganz selten meckert der Große mal, dass die Kleine woanders hin soll. Meist heißt das aber nicht, dass sie weg soll, sondern einfach nur zeitweise auf den Arm des anderen Elternteiles. Beim Stillen möchte der Große immer genau da spielen, wo ich mit der Kleinen sitze. Da möchte er dann doch oft mehr Aufmerksamkeit. Insgesamt ist er aber wirklich ein perfekter großer Bruder.

Kleines Lachmäuschen, du bist so ein Strahlekind. Du strampelst und versuchst mit aller Kraft dich zu drehen. Schaffst du aber noch nicht, was dich manchmal ganz schön wütend machen kann. Viel häufiger aber übst du mit einem Lächeln im Gesicht deinen Kopf zu halten, was dir sehr gut gelingt, betrachtest deine Hände, erzählst oder erkundest fasziniert Kissen oder Rasselschlange mit Augen und immer mehr auch mit den Händen. Du wirst sehr gerne massiert, magst es zu baden und überhaupt alles, wo du nackt sein darfst. Du strampelst gerne alleine auf dem Gästebett und manchmal magst du es gar nicht, wenn ich neben dir sitze. Du willst jetzt schon manchmal einfach alleine sein. Beim Üben und Strampeln liegst du genauso gerne auf dem Bauch wie auf dem Rücken. Aber du willst natürlich auch viel getragen werden. Das Tuch ist wieder ein guter Freund, gerade, wenn du etwas meckrig bist und nicht einschlafen kannst. Du erlebst so viel, hast so viel mehr Input als dein Bruder damals. Ein lauter Zweieinhalbjähriger, der um dich herumwuselt, Kindersport, Spieltreffen – all das machst du meist mit großer Ruhe und Gelassenheit mit. Du bleibst eben meine kleine Perfektionistin. Wir stillen weiter nach Bedarf, das heißt bei dir immer noch eher unregelmäßig. Nachts kommst du meist zweimal und lässt dich nach dem Trinken fast immer problemlos ins Beistellbett zurücklegen. Tagsüber kommst du mal alle vier, mal jede Stunde. Ich genieße das Stillen sehr. Da kann ich dich anschauen, obwohl der große herumwuselt und mich auf dich konzentrieren. Denn ja, immer wieder habe ich das Gefühl, dass du einfach so mitläufst und ich dich nicht so häufig einfach fasziniert betrachte und nur für dich da bin. Ist ja auch logisch und ich glaube dennoch nicht, dass du zu kurz kommst. Es ist eben anders beim Zweiten.

Du kleine Engelin, ich kann oft nicht glauben, was ich da für ein wunderschönes, überwiegend zufriedenes und ständig lächelndes Baby habe. Danke, dass ich deine Mama sein darf. Danke, dass du bei uns bist.

Lummur – ein perfektes Sonntagsfrühstück

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Was macht man, wenn man nichts zu Hause hat, nicht zum Bäcker kann und dennoch ein leckeres Sonntagsfrühstück basteln will? Genau, man schmeißt die Suchmaschine an, heute wurden die Wörter “Haferflocken Pfannkuchen” eingetippt.

Ich stieß dabei auf “Lummur” (gesprochen: Lümmür), isländische Haferpfannkuchen – die Frau freut sich bestimmt, dachte ich mir, mal wieder etwas aus dem von ihr so heiß geliebten Land zu essen. Und das beste ist: Mit einer kleinen Abwandlung sind sie sogar Sattmacher – das sagt jetzt allen Weight-Watcher-Menschen etwas. Sie sind also gesund, machen nicht dick und dazu machen sie satt und glücklich.

Hier also das leicht abgewandelte Rezept:

  • 200 g Hafermehl
  • 100 g Haferflocken
  • 1 Ei
  • 200 ml Milch
  • 30 ml Buttermilch
  • 1 TL Backpulver
  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Salz

Alles fachmännisch zusammenpanschen, Reihenfolge ist egal. Fladen formen und in einer Pfanne braten, je nach Wunsch im Ofen warmhalten, servieren, Butter, Honig oder Marmelade raufkleksen, genießen!

Geburtsbericht der kleinen Perfektionistin

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Es ist der 31. August – Geburtstag der kleinen Cousine. Ich hoffe, dass du heute nicht kommst, sondern dir zumindest noch einen Tag Zeit lässt. Viel länger mag ich nicht mehr auf dich warten müssen, ich bin so ungeduldig! Ein Freund fragt mich, ob ich noch mit ins Kino möchte an dem Abend. Ich habe zwar ein bisschen Angst ohne den Mann irgendwo hinzugehen, beschließe aber, dass mir das nur gut tun kann und ich einen Abend Ablenkung und soziale Kontakte gebrauchen kann. Vor dem Film trinken wir Cocktails (alkoholfrei ;) ) und quatschen, „Guardians of the galaxy“ ist gute Unterhaltung und ich bin zufrieden, als ich mich von ihm nach dem Film wieder daheim absetzen lasse. Ich bin ziemlich fertig und müde, Kino und das lange Sitzen schlaucht mich mittlerweile sehr. Der Mann hat noch nichts gegessen und auch ich habe großen Hunger, also gönnen wir uns ein Burgermahl. Dazu schauen wir noch eine Folge „Revenge“. Da wir noch gar nicht über den Film geredet haben, meint er, dass ich ihm davon morgen beim Frühstück oder nach der Geburt erzählen könne. Wir lachen, aber er soll recht behalten. Danach geht’s ins Bett. Der große kleine Sohn wacht in dieser Nacht früh wieder auf, kommt rüber und kuschelt sich zu uns ins große Bett.

Um 1.30 Uhr erwache ich von einer Wehe. Sie schmerzt schon ziemlich und ich möchte nicht zu laut veratmen, um den Kleinen nicht zu wecken. Der Mann schläft auch fest, aber ihn wecke ich kurz: „Stell dich darauf ein, dass es heute losgeht!“ Er bleibt erstmal liegen und ich gehe rüber in sein Zimmer und schalte noch einmal den Rechner ein. Ich lese ein wenig auf Facebook und Geburtsberichte aus verschiedenen Geburtshäusern. Gegen zwei kommt er rüber und schaut, wie es mir geht. Ich habe zwar nochmal eine Wehe gehabt, bin mir aber alles andere als sicher, ob es jetzt losgeht oder nicht. Da unser Sohn gerade unruhig schläft, beschließen wir, dass es besser ist, wenn der Papa sich noch einmal zu ihm legt und versucht selbst noch etwas zu schlafen. Ich möchte das auch versuchen, allerdings im Gästebett. Ich schlafe aber nicht noch einmal ein. Zeitweise singe ich mir selbst ein Chantra aus dem Yoga-Kurs bei meiner Hebamme vor. Das beruhigt mich derzeit ziemlich gut. Da ich aber doch immer wieder von einer Wehe hochgeschreckt werde, wird es nichts mehr mit dem Schlafen. Nach etwa einer Viertelstunde stehe ich wieder auf, laufe ein wenig herum und veratme dann eine besonders heftige Wehe. Jetzt glaube ich, dass es wirklich los geht. Mit etwas schlechtem Gewissen, da ich das ja trotzdem nicht sicher weiß und vor allem nicht weiß, wie lang das jetzt dauern wird, aber befürchte, dass es eher schnell gehen könnte, rufe ich um halb drei meine Eltern an. Mein Vater geht schnell ans Telefon, klingt auch gleich sehr wach und verspricht mir, dass sie sofort losfahren. Ich bin wahnsinnig dankbar. Allein sein mag ich jetzt nicht mehr und vor allem sehne ich mich danach, eine Weile in die warme Wanne zu gehen. Ich wecke den Mann, der gerade tief eingeschlafen ist, dem diese kurze Schlafphase aber scheinbar gut getan hat, denn er wirkt jetzt viel wacher als beim letzten Wecken. Unser wunderbarer Sohn ist jetzt tief und fest eingeschlafen. Zum Glück. Der Mann kommt zu mir und hilft mir in die Wanne zu steigen. Die Wehen sind sehr unregelmäßig. Mal kommt eine nach sechs Minuten, dann nach zehn Minuten, mal erst nach zwanzig Minuten. Da zweifeln wir dann doch, ob es richtig war, meine Eltern bereits anzurufen. Die Wanne tut mir sehr gut, auch wenn ich in den Wehen nicht weiß, wie ich mich hinsetzen soll. Trotz des warmen Wassers werden sie aber nicht weniger schmerzhaft, also doch – das sind Geburtswehen. Jo packt die Geburtstasche fertig, theoretisch sind wir bereit. Ich finde aber, dass die Wehen nicht regelmäßig genug sind, um bereits bei der diensthabenden Hebamme – Melanie – anzurufen. Etwa eine Stunde später steige ich wieder aus der Wanne. Die Wehen sind teilweise schon ziemlich schmerzhaft, aber durchaus gut zu veratmen.

Kurz darauf klingelt es. Meine Eltern sind da. Meine Mama schaut zwar ziemlich müde aus, aber sie wirken dennoch nicht total fertig. Ich hoffe nur, dass ich sie nicht umsonst geweckt und zu der langen Fahrt veranlasst habe. Wir trinken Tee, reden ein wenig und ich hole mir bald ein Kissen, auf das ich mich kniee, um die Wehen halb auf dem Sitzball liegend zu veratmen. Meine Wehen sind immer noch unregelmäßig, aber eindeutig. Die Kleine hat sich auf den Weg gemacht. Ich bin aufgeregt und habe ein bisschen Angst, aber ich freue mich auch auf die Geburt. Jo hilft mir gut in den Wehen, hält meine Hand, streichelt mich. Etwas doof ist, dass natürlich das Gespräch verstummt, wenn ich veratme. Meine Mama beschließt, sich zum Kleinen ins Ehebett zu kuscheln. So ist mein großer Sohn versorgt. Ich hoffe so sehr, dass er sich nicht irritieren lässt, wenn wir morgen früh nicht da sind. Aber Oma und Opa sind ihm so vertraut, er wird sich vor allem sehr freuen sie zu sehen. Um halb fünf beschließen wir, dass es Zeit ist die Hebamme anzurufen. Melanie nimmt schnell ab, sie wirkt hellwach. Wir verabreden, dass wir uns um fünf Uhr im Geburtshaus treffen. Ich trinke noch etwas Tee, veratme und bin jetzt wirklich aufgeregt. Es geht los! Der Mann bringt die Sachen ins Auto, mein Papa ist aufgekratzt. Mein fürsorglicher Schatz hilft mir die Treppe hinunter und dabei mir die Schuhe anzuziehen. Auf der Motorhaube veratme ich noch einmal eine Wehe, bevor ich ins Auto steige. Mein Papa winkt uns hinterher. In der Gewissheit, dass unser Sohn gut versorgt ist und wir uns voll auf die Geburt konzentrieren können, fahren wir um 4.51 Uhr los.

Die nächste Wehe kommt um 4.59 Uhr, während wir einen Parkplatz möglichst nah am Eingang suchen. Autofahren war schon etwas fies, aber Wehe im Sitzen geht eigentlich gar nicht. Ich stöhne und ächze und bin gleichzeitig so froh, dass ich diesmal sicher nicht im Auto bis nach Haßfurt fahren muss. Wir laufen zum Geburtshaus, nehmen erst einmal nur meine Tasche mit dem Mutterpass mit.

Melanie öffnet uns und leitet uns nach hinten ins große Geburtszimmer. Wir bleiben die einzige Geburt an diesem Morgen. Ich mag den Raum so gern. Ein großes, gemütliches Bett mit einem wunderschönen Kronleuchter darüber, der Massagesessel. Zum CTG nehme ich meine altbewährte Position ein: auf dem Boden (gut gepolstert), halb auf dem Ball liegend. Immer wieder nimmt das CTG meine Herztöne statt denen des Babys auf, aber ich bin mir immer sicher, dass es ihr da drinnen gut geht. Irgendwie glaube ich, dass ich spüren würde, wenn sie Probleme bekäme. Die nächste Wehe lässt etwas auf sich warten, ich werde wieder unsicherer, ob wir nicht doch zu früh losgefahren sind. Wir unterhalten uns mit Melanie über Namen, Sternzeichen, ihre Schicht, die letzte Geburt und sie fragt mich, ob es okay für mich wäre, wenn Vanessa, die Hebammenschülerin, bei der Geburt dabei wäre. Es ist für uns okay, also ruft Melanie sie an, während sie mir einen Tee und dem Mann einen Kaffee kocht. Dann untersucht sie mich. Der Befund ist für mich enttäuschend – der Muttermund ist erst zwei Zentimeter geöffnet. Mit meinen immer noch unregelmäßigen Wehen, die gerade mal nach acht, mal nach 15 Minuten kommen, fürchte ich sehr zu früh Alarm geschlagen zu haben. Im Krankenhaus hätten sie uns sicher noch einmal nach Hause geschickt. Melanie schickt uns dagegen erst einmal eine Stunde spazieren. Ich veratme noch eine Wehe an der Tür, bevor wir losziehen.

Um kurz vor sechs laufen wir also durch die einsamen Straßen. Mein Mann fragt sich, wie oft die Bewohner der Gegend wohl nachts wehenveratmende Frauen hören. Mein Veratmen klingt wohl ein wenig spukend. Ich muss lachen, was sehr anstrengend, aber auch wohltuend ist. Wir laufen weiter. Meine Wehen sind gerade eher selten, ich hoffe so, dass wir nicht noch einmal nach Hause müssen. Unser Weg führt uns zum Bäcker. Der baldige Doppelpapa hat Hunger und ich könnte auch etwas zu essen gebrauchen. Die Verkäuferin spricht mich auf meinen schwangeren Bauch an und freut sich, als wir ihr sagen, dass es wohl bald soweit ist und wir gerade vom Geburtshaus aus spazieren geschickt worden sind. Ich bleibe stehen, schließlich soll ich mich ja bewegen. Der Mann genießt seinen Kaffe, drei Brötchen und Käse/Wurst, ich meinen Tee, ein bisschen was von seinem Teller, ein Hörnchen mit Marmelade und einen Joghurt mit Früchten. Mehrere kleine Wehen muss ich dabei verarbeiten. Mir ist es etwas unangenehm als andere Kunden in den Raum kommen und so lasse ich mich beim Veratmen vom Mann abschirmen, der mich von hinten umarmt. Wir kaufen noch ein belegtes Brötchen, ein Nusshörnchen und eine Mohnschnecke für später, bzw. Melanie und Vanessa. Auf dem Rückweg habe ich wenig Wehen und bin ein wenig enttäuscht. Ich will, dass sie heute kommt.

Auch Melanie wirkt etwas enttäuscht, als wir um sieben zurückkommen und ihr die Wehenabstände beschreiben. Das Bewegen hätte ruhig mehr helfen können. Wir schreiben erst einmal CTG in altbewährter Haltung, die Überwachung hier übernimmt jetzt hauptsächlich Vanessa, die auch wirklich süß ist. Der Kleinen geht es gut, es zeigt auch an, dass gut Druck vorhanden ist. Aber wirklich mehr werden die Wehen immer noch nicht. Die anschließende Untersuchung zeigt: 2-3 Zentimeter offen. Ich bin enttäuscht. Melanie beschließt, die Geburt ein wenig anzustupsen. Also akkupunktiert sie mich, was zwar leicht schmerzt, aber sich auch gut und richtig anfühlt. Außerdem gibt sie mir eine Dosis aus einem Nasenspray und zwei Zäpfchen zum Krampflösen, damit der Muttermund weicher wird. Währenddessen lässt Vanessa die Wanne ein, ich würde gern noch einmal hineinsteigen. Die Wirkung des Anstupsens ist gut: Plötzlich halbiert die Zeit zwischen den Wehen sich. Sie sind gut zu veratmen, der Mann hilft mir, atmet mit, lässt sich die Hand zerdrücken, streichelt mich. Er ist ein wunderbarer Geburtsbegleiter. Auch mit Melanie und Vanessa fühle ich mich wohl. Aber die Nadeln behindern mich in meiner Bewegungsfeieheit und Wehen veratmen, während sie noch in mir stecken, ist so schwierig. Also bin ich froh, dass Vanessa sie dann endlich wieder entfernt. Trotzdem – endlich ist mir eindeutig klar, dass wir unser Tochter bald in den Armen haben werden. Der Mann holt die Sachen aus dem Auto.

Einige Wehen später ist die Wanne voll und ich steige um 8.45 ins Wasser. Es ist so angenehm! Während der Wehen genieße ich es total in der Wanne zu sein. Die Hebammen lassen uns jetzt eine Weile alleine und mein Schatz beginnt, mir während den Wehen schöne Dinge von unseren Kindern zu erzählen. Er erzählt mir vom kommenden Skiurlaub, von Spaziergängen, von unserer wunderschönen Tochter, die sich genau überlegt hat, wann sie kommen darf (seit diesem Tag ist auch Gynäkologe wieder aus dem Urlaub zurück, ihr Bruder hat keine Kitaferien mehr, ich durfte noch einen guten Film sehen, etc), von unserem klugen Sohn, von seinen Spielen, seiner Sprache.. Das hilft mir in den Wehen sehr, die in der Wanne immer schmerzhafter werden. Das warme Wasser schiebt die Geburt eindeutig an. Nach einiger Zeit bin ich hin- und hergerissen zwischen der wunderbaren Entspannung in den Wehenpausen, in denen ich so schön in der Wanne dümpeln kann und den doch sehr starken Schmerzen. Letztlich ist es wohl so, dass mein Kreislauf die Wanne auf Dauer doch nicht mehr so gut verträgt und ich entscheide mich, wieder rauszuklettern. Der Mann und Melanie helfen mir dabei, ziehen mir den Bademantel über.

Es ist etwa 9.15 Uhr. Ich kniee mich vors Bett und veratme hier meine Wehen. Schnell bricht mir jetzt der Schweiß aus. Vanessa lüftet in den Wehenpausen, aber mir ist furchtbar warm. Ich ziehe wieder mein Kleid an, damit ich mich nicht erkälte, aber ich schwitze weiter. Die Wehen kommen jetzt im Abstand von drei bis vier Minuten. Melanie stellt bei der nächsten Untersuchung fest, dass der Muttermund etwa drei Zentimeter offen ist, aber alles weich und kein Gebärmutterhals mehr. Ich veratme, muss mich immer mehr darauf konzentrieren tiefe Töne anzuschlagen. Vanessa kontrolliert zwischen den Wehen immer wieder die Herztöne. Das beginnt mich ein wenig zu nerven, gleichzeitig finde ich es auch irgendwie schön und lustig, wie engagiert sie ist und zumindest lenkt es auch etwas ab. Mein Partner hilft mir sehr, atmet mit mir, tönt mit mir, versichert mir, dass ich es gut mache und es schaffe und er stolz auf mich sei. Auch Melanie und Vanessa tönen jetzt immer wieder mal mit und erinnern mich an die tiefen Töne und das Einatmen durch die Nase. Ich fühle mich gut aufgehoben. Die meiste Zeit kniee ich vor dem Bett, zeitweise bin ich aber auch im Vierfüßler. Kurzzeitig liege ich auch auf der Seite auf dem Bett, aber das geht für mich gar nicht. Die Wehen werden jetzt immer heftiger. Auch die Abstände verkürzen sich noch mehr. Habe ich zunächst noch ab und zu eine kleine Wehenpause, gehen die Wehen jetzt immer mehr ineinander über. Ich wehe und atme, es schmerzt so sehr! Ich will Pausen, aber mein Körper gönnt sie mir nicht mehr. Mir läuft der Schweiß in Strömen. Der Mann tupft mir die Stirn mit einem kalten Waschlappen ab, Melanie legt mir einen in den Nacken. Ich will, dass es aufhört und ich endlich wieder einmal durchschnaufen kann. Der Mann sichert mir zu, dass unsere Tochter bald da sein wird und ich entgegne nur: „Wann ist bald?“ Ich bin völlig geschafft. Ich habe Angst, dass mein Kreislauf diese Intensität nicht mitmacht. Es kommt mir ewig vor, wie eine Wehe die nächste jagt. Diesmal verstehe ich besser, wieso so viele Frauen PDA und ähnliches wollen. Ich denke zwar nicht ernsthaft daran, aber eigentlich will ich nur noch, dass dieser Schmerz aufhört. Ich zerquetsche die Hand des Mannes, jammere und werde beim Veratmen sehr laut. Der Druck wird stärker, aber irgendwie glaube ich nicht, dass es vorangeht. Der Befund war vorhin ja erst bei drei Zentimetern. Die Kleine rutscht immer tiefer ins Becken. Wann hört das endlich auf?

Dann plötzlich bin ich der Meinung, dass ich jetzt sofort meinen Darm entleeren muss. Sofort. Melanie ist gerade nicht im Raum. Irgendwie komme ich ins Bad und setze mich auf die Schüssel. Gleich merke ich, dass ich in die „falsche“ Richtung presse. Aber der Druck ist so groß! Mir kommt gar nicht der Gedanke, dass es ja einfach das Kind sein könnte. Ich habe Angst, nicht pressen zu dürfen. Ich rufe den Mann, der auch gleich zu mir kommt. „Ich muss aufs Klo! Aber ich darf nicht pressen! Tu etwas!“, schreie ich ihn an. Er tut etwas, geht raus, um die Hebammen zu holen. Vanessa holt sofort Melanie und den Arzt. Ihnen ist natürlich klar, was los ist. Ich bin schon in der Austreibungsphase. Ich will nicht, aber ich presse und fasse nach unten, spüre das Köpfchen, das kurz davor ist geboren zu werden! Melanie ermuntert mich zu pressen. Ich will mein Kind aber auf keinen Fall auf dem Klo bekommen. Also holt der Mann den Geburtshocker. Sie stellen ihn direkt vor mich. Auch wenn ich jammere, dass ich da nicht hinkomme, helfen sie mir vom Klo zum Hocker zu wechseln. Der Arzt fordert mich immer wieder auf, mich nach hinten zu lehnen, aber ich kann nicht! Mein Schatz setzt sich hinter mich auf den Toilettendeckel und zieht mich kurzerhand ein Stück zu sich heran. Er ist da, hält mich. Jetzt presse ich, was das Zeug hält. Ich bin einfach nur so froh, diesem Drang nachgeben zu können! Ich schreie in den Wehen, habe wahnsinnige Schmerzen und fühle mich gleichzeitig mächtig und euphorisch. Der Kopf ist geboren. Ich spüre, wie mein Kind durch mich hindurchrutscht. Zwei oder drei Austreibungswehen später ist sie da, wird von Melanie aufgefangen. Es ist 10.24 Uhr. Arzt und Hebamme untersuchen sie kurz, trocknen sie ab. Sie meldet sich und ihre Stimme bringt mich noch mehr aus dem Konzept. Ich bin völlig fertig, außer Atem und kann es nicht glauben. Ich musste doch meinen Darm entleeren eigentlich… Ich war doch erst bei so wenigen Zentimetern Muttermundöffnung gewesen… Die schnelle Geburt überfordert mich gerade. Aber da unten, da liegt sie, meine Tochter! Meine wunderschöne kleine Tochter! Melanie fragt mich, ob ich schon soweit bin sie zu halten. Natürlich bin ich das. Ich nehme sie in die Arme, halte sie an mich und fange an mit ihr zu sprechen. Ich kann nicht mehr aufhören zu reden, sie zu begrüßen. Sie so nah bei mir zu spüren überwältigt mich. Jo umarmt uns. Er weint. Wir sind glücklich. Wir sind jetzt vier. Unsere Tochter ist bei uns. Sie ist da, tatsächlich da. Die Nabelschnur pulsiert aus, der Mann durchtrennt sie. Ich merke, dass ich das kaum sehen kann, wie er da die Verbindung trennt, die mein Mäuschen und mich so lange zusammengehalten hat. Ich spüren schon wieder eine Wehe kommen. Melanie feuert mich noch einmal an. Schon ist die Nachgeburt da. Ich bin so außer Atem. Aber meine Tochter ist auf der Welt. Ich habe es geschafft. Ich habe sie geboren.

Jetzt soll ich aufstehen und rüber zum Bett. Das Wunder in meinen Armen gebe ich nicht mehr her, ich trage sie selbst, das muss gehen. Ich werde zum Bett geführt, lege mich hin, die Kleine auf meiner Brust. Sie ist so unglaublich schön. Sie ist so perfekt. Ihr Papa kommt dazu und kuschelt sich an uns. Wir haben eine Tochter. Wir kuscheln und genießen es in diesen ersten Minuten zusammenzuliegen. Melanie und Vanessa untersuchen die Plazenta. Dann erklären sie sie dem Mann genau und zeigen sie auch mir. Beim Großen habe ich ja leider verpasst sie genauer zu betrachten. Sie ist an ein paar Stellen schon ein wenig verkalkt, aber schaut insgesamt gut aus.  Jetzt untersucht Melanie mich. Ich kann es kaum glauben, aber außer ein paar Abschürfungen habe ich keine Geburtsverletzungen. Das Nähen bleibt mir erspart. Ich bin gleich noch viel glücklicher. Melanie geht jetzt erst einmal hinaus, Vanessa bleibt noch, um ein Stück aus der Plazenta zu schneiden, das wir zu Plazentapulver verarbeiten wollen. Dann lässt auch sie uns alleine. Wir kuscheln und begrüßen uns. Unsere Kleine beginnt schon bald darauf zu suchen. Als Melanie das nächste Mal nach uns schaut, hilft sie mir sie erstmals anzulegen. Unsere Tochter beginnt zum ersten Mal an meiner Brust zu saugen. Ich bin unbeschreiblich glücklich. Während ich stille und stille kommt  die Hebamme, die den Großen zur Welt gebracht hat, herein und gratuliert uns. Ich freue mich sehr sie zu sehen. Die meiste Zeit ist jetzt aber Ruhe – Begrüßungszeit. Es ist einfach so schön. Der Mann geht kurz raus, Babyschale holen, damit diese nicht zu kalt ist, wenn das Baby hineingelegt wird. Dieses wird nach sehr langem Nuckeln an die zweite Brust angelegt, auch hier saugt sie munter weiter. Schließlich nehme ich sie nach zwei Stunden ab. Es ist Zeit für ihre Untersuchung. Der Mann bleibt bei unserer wunderbaren Tochter. Ich gehe in dieser Zeit duschen. Es tut gut sich zu waschen. Vanessa hilft mir aus der Dusche wieder hinaus. Die U1 war wunderbar, 10/10 beim Apgar-Test. Sie hat einen Kopfumfang von 36 cm, wiegt 3800 g und ist 51 cm lang. Ich bin so stolz auf sie. Der Arzt gratuliert uns und verabschiedet sich dann. Ich fühle mich fit und euphorisch. Vanessa hilft mir ein wenig beim Anziehen. Melanie und Jo wählen Kleidung für Greta aus und ziehen sie an. Danach klären wir Formalia und sind dann plötzlich bereit aufzubrechen. Und ich will auch nach Hause. Wir durften hier in Ruhe ankommen, hatten eine schöne Geburt. Aber jetzt sehne ich mich nach der Ruhe in den eigenen vier Wänden. Vanessa und mein Mann tragen unser Gepäck zum Auto. Ich wechsle noch einmal Vorlagen und stelle fest, dass Pinkeln nicht weh tut. Das begeistert mich so – ich erinnere mich noch gut, wie schmerzhaft das nach der ersten Geburt war. Dann brechen wir auf. Der Papa trägt die Babyschale, Vanessa führt mich. Wir umarmen unsere wunderbaren Hebammen. Sie haben uns eine tolle Geburt ermöglicht und mir viel Vertrauen in mich gegeben. Danke! Vanessa setzt mich noch ins Auto, jetzt bin ich wieder müder und mir ist ein wenig schwindelig. Aber ich habe genug Glückshormone in mir, um die Fahrt gut zu überstehen. Unser Baby schläft in der Schale ein. Wir fahren nach Hause in die Zeit zu viert. Unsere Familienflitterwochen können beginnen.

Abwesenheit

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Puh, das ist lange her.. Das Blogbedürfnis ist irgendwann mit dem Start ins Arbeitsleben gering gewesen. Seitdem ist so viel passiert… Aber gut, ich möchte hier nicht groß 18 Monate nachholen, sondern einfach nur kurz melden, dass wir jetzt wieder da sind. Und vielleicht sogar wieder öfter bloggen werden. Man wird sehen. Seit 5 Tagen sind wir zu viert. Vor allem soll hier diese erste Zeit als Viererfamilie festgehalten werden. Und so wird auch der erste Eintrag nach diesem der Geburtsbericht unserer Tochter werden.

10 Monate

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Mein wunderschönes Baby, du bist jetzt schon über 10 Monate alt. Und du bist so fleißig dabei, die Welt zu entdecken. Du hast deine erste größere Krankheit überstanden, hast dich wunderbar in der Kita eingelebt. Und ab morgen beginnt hier in der Familie schon wieder ein neuer Abschnitt. Denn ab morgen werde ich wieder arbeiten. Und so sehr auch die Zweifel an mir nagen, so sehr ich dich vermisse, wenn du nicht bei mir bist, so sehr weiß ich auch, dass das unser Weg ist. Mir tut es gut, wieder eine Aufgabe neben der Familie zu haben. Dann kann ich in der Zeit, die wir miteinander verbringen, so viel besser für dich da sein. Denn ich bin keine gute Vollzeitmama. Ich werde dir nicht 24 Stunden am Tag gerecht.

Deshalb bin ich so froh, dass du dich gut eingelebt hast in der Kita. Du lachst die anderen Jungs an, du reckst dich auch nach den Tagesmamis. Du bist zwar immer kurz verunsichert, wenn ich (oder der Papa) gehe, aber schon wenn man mit dem Auto am Fenster vorbeifährt, sieht man dich innen zufrieden ein Buch anschauen oder auf dem Boden spielen. Auch das Schlafen klappt in der Kita doch recht gut. Tagesmami D. legt sich auch gerne mal mit zu dir ins Bett, um dich in den Schlaf zu geleiten. Du bist dort gut aufgehoben. Die anderen Jungs kümmern sich auch immer wieder mal um dich, schließlich bist du noch der Kleinste in der Gruppe. Aber du schaust dir wirklich eine Menge ab. Richtig gut ist es in der Kita, seitdem du robben kannst. So kannst du selbst entscheiden, wo du sitzen möchtest, was du angucken oder spielen willst und bist nicht so oft von den mobileren Jungs getrennt.

Das Robben tut dir sowieso gut. Von Tag zu Tag wirst du schneller. Wenn ich kurz in die Küche gehe und dich rufe, kommst du kurz darauf angerobbt – mit dem breitesten Strahlen auf dem Gesicht, das man sich nur vorstellen kann. Du bist merklich selbst stolz und zufrieden, dass du endlich vorankommst. In den letzten Tagen trainierst du auch fleißig den Vierfüßler. Ein oder zweimal hast du es auch schon geschafft, ein Stück nach hinten zu krabbeln. Aber interessanter als Krabbeln ist für dich definitiv der Versuch zu stehen. Du übst dich hochzuziehen, stehst auch schon sehr sicher an Gegenständen oder in deinem Bett, wenn du es denn mal schaffst hochzukommen. Du forderst uns immer wieder auf, dir dabei zu helfen zu stehen oder auch zu laufen. Du brauchst auch immer weniger Stütze für ein paar Schritte. Am liebsten läufst du an Papas Händen der Katze hinterher durch die ganze Wohnung. Bald schon wirst du das alleine können.

Und bald hast du auch endlich mehr Platz dafür. Unsere kleine Wohnung ist bald Vergangenheit. Wir werden im Mai in ein schönes, großes Mietshaus umziehen. Du bekommst dann neben der Spielfläche im Wohnzimmer zwei eigene Zimmer. Ich freue mich so darauf, dir endlich Platz zum Spielen ermöglichen zu können. Und auch ich habe dann mal ein großes Arbeitszimmer, wo du auch spielen kannst udn ich mir nicht ständig Sorgen mache,wenn du im vollgekrempelten Schlafzimmer mit Arbeitsplatz spielst.

Wie schon erwähnt, bist du so viel mobiler geworden. Aber auch deine Sprachentwicklung macht tolle Fortschritte. Wenn du mich siehst, kommt so oft ein “Mamma” oder “Mamamamam”. Die letzten Tage hast du das Prusten für dich entdeckt. So lustig das ist, beim Essen müsste es nicht sein.

Essen ist allgemein aber auch eine wunderschöne Sache zur Zeit. Du isst fast alles gerne. Bei deinem Milchbrei bestehst du mittlerweile darauf, dass ein bisschen Obstsaft (Mandarine) mit drin ist, sonst magst du ihn nicht mehr und schaust mich vorwurfsvoll an. Die Zeit der Dinkelstangen und Reiswaffeln ist zwar noch nicht vorbei, aber viel besser findest du Laugenstangen, Schwarzbrot oder Papas Brötchenknollen. Du willst immer selbst essen. Immer wieder bestreitest du so schon ganze Mahlzeiten nur mit Brot. Obst isst du nur manchmal mit den eigenen Händen, dafür liebst du es ein Stück zerdrückte Banane direkt in den Mund zu bekommen. Am Frühstückstisch probierst du dich durch die ganze Palette – Eier gehen wunderbar, Käse manchmal. Wenn jetzt mal noch weitere Zähnchen herauskommen würden (die nächtlichen roten Bäckchen und das schmerzerfüllte Weinen im Halbschlaf sprechen dafür… Bitte kommt endlich!) wird das noch viel besser werden. Abbeißen geht ja jetzt schon erstaunlich gut.

Abends schläfst du meist bei Papa oder mir auf dem Arm ein. Es geht derzeit eifnach nicht, dich mit dem bewährten Abendritual in den Schlaf zu singen, du brauchst die körperliche Nähe. Und die sollst du auch haben. Meist legen wir dich dann für ein bis drei Stündchen in dein eigenes Bett, bevor du dann zu uns ins Ehebett umziehst. Wir sind richtig gut darin geworden, zu dritt im 1,40 m breiten Bett zu schlafen, doch freuen wir uns wirklich darauf, im Haus eine große Liegewiese für uns zu haben. Du wirst ja auch nicht kleiner und ich glaube kaum, dass du so bald aufhören wirst, zu uns ins Bett zu kriechen. Ich will das auch gar nicht. Ich liebe diesen Kompromiss – ein paar Stunden im eigenen Bett und dann bei uns den Rest der Nacht kuscheln. Tagsüber schläfst du eine Runde vormittags etwa um halb zehn  (in der Kita im Bettchen, bei uns im Buggy, in der Manduca oder im Tuch) und noch einmal gegen drei Uhr. Deine Schlummerchen dauern zwischen zwanzig Minuten und zwei Stunden. Zwischen halb sieben und halb acht gehst du abends ins Bett.

Wir stillen meist einmal tagsüber. Manchmal magst du zum Einschlafen die Brust, manchmal die Flasche, manchmal gar nichts. Nachts willst du oft die Brust, wenn du aufwachst, aber auch das ist nicht mehr selbstverständlich. Manchmal forderst du auch hier die Flasche und immer öfter reicht auch ein wenig Schuckeln oder dich auf meinen Bauch zu legen. Ich genieße das Stillen noch sehr. Wenn du es aber ausschleichen wollen solltest, wäre das auch okay für mich. Wir hatten wunderbare zehn Monate eine tolle Stillbeziehung. Zu Pfingsten fahren dein Papa und ich vier Tage alleine weg, ich bin gespannt, ob ich dann noch Abpumpgerätschaften mitnehmen werde.

Einmal die Woche übernachtet deine Oma hier. Sie fährt mit dir im Buggy in die Stadt und geht mit dir ins Cafe, wo du glücklich Banane und Brot futterst und die Leute angrinst. Es ist gut zu wissen, dass sie da ist. Das ermöglicht mir das Arbeiten, wenn dein Papa Spätschicht hat und ihr baut eine tolle Beziehung zueinander auf. Das ist mir so wichtig, dass du eine gute Bindung zu deinen Großeltern hast.

Wir gehen weiterhin einmal wöchentlich walken. Das geht immer noch erstaunlich gut, du schaust ganz lang und schläfst dann irgendwann in Tragetuch oder Manduca ein. Ich fidne das Tuch immer noch bequemer, aber wenn du einen sehr aktiven Tag hast, weigerst du dich mittlerweile, hineingebunden zu werden. Deshalb bin ich wirklich froh um die Manduca, die uns ein wunderbarer Mensch geliehen hat.

Du verlierst immer mehr vom Baby. Deine Gesichtszüge werden langsam die eines Kleinkinds. Du entdeckst so viel. Du schaust aufmerksam Bücher an und zeigst darin auf einzelne Bilder, die ich dir dann benenne. Du schiebst Kugeln auf der Standge hin und her und freust dich, wenn sie sich ein Stück von selbst bewegen. Du versuchst, Becher ineinander zu stapeln. Du spielst fasziniert und ausführlich mit dem Auto, das du hin und herschiebst. Du liebst es, mit Rasseln auf den Glastisch zu hauen und freust dich, wenn du es schaffst, es wieder zu tun, obwohl ich ein Stück Papier untergelegt habe. Du stehst am Spielbogen und hüpfst begeistert. Du jagst der Katze hinterher und lachst laut, wenn du sie spielen oder auch nur schlafen siehst. Du strahlst den Papa an, wenn er nach Hause kommst. Du sagst “Mamam”, wenn ihr zur Tür hereinkomme. Du bist wunderbar. Du bist unser Baby und wir lieben dich.

Begrüßungsschreiben

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Das Begrüßungsschreiben der Zahnfee sollte bald bei Oskar eintreffen. Er ist seit heute morgen kein Mitglied der zahnlosen Gesellschaft mehr. Der untere linke Schneidezahn ist in der Nacht durchgebrochen. Die letzten Tage waren anstrengend. Der kleine Schatz war – und ist immer noch – etwas launisch. In einem Moment spielt er glücklich vor sich hin, im nächsten fängt er an zu weinen.
Er kann schlecht alleine schlafen. Nach dem letzten Trinken an der Brust döst er nicht mehr glücklich ein, sondern schaut mich mit hellwachen und fordernden Augen an und wir spielen noch eine Runde. Doch auch, wenn er müde wird, will er nicht schlafen, sondern wälzt sich hin und her und jammert. Erst wenn die Müdigkeit ihn komplett überrollt, schließt er die Augen und schläft in meinen oder Papas Armen ein. In seinem Bettchen schläft er nur noch schlecht. Wir versuchen es zwar weiterhin, aber mehr als zwei oder drei Stunden in der Nacht gehen derzeit nicht.
Er verbringt also den größten Teil der Nacht in unserem Bett und ein Elternteil muss aufs Sofa auswandern. Hätten wir doch Platz für ein größeres Bett, in dem wir alle drei Platz finden!
In absehbarer Zeit müssten wir also umziehen. Dafür bräuchten wir aber erstmal eine gut erreichbare, bezahlbare und katzenfreundliche Wohnung oder lieber gleich ein Haus. Dass unsere Zukunft noch unsicher ist, der Mann nicht weiß, ob sein Jahresvertrag verlängert wird und ich sowieso nicht weiß, wie es nach dem Referendariat weitergeht, ändert eben auch nichts daran, dass wir den Platz brauchen, die Heizsituation in dieser Wohnung unerträglich ist und Oskar einfach möglichst bald sein komplett eigenes Reich haben soll. Also schauen wir uns um auf dem eher mau ausgestatteten Wohnungsmarkt.

Achja – es sollte auch weiterhin möglich sein, vom neuen Heim gut zur Kita kommen zu können.Denn schließlich wird unser Wicht im Januar eingewöhnt und geht dann ab Februar fest zu seinen Tagesmamas. Das erste Kennenlernen und auch die weiteen Kontakte beim wöchentlichen Schnuppern haben gut geklappt und auch, wenn ich etwas wehmütig bin, es ist das Richtige für unsere Familie.

Oskar kann schon so viel.. Er wirkt immer erwachsener und das Spielen mit ihm ist mittlerweile echte Interaktion. Er liebt die Katze und findet auch die großen Katzen im Buch (Löwen ;) ) total toll und freut sich, wenn er sie sieht. Manchmal guckt er auch schon zwischen der lebenden Katze und den Katzen im Buch hin und her und giggelt und freut sich. Sitzen kann er noch nicht, aber Rollen und sich um die eigene Achse drehen dafür um so besser. Groß das Sitzen zu üben ist auch noch nicht angesagt, aber Stehen will er ständig. Auf dem Schoß versucht er sich hochzuziehen, wenn man ihn im Stand hält, stemmt er sich dagegen, wieder gelegt zu werden. Rasseln, Handpuppen, das Stehaufmännchen und Bauklötze sind derzeit hoch im Kurs.

Wir stillen noch mindestens zweimal am Tag und ab und zu öfters, wenn er nachts bei mir schläft oder wenn er tagsüber von seinem Brei nicht satt wird. Zum Brei möchte der kleine Herr mittlerweile immer etwas zum Knabbern haben – Zwieback, Reiswaffel, Gurke, Banane, Apfel, Mango, Nudeln, Brot oder auch ein Stück Pfannkuchen sind beliebt. Auch von Papas Rührei hat er schon gekostet und es für gut befunden. Weniger lecker findest du Karotten. Vielleicht ändert sich das ja mit dem ersten Zähnchen, wenn jetzt geraspelt werden kann.