Mein wunderschönes Baby, du bist jetzt schon über 10 Monate alt. Und du bist so fleißig dabei, die Welt zu entdecken. Du hast deine erste größere Krankheit überstanden, hast dich wunderbar in der Kita eingelebt. Und ab morgen beginnt hier in der Familie schon wieder ein neuer Abschnitt. Denn ab morgen werde ich wieder arbeiten. Und so sehr auch die Zweifel an mir nagen, so sehr ich dich vermisse, wenn du nicht bei mir bist, so sehr weiß ich auch, dass das unser Weg ist. Mir tut es gut, wieder eine Aufgabe neben der Familie zu haben. Dann kann ich in der Zeit, die wir miteinander verbringen, so viel besser für dich da sein. Denn ich bin keine gute Vollzeitmama. Ich werde dir nicht 24 Stunden am Tag gerecht.
Deshalb bin ich so froh, dass du dich gut eingelebt hast in der Kita. Du lachst die anderen Jungs an, du reckst dich auch nach den Tagesmamis. Du bist zwar immer kurz verunsichert, wenn ich (oder der Papa) gehe, aber schon wenn man mit dem Auto am Fenster vorbeifährt, sieht man dich innen zufrieden ein Buch anschauen oder auf dem Boden spielen. Auch das Schlafen klappt in der Kita doch recht gut. Tagesmami D. legt sich auch gerne mal mit zu dir ins Bett, um dich in den Schlaf zu geleiten. Du bist dort gut aufgehoben. Die anderen Jungs kümmern sich auch immer wieder mal um dich, schließlich bist du noch der Kleinste in der Gruppe. Aber du schaust dir wirklich eine Menge ab. Richtig gut ist es in der Kita, seitdem du robben kannst. So kannst du selbst entscheiden, wo du sitzen möchtest, was du angucken oder spielen willst und bist nicht so oft von den mobileren Jungs getrennt.
Das Robben tut dir sowieso gut. Von Tag zu Tag wirst du schneller. Wenn ich kurz in die Küche gehe und dich rufe, kommst du kurz darauf angerobbt – mit dem breitesten Strahlen auf dem Gesicht, das man sich nur vorstellen kann. Du bist merklich selbst stolz und zufrieden, dass du endlich vorankommst. In den letzten Tagen trainierst du auch fleißig den Vierfüßler. Ein oder zweimal hast du es auch schon geschafft, ein Stück nach hinten zu krabbeln. Aber interessanter als Krabbeln ist für dich definitiv der Versuch zu stehen. Du übst dich hochzuziehen, stehst auch schon sehr sicher an Gegenständen oder in deinem Bett, wenn du es denn mal schaffst hochzukommen. Du forderst uns immer wieder auf, dir dabei zu helfen zu stehen oder auch zu laufen. Du brauchst auch immer weniger Stütze für ein paar Schritte. Am liebsten läufst du an Papas Händen der Katze hinterher durch die ganze Wohnung. Bald schon wirst du das alleine können.
Und bald hast du auch endlich mehr Platz dafür. Unsere kleine Wohnung ist bald Vergangenheit. Wir werden im Mai in ein schönes, großes Mietshaus umziehen. Du bekommst dann neben der Spielfläche im Wohnzimmer zwei eigene Zimmer. Ich freue mich so darauf, dir endlich Platz zum Spielen ermöglichen zu können. Und auch ich habe dann mal ein großes Arbeitszimmer, wo du auch spielen kannst udn ich mir nicht ständig Sorgen mache,wenn du im vollgekrempelten Schlafzimmer mit Arbeitsplatz spielst.
Wie schon erwähnt, bist du so viel mobiler geworden. Aber auch deine Sprachentwicklung macht tolle Fortschritte. Wenn du mich siehst, kommt so oft ein “Mamma” oder “Mamamamam”. Die letzten Tage hast du das Prusten für dich entdeckt. So lustig das ist, beim Essen müsste es nicht sein.
Essen ist allgemein aber auch eine wunderschöne Sache zur Zeit. Du isst fast alles gerne. Bei deinem Milchbrei bestehst du mittlerweile darauf, dass ein bisschen Obstsaft (Mandarine) mit drin ist, sonst magst du ihn nicht mehr und schaust mich vorwurfsvoll an. Die Zeit der Dinkelstangen und Reiswaffeln ist zwar noch nicht vorbei, aber viel besser findest du Laugenstangen, Schwarzbrot oder Papas Brötchenknollen. Du willst immer selbst essen. Immer wieder bestreitest du so schon ganze Mahlzeiten nur mit Brot. Obst isst du nur manchmal mit den eigenen Händen, dafür liebst du es ein Stück zerdrückte Banane direkt in den Mund zu bekommen. Am Frühstückstisch probierst du dich durch die ganze Palette – Eier gehen wunderbar, Käse manchmal. Wenn jetzt mal noch weitere Zähnchen herauskommen würden (die nächtlichen roten Bäckchen und das schmerzerfüllte Weinen im Halbschlaf sprechen dafür… Bitte kommt endlich!) wird das noch viel besser werden. Abbeißen geht ja jetzt schon erstaunlich gut.
