Unglaubliche zehn Monate

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Aufgrund von Hitze und Schreibunlust nur ein paar Stichpunkte zu unserem jetzt zehn Monate alten Mädchen:

– Sie krabbelt die Treppe komplett selbstständig hoch.

– Sie läuft bis zu 6 Schritte selbstständig auf Papa oder Mama zu. Mehr geht nicht, da sie das Gewicht noch falsch verlagert.

– An den Händen läuft sie, rennt sie, steht sie auf einem Bein, dreht sich. An einer Hand läuft sie auch schon sehr gut.

– Sie steht mit Begeisterung aus ihrem Hochstuhl auf und krabbelt auf den Tisch.

– Sie isst sehr wenig im Moment. Sie stillt viel.

– Sie kann endlich aus Trinklernflaschen und aus dem Becher trinken. Mit Hilfe gut, alleine fast gut.

– Oft kommt sie erst um vier Uhr nachts und will aus dem Gitterbett im Kinderzimmer ins Elternbett umziehen.

– Niemand bringt sie so zum Juchzen wie der große Bruder. Der sagt derzeit immer, wenn er ihr hilft (passiert oft): “Ich bin der tolle Bruder!” Hm, zu oft gesagt zu ihm?

– Sie steht total auf ihre Zahnbürste. Sie würde sie am liebsten überall mit hinnehmen.

– Sie versucht Sand mit der Schaufel aufzunehmen und in den Eimer zu schütten.

– Wie der Große liebt sie das neue Trampolin und krabbelt gerne darauf herum. Sie liebt auch die Rutsche und die Sandmuschel. Endlich haben wir unseren kleinen Privatspielplatz.

– Sie hat wunderschöne blonde Locken. Sie kräuseln sich hinreißend und erinnern mich so an meine Schwester.

– Die Augen sind dafür dunkler als die des Bruders. Ich sehe hier evtl eine Papaaugenfarbe im Anmarsch.

– Sie mag es nicht im Gesicht eingecremt zu werden und Sonnenhüte sind ihr ein Gräuel.

– Im Babybecken im Schwimmbad läuft sie die Rutsche hoch, hangelt sich überall entlang und rennt gern einfach mal los, ohne sich um Wasser im Gesicht oder eventuelles Eintauchen zu kümmern.

– Sie quatscht den ganzen Tag. Dadada, bababa, hieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee? oder deda höre ich abr wohl am häufigsten.

– Sie hält mir Gegenstände hin, die ich benennen soll.

– Sie spielt “Ich geb dir, du gibst mir”-Spiele.

So viel mehr gibt es noch. Aber das soll als Gedächtnisstütze reichen.

Nur noch zwei Monate. Ich bin immer noch so unsicher wie vor zwei Monaten. Die kleine Perfektionistin ein Krippenkind? Wir werden sehen..

9 Monate Babymädchen – ein paar Alltagseindrücke

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Unser kleiner Sonnenschein ist jetzt seit neun Monaten bei uns. Unglaubliche neun Monate. In dieser Zeit sind wir zu einer echten vierköpfigen Einheit zusammengewachsen. Wir sind vollständig.

Heute haben sie und ich den großen Bruder zu Fuß aus dem Kindergarten abgeholt. Sie sitzt jetzt wirklich gern im Kinderwagen, schaut die Welt an, macht es sich bequem – sie lümmelt sich wirklich richtig in den Sitz hinein – und spielt ein wenig. Wie meistens ist sie etwa auf der Hälfte des Weges eingeschlafen, ihr kleines Köpfchen gemütlich an die Seite gekuschelt, mit ihrem Knisterschmetterling in der Hand. Die Kindergartenkinder spielten bei schönem Wetter im Garten, mein Großer war gerade beim Wickeln. Also warteten wir ein wenig unten und das kleine Mädchen wachte sofort auf, als sie die Spielgeräusche der Kinder hörte. Dann flirtete sie gleich drauflos, denn wie immer, wenn so ein Baby kommt, finden das die Größeren toll. Also lachte und quietschte sie ein bisschen mit ihnen, um dann richtig zu juchzen, als das Gesicht des großen Bruders in ihrem Blickfeld auftauchte. Die beiden brauchen immer kurz einen Moment, um sich zu begrüßen, zu bejuchzen, ein wenig zu bekrabbeln, bevor wir dann wieder aufbrechen können. Dieser Begrüßungsmoment der Geschwiester ist zu niedlich.

Auf dem Rückweg machten wir die üblichen kleinen Pausen – bei den großen Lastwagen, auf der Eisenbahnbrücke, bei der Bank hinter der Eisenbahnbrücke und schließlich am Spielplatz. Hier breitete der Sohn die Picknickdecke aus und gönnte sich erstmal ein bisschen Banane und Zwieback, während das Mädchen Reiswaffeln futterte. Sie isst inzwischen richtig gut, kann abbeißen, lutschen, kommt mit verschiedenen Konsistenzen zurecht und isst einfach gerne. Sie wurde dann auch ziemlich wütend, als ich ihr erstmal keine Banane geben wollte. Am Tisch gerne, aber auf der Decke wollte ich dann doch nicht unbedingt überall die Bananenpampe. Aber gut – Mädchen setzte sich durch und es ging sogar von der Sauerei. Mädchen und Decke sahen durchaus noch annehmbar aus, Mama hatte dafür jede Menge Flecken an der Hose. Stillen wollte sie heute recht wenig, dafür hat sie intensiv mit der Trinklernflasche geübt, die wir dann tatsächlich auch mit zum Picknick genommen hatten. Ein wenig Wasser ist wohl tatsächlich auch in ihr gelandet, jedenfalls war sie wirklich nicht so durstig wie sonst oft.

Der Große packte nach dem Mahl sein Sandspielzeug aus und die Kleine machte es ihm nach und erkundete Förmchen und Schaufel. Ich durfte mich einen Moment zurücklegen und ein wenig lesen. Aber schon bald wurde ich in die fantasiereichen Rollenspiele des Sohnes einbezogen, war mal Hund, mal Fuchs, mal Pirat und bespielte mit ihm hauptsächlich Sandeimer und Kipplaster. Dann huschte er davon, um die Wippe auszutesten. Mein Mamaherz geriet leicht in Panik, als ich aus den Augenwinkeln sah, wie er einfach die Wippe entlangkrabbelte, aber perfekt das Gleichgewicht hielt, als sie in die andere Richtung kippte. Daran hatte er heute wirklich einen Heidenspaß und ich habe einmal mehr gesehen, wie mutig er doch sein kann. Das Mädchen krabbelte derweilen durch den ganzen Sandkasten. Sie ist wirklich schnell und auch heute hatte sie sofort das Baby mit dem Schnuller im Visier, das einige Meter entfernt im Gras saß. Sie giert total auf Schnuller und klaut sie, wo sie nur kann. Gerade in Krabbelgruppen eine eher anstrengende Angewohnheit. Heute kam ich aber über ihre Schnullergier zumindest in ein nettes Gespräch. Danke, kleines Mädchen, du machst Kontaktaufnahmen einfacher!

Später zog sich die kleine Perfektionistin an der Schaukel hoch. Egal, wie wackelig, sie schafft es daran aufzustehen. Theoretisch kann sie dann auch schon freihändig stehen, aber nur, wenn sie Spielzeug in der Hand hält, das sie ablenkt. Sobald sie merkt, dass sie frei steht, plumpst sie von sich selbst überrascht sofort auf ihren Popo. Entlanghangeln an Tischen oder unserem Gästebett geht dafür auch immer schneller. Immer wieder fordert sie den großen Bruder inzwischen auch zum Fangenspielen auf. Da krabbelt sie schnell ein Stück von ihm weg, schaut sich herausfordernd um und wenn er folgt krabbelt sie fix glucksend und nicht selten nach am Lachkrampf oder der Panik weiter. Weil irgendwie macht ihr das wohl dann doch auch etwas Angst, wenn sie da etwas verfolgt und ja doch immer recht bald erwischt. Aber es macht sie beide so glücklich, dass sie jetzt richtig miteinander spielen können. Hach!

Schaukeln durfte das Minimädchen auf dem Spielplatz natürlich auch noch. Sie genießt das sehr und richtig schön war, als der Große sie heute zum ersten Mal angeschubst hat. Den Unterschied zwischen Festhalten und Anschubsen müssen wir zwar noch endgültig begreifen, aber Minimaus fand das nochmal toller, als wenn ich sie anschubse.

Mir wurde dann langsam etwas kalt, also wurden die Zwerge eingepackt und wir gingen noch ein wenig spazieren. Er düste mit dem Laufrad voran, sie bespielte wieder den Knisterschmetterling. Am Friedhof machten wir wie so oft die Kapelle als Treffpunkt aus und der Sohn fuhr eine Weile ganz alleine und ohne Mamas beobachtende Augen herum. Er liebt das und es ist ein guter Ort für seine selbstständigen Ausflüge – keine Autos, kaum Tore, schöne Fahrwege. Wir zündeten noch eine Kerze für Opa an, der gerade seine zweite Hüft-OP hinter sich hat, und dann gings nach Hause. Söhnchen wollte noch nicht rein, also malten wir noch ein wenig mit Kreide in der Einfahrt. Das Mädchen untersuchte ein Prospekt und zerriss es in kleine Teilchen und meldete dann Stillhunger an.

Nach einem leckeren Abendmahl aus Nudeln und gedünstetem Gemüse, wo auch das Mädchen gut zuschlug, mussten die Kinder eine Runde baden. Er machte das mit Freuden, sie war weniger begeistert. Sie ist es gewohnt, dass der Mann oder ich mit in der Wanne sitzen, wenn ich aber allein bin, geht das nicht. Also habe ich sie reingesetzt und festgehalten, was eine Minute gut ging und dann zu Protestgeschrei führte. Also Maus raus, bettfertig gemacht und dann nochmal zum Spielen auf den Boden gesetzt. Außerhalb des Wassers waren dann die Badewannenspritztiere auch wieder sehr interessant und so konnte der Große sein Bad in Ruhe beenden.

Nach der Wanne wollten beide noch ein wenig spielen, sie mit einem Steckpuzzle (rausnehmen geht schon ganz wunderbar, reinlegen natürlich noch nicht), er mit Holzschwert und Schild (Topfdeckel). Ich war der Raubritter, der verjagt werden musste. Das Mädchen beäugte unser Spiel misstrauisch, konnte aber wunderbar allein spielen, obwohl sie doch schon recht müde schien. Kurze Zeit später schauten wir dann Sandmann, gingen ins Kinderzimmer und ich las noch aus einem Buch vor. Das Mädchen war jetzt auch schon sehr kaputt und wollte nur noch sehr kurz mit dem Bruder spielen. Meist stelle ich sie nämlich noch an sein Bett und die zwei spielen noch kurz miteinander. Ich machte ihm eine CD an (die Wahl fiel heute auf Feenmärchen), stillte und hielt seine Hand. Bald war er eingeschlafen und sie wieder hellwach. Also ging ich mit ihr noch einmal ins Zimmer des Mannes, machte mir eine Kleinigkeit zu essen, ließ sie spielen und las ein bisschen Blogeinträge. Gegen halb acht konnte sie dann aber auch nicht mehr und ich stillte sie in wenigen Minuten in den Schlaf.

Irgendwann heute nacht werden beide ins Elternbett umziehen, ich werde sie nachts stillen und wir werden kuscheln.

Sie kann schon so viel, sie ist so aktiv. Und doch ist sie immer noch mein Minimädchen. In drei Monaten kommt sie mit größter Wahrscheinlichkeit in die Krippe. Die letzten drei Monate zu Hause muss ich nutzen, um mich noch mehr darin zu üben, im Augenblick zu leben. Es ist einfach so wunderschön, so ein Baby zu haben. Und dazu noch so ein mutiges und neugieriges Kleinkind.

Paarzeit – Familienzeit – Partyzeit: Festival mit Kindern

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wgt (3)Ein Höhepunkt unseres Jahres ist das WGT (Wave Gotik Treffen) in Leipzig. Ein paar Tage Schwarzvolk, Styling, Musik, Party, Treffen mit alten Bekannten und exzessivem Straßenbahnfahren. Ankommen, daheim fühlen, genießen. Dieses Jahr waren wir zu sechst unterwegs. Meine Eltern, wir, unsere zwei Kinder.

Im Vorfeld hatte ich ein wenig Bedenken. Wie würde mein Baby mit der neuen Umgebung klarkommen? Könnte ich sie ausreichend lange bei meinen Eltern lassen, um etwas vom Festival zu haben? Würden wir die meiste Zeit mit Baby unterwegs sein? Das wäre durchaus in Ordnung gewesen, aber Menschenmassen und Baby passen für mich nur sehr eingeschränkt zusammen und ich hätte mich nicht gut gefühlt, sie mit auf ein Konzert zu nehmen (trotz Ohrenschützer). Der Plan sah vor, dass die Kinder hauptsächlich bei meinen Eltern sein würden, wir ab und an in die Wohnung zurückkehren würden, damit die kleine Perfektionistin gestillt werden könnte. Wir hatten das Glück noch eine ausreichend große Wohnung ergattern zu können, die dann auch mit Spielzeug für die Kinder, Hochstühlen und Babybetten aufwartete. Hier hatten wir ein gutes Hauptquartier für die Zeit iwgt (2)n Leipzig.

Am Freitagmorgen ging es mit zwei Autos und viel zu viel Gepäck los. Der Sohn hatte sich schon tagelang auf den Urlaub und dabei vor allem darauf gefreut, dass Oma und Opa mitfahren würden. Von der ersten Sekunde war er im Großelternland und interessierte sich nur noch sehr eingeschränkt für uns Eltern. So fuhr er natürlich auch nicht in unserem Auto mit. Die Zwergin hatte in der Nacht schlecht geschlafen. Das ist zwar nicht so schön, aber diesmal war es eine gute Voraussetzung für die lange Fahrt. So schlief sie auch tatsächlich die 2 1/2 Stunden, die wir unterwegs waren durch und wachte auf, sobald wir das Auto vor unserer Wohnung parkten.

Wir holten den Schlüssel im Blumenladen und sofort wusste ich wieder, wieso ich Leipzig so mag: Wir quatschten mit der Verkäuferin und fühlten uns sofort wohl und heimelig. Die Leute sind wirklich äußerst offen und gesprächig. In den wenigen Tagen Leipzig im Jahr rede ich wahrscheinlich genauso viel mit mir unbekannten Leuten in Läden und Straßenbahnen wie im gesamten restlichen Jahr daheim. Wir nahmen die Wohnung in Beschlag und die kleine Maus erkundete gut gelaunt Kinder- und Wohnzimmer.

Während ich begann mich zu schminken, kamen auch meine Eltern und unser Sohn an, die ebenfalls eine angenehme Fahrt gehabt hatten. Noch einmal stillen – und schon waren wir unterwegs zum Bändchen holen. Der Mann hatte diesmal eine Fotoakkreditierung und kam damit kostenlos aufs Festival. Lediglich eine Obsorgekarte kauften wir noch für ihn, damit er auch die Straßenbahnen nutzen konnte. Journalist sein darf sich eben auch einmal auszahlen. Selbstverständlich wird er aber auch seine Pflicht tun und einen Artikel über das Treffen schreiben.

Wir genossen es auf dem Agragelände zu sein und guckten erstmal, was es an Fress- und Verkaufsständen in diesem Jahr gab. Dabei kamen eine neue Tasche und ein Nietengürtel für den Mann, ein Lederröckchen für mich und ein paar Kinderklamotten in unseren Besitz. Schließlich sollten auch die Kleinen für die Tage passend gestylt werden.


 


 

wgt (4)Anschließend fuhren wir zurück, spielten ein wenig mit den Kindern, ich stillte, frischte das Make Up auf und schon ging es wieder los. Im Felsenkeller hörten wir uns Soror Dolorosa an, die ich vorher nicht gekannt hatte und mir gut gefielen. Zum Glück zog es uns nach dem ersten Konzert in den Biergarten, der wirklich schön angelegt war. So bekamen wir von der nächsten Band (Two Witches) nicht allzu viel mit. Die letzten zwei Lieder reichten mir aber auch. Die Tonmischung war wirklich schlecht, es hätte da auch jede andere Band stehen können. Sehr schade eigentlich.

Dafür waren Nosferatu dann wieder richtig gut und wir tanzten mit einer netten Dame, die wir kurz vorher kennengelernt hatten und hatten eine Menge Spaß. Zum Abschluss des Abends ging es noch ins Täubchenthal, wo wir auf der “When we were young”-Party weitertanzten und langsam müde wurden. Kurz vor zwei nahmen wir dann den Nachtbus und fanden den Rest der Familie schlafend vor. Die Kleine hatte mit den Bruder und Großeltern einen schönen Abend gehabt und uns wohl fast nicht vermisst, einige Nudeln gegessen und tatsächlich auch ein wenig aus der Flasche getrunken. Kurz nach unserer Ankunft kam sie dann aber auch, stillte und schlief seelig mit bei uns im Bett weiter.

Der Samstagmorgen war erstmal hart. Ich war nach der sehr kurzen Nacht sehr müde und konnte nicht weiterschlafen, als die Kinder wach wurden und es in der Wohnung lauter. Also wuchtete ich mich hoch, ließ den Mann noch etwas schlummern und suchte mir ein Outfit für den Tag. Wir beschlossen, dass wir den Tag mit den Kindern verbringen wollten. Meine Eltern sollten Gelegenheit haben, sich die Stadt anzuschauen und die Kinder ein bisschen Festivalluft schnuppern. Also nach einer längeren Spielrunde, während der ich mich stylte und sich die ganze Familie in schwarze Outfits (Papa und Sohn im gleichen Misfits-T-Shirt, Mama ebenfalls mit Misfits-Top, die kleine Fledermaus im schwarzen Hoody)  ab in die Straßenbahn und zunächst zur Agra.

Dort musste ich mir noch schnell eine Kette holen, die mir eigentlich zu teuer war, von der ich aber die ganze Nacht geträumt hatte. Unser Söhnchen war tiefbeeindruckt von einigen Verkaufsständen und ließ sich mit Flyern und Aufklebern beschenken, bewunderte Kopfschmuck und Kleider und spielte Pirat. Danach wollte er die Feuerschlucker sehen, die mein Vater ihm unbedarfterweise für den Mittelaltermarkt versprochen hatte. Aber natürlich gab es mittags keine Feuershow, was den Sohn erstmal deprimierte. Dennoch konnten wir ihn bei der Ankunft im Heidnischen Dorf schnell wieder glücklich machen. Es spielte nämlich gerade eine irische Folkband. Und diese Art Musik mag er, seitdem er ein kleines Baby ist. Ich setzte mich also mit ihm auf die Wiese ein gutes Stück von der Bühne entfernt. Hier konnte man sich noch unterhalten, hörte die Band aber auch sehr gut und hatte auch gute Sicht. Mittags ist ja immer noch nicht ganz so viel los. Der Große folgte der Bühnenshow, wippte im Takt und wollte gar nicht mehr weg, weshalb der Rest der Familie sich mit Picknickdecke zu uns gesellte. Dazu gab es Breze, frisch gebackenes (und überbackenes) Brot und für den Mann Holunderfederweißer. Die kleine Fledermaus krabbelte, aß mit und schien sich auch durchaus wohl zu fühlen.

Nach dieser ersten Konzerterfahrung war es Zeit den Markt etwas zu erkunden. Der Sohn bekam bei den Ritterrüstungen große leuchtende Augen und wollte sich am liebsten gleich ein vollständiges Ritterset zulegen. Da das aber eindeutig zu teuer gewesen wäre, gab es als Start ein Kurzschwert mit passender Scheide, das er den Rest des Tages stolz trug. Da wir das Tragetuch vergessen hatten, die Maus aber nicht mehr in den Kinderwagen wollte, suchte ich mir bald einen weiteren Platz Picknickplatz für uns. Die Männer gingen noch einmal los, sahen beim Bogenschießen zu und holten uns etwas Süßes vom Araber.


 


 

Den Rest der Zeit verbrachten wir auf der Wiese, kämpften mit Stock und Schwert und genossen den schönen Familienausflug. Als das Mädchen wieder begann sich die Augen zu reiben, brachen wir auf. Jetzt wurde es allmählich auch richtig voll und damit immer ungemütlicher. In der Straßenbahn bekamen wir leider keinen Sitzplatz. Der Große jammerte danach sitzen zu dürfen, aber von der angeblichen (und ja auch oft beobachteten) Höflichkeit des Schwarzvolks war in dem Moment nichts zu spüren. Ich ärgerte mich, während der Mann den Sohn auf dem Arm sitzen hatte, dass ich nicht gleich zu Beginn jemanden direkt angequatscht hatte. Später traute ich mich nicht mehr und ärgerte mich nur noch mehr über Leute, die sich halb in den Kinderwagen setzten. Ja, es war voll – aber zumindest ein bisschen Privatsphäre muss man einem Kind doch lassen. Ich war dann aber einfach zu fertig, um mich mit irgendjemanden anzulegen, der kein Gefühl für Enge und Kinderbedürfnisse hat. Letztlich kamen wir wieder heil aus der Straßenbahn und bugsierten ein noch schlafendes und ein ziemlich kaputtes Kind zurück in die Wohnung.

Die Abendplanung sah vor, dass wir erst recht spät wieder aus dem Haus mussten und so hatte ich eigentlich viel Zeit für Styling und Vorbereitung. Da sich das dann aber eher als Problem herausstellte (die Kleine kam mit mir in der Wohnung nicht recht zur Ruhe, ich steigerte mich in Figurprobleme hinein und bekam meine Haare einfach nicht gerichtet) war dies wohl der schwierigste Moment des gesamten Festivals. Das Alternativabendprogramm mit weniger diffizilem Outfit kam schon lange nicht mehr in Frage, da wir dafür hätten früher aufbrechen müssen.

Also sind wir trotz schlechter Laune und daraus resultierendem Streit losgezogen. Ein bisschen Wein (das nächste Stillen lag ja in weiter Ferne) machte mich dann wieder etwas lockerer und als wir in der Einlassschlange zur Obsession Bizarre standen und feststellten, dass die zweite Schlange sehr, sehr viel länger war, konnte ich wieder scherzen und wir uns auf den Abend freuen. Dieser war dann auch zunächst sehr schön. Wir fühlten uns trotz nerviger Musik und nerviger Leute, die einfach nur zum Gaffen kamen, wohl. Später am Abend war die Party dann aber so überfüllt, dass es kein Genuss mehr war. Ich werde nicht verstehen, wie man so ignorante Einlasspolitik betreiben kann, dass Sinn und Spaß der Veranstaltung komplett den Bach runtergehen. Ja, diese Party zieht viele Leute an, die auch konsumieren. Man kann die Kuh gut melken. Will man aber, dass auch in kommenden Jahren genug echte Szenegänger dabei sind, dass auch die “Einmal-im-Jahr-Fetischpartygänger” noch auf ihre Kosten kommen können, dann muss man das anders regeln und definitiv besser reglementieren. Dennoch – trotz Schwierigkeiten war auch dieser Abend insgesamt gelungen. Beim Zurücklaufen hätte allerdings ruhig noch ein Taxi auffindbar sein können. Es war einfach viel zu kalt.

Auch diese Nacht war erwartungsgemäß viel zu kurz, aber dank Ohropax zumindest noch etwas verlängerbar. Zunächst schickte ich meine Eltern aufgrund großer Kindersehnsucht noch einmal zu zweit in die Stadt und wir spielten den Vormittag über. Später würden sie mit den Kleinen in den Zoo gehen. Mittags zogen wir los, um uns im Täubchenthal eine Freilufttheateraufführung anzusehen. Das Stück “der nackte Wahnsinn” war großartig inszeniert, sehr unterhaltsam und kurzweilig. Besonders letzteres war für mich wichtig, da ich immer wieder drohte im Sitzen einzuschlafen.


 


Nach drei Stunden guter Unterhaltung zog es uns in die Innenstadt. Wir suchten uns etwas Essbares und fanden Running Sushi, was uns überaus glücklich machte. Mit vollem Bauch genossen wir noch eine Weile das Schaulaufen, die mehr oder weniger gelungenen Outfits, die das Schwarzvolk in den Pfingstagen hier präsentierte. Ich ärgerte mich etwas, dass ich die Haare noch nicht toupiert hatte und mir so selbst etwas unvollständig vorkam. Wieder in der Wohnung brezelte ich mich also noch ein wenig mehr auf, bevor es in Richtung Kohlrabizirkus ging. Diesen Veranstaltungsort hatte ich die letzten Jahre gemieden, seitdem ich einmal doof davor stand und nicht mehr hineinkam. Umso beeindruckter war ich dann von der großen Halle, die wirklich Flair hat. Aus Sicherheitsgründen darf sie nicht komplett gefüllt werden, was den angenehmen Effekt hat, dass man wirklich Platz hat und auch im hinteren Bereich eine gute Sicht auf die Bühne.

Von der ersten Band (Beborn Beton) bekamen wir leider nur noch wenig mit. Vive la Fete, die folgten, entpuppten sich live dafür als noch einiges genialer als auf CD. Die Frontfrau hat eine geniale Stimme und macht wunderbar Stimmung. Ich sang in schlechtestem Französisch einige Lieder mit, wir tanzten und erlebten einen weiteren Höhepunkt des Festivals. Leider war für uns der Kontrast zwischen dem quirligen Auftritt von Vive la Fete zur nächsten Band (Kirlian Camera) einfach zu krass. Objektiv betrachtet waren sie durchaus gut. Aber sie erreichten für mich bei weitem nicht die gleiche Bühnenpräsenz. Wir langweilten uns. Daran konnten auch ständig hochgereckte Arme der Sängerin und Ambiente-Videosequenzen wenig ändern.

Also setzten wir uns hin und genossen die Musik so noch ein wenig, bevor wir noch einen kleinen nächtlichen Spaziergang durch die stille Industrieatmosphähre wagten. Später ging es noch auf eine Party in den 4rooms. Die Musik war gut und an weniger frequentierten Tagen ist dies eine richtig schöne Bar. An WGT-Tagen ist es aber vor allem voll. Wir tranken noch etwas und flohen dann aus dem vollgequalmten Keller. In Leipzig merke ich immer wieder, wie froh ich um das allgemeine Rauchverbot in Bayern bin. In diesem Keller spürte ich schier, wie mein Körper durch Passivrauchen vergiftet wurde. Einen ganzen Abend hätte ich wohl aus diesem Grund dort nicht ausgehalten.

wgt (1)Unglaublich, aber jetzt brach schon der letzte Tag an. Den Montag mussten wir also noch einmal intensiv nutzen. Wir kamen gegen elf Uhr los, besuchten zunächst eine Ausstellung in der Nationalbibliothek (Kafka im Künstlerbuch), die zwar klein, aber lohnenswert war, warfen noch einen Blick in die Dauerausstellung und fuhren dann zum Agragelände. Bei den reduzierten Waren in der Verkaufshalle wurden wir zwar nicht mehr fündig, dafür gab es noch eine Weile Essen, Gucken und Rumhängen am Hauptveranstaltungsort. Das Rumhängen war ja das, was in diesem Jahr am kürztesten kam, da wir nicht von mittags bis spät nachts unterwegs waren, sondern eben zu den Kids mussten/wollten am frühen Abend. Das war dann auch wieder der nächste Anlaufpunkt.

Großeltern und Enkel waren gerade wieder aus dem Wildpark zurück und genossen Grießbrei und Obst. Ich war einmal mehr fasziniert, wie toll mein kleines Fledermäuschen sich mit den Großeltern arrangierte, solange ich nicht da war. Dann aber wollte sie natürlich sofort stillen. Der Abendplan führte uns diesmal ins Täubchenthal zum Horrorpunk-Abend. Quasi seit Beginn meiner jetzt 10jährigen-WGT-Karriere ist das mein klassischer Abschluss. Der Mann holte noch schnell Geld, ich ging schon einmal rein und kam genau zu Beginn des Auftritts von Resurex an. Die fand ich schon auf Platte ziemlich gut und auch live waren sie gut anzusehen. Manche Lieder klangen sehr gleich, die Bühnenshow aber war sehr unterhaltsam, was auch, aber nicht nur an den mehrmaligen Auftritten einer hübschen Burlesque-Dame lag.

Auch die zweite Band, die wir an dem Abend sahen (The Other) machte ihre Sache sehr gut. Ich habe sie schon mehrmals gesehen und wusste, dass es sich lohnen würde. Topauftritt des Abends und vielleicht neben Vive le Fete des gesamten Festivals waren für mich dann aber die Koffin Kats. Großartig. Zwei sehr attraktive Kerle,die richtig abgingen und ihre Instrumente wirklich virtuos zu spielen und zu jonglieren wussten. Wir waren begeistert. Auch die anschließende Party war gut und ich kam endlich einmal dazu ausführlich zu tanzen. Wir trafen auch noch ein paar Leute und so kam es auch noch zu guten Gesprächen, was dem Festival noch ein i-Tüpfelchen aufsetzte. Dies war der Abend, den ich dann gar nicht enden lassen wollte. Ich hätte noch ewig tanzen können, aber die Vernunft siegte. Schließlich mussten wir am nächsten Tag heimfahren, ich würde nicht viel schlafen, da das Mädchen bald Hunger bekommen würde. Also brachen wir schweren Herzens und etwas melancholisch auf.

Es war so schön. Wir hatten Zeit für uns als Paar