Abends schläfst du meist bei Papa oder mir auf dem Arm ein. Es geht derzeit eifnach nicht, dich mit dem bewährten Abendritual in den Schlaf zu singen, du brauchst die körperliche Nähe. Und die sollst du auch haben. Meist legen wir dich dann für ein bis drei Stündchen in dein eigenes Bett, bevor du dann zu uns ins Ehebett umziehst. Wir sind richtig gut darin geworden, zu dritt im 1,40 m breiten Bett zu schlafen, doch freuen wir uns wirklich darauf, im Haus eine große Liegewiese für uns zu haben. Du wirst ja auch nicht kleiner und ich glaube kaum, dass du so bald aufhören wirst, zu uns ins Bett zu kriechen. Ich will das auch gar nicht. Ich liebe diesen Kompromiss – ein paar Stunden im eigenen Bett und dann bei uns den Rest der Nacht kuscheln. Tagsüber schläfst du eine Runde vormittags etwa um halb zehn (in der Kita im Bettchen, bei uns im Buggy, in der Manduca oder im Tuch) und noch einmal gegen drei Uhr. Deine Schlummerchen dauern zwischen zwanzig Minuten und zwei Stunden. Zwischen halb sieben und halb acht gehst du abends ins Bett.
Wir stillen meist einmal tagsüber. Manchmal magst du zum Einschlafen die Brust, manchmal die Flasche, manchmal gar nichts. Nachts willst du oft die Brust, wenn du aufwachst, aber auch das ist nicht mehr selbstverständlich. Manchmal forderst du auch hier die Flasche und immer öfter reicht auch ein wenig Schuckeln oder dich auf meinen Bauch zu legen. Ich genieße das Stillen noch sehr. Wenn du es aber ausschleichen wollen solltest, wäre das auch okay für mich. Wir hatten wunderbare zehn Monate eine tolle Stillbeziehung. Zu Pfingsten fahren dein Papa und ich vier Tage alleine weg, ich bin gespannt, ob ich dann noch Abpumpgerätschaften mitnehmen werde.
Einmal die Woche übernachtet deine Oma hier. Sie fährt mit dir im Buggy in die Stadt und geht mit dir ins Cafe, wo du glücklich Banane und Brot futterst und die Leute angrinst. Es ist gut zu wissen, dass sie da ist. Das ermöglicht mir das Arbeiten, wenn dein Papa Spätschicht hat und ihr baut eine tolle Beziehung zueinander auf. Das ist mir so wichtig, dass du eine gute Bindung zu deinen Großeltern hast.
Wir gehen weiterhin einmal wöchentlich walken. Das geht immer noch erstaunlich gut, du schaust ganz lang und schläfst dann irgendwann in Tragetuch oder Manduca ein. Ich fidne das Tuch immer noch bequemer, aber wenn du einen sehr aktiven Tag hast, weigerst du dich mittlerweile, hineingebunden zu werden. Deshalb bin ich wirklich froh um die Manduca, die uns ein wunderbarer Mensch geliehen hat.
Du verlierst immer mehr vom Baby. Deine Gesichtszüge werden langsam die eines Kleinkinds. Du entdeckst so viel. Du schaust aufmerksam Bücher an und zeigst darin auf einzelne Bilder, die ich dir dann benenne. Du schiebst Kugeln auf der Standge hin und her und freust dich, wenn sie sich ein Stück von selbst bewegen. Du versuchst, Becher ineinander zu stapeln. Du spielst fasziniert und ausführlich mit dem Auto, das du hin und herschiebst. Du liebst es, mit Rasseln auf den Glastisch zu hauen und freust dich, wenn du es schaffst, es wieder zu tun, obwohl ich ein Stück Papier untergelegt habe. Du stehst am Spielbogen und hüpfst begeistert. Du jagst der Katze hinterher und lachst laut, wenn du sie spielen oder auch nur schlafen siehst. Du strahlst den Papa an, wenn er nach Hause kommst. Du sagst “Mamam”, wenn ihr zur Tür hereinkomme. Du bist wunderbar. Du bist unser Baby und wir lieben dich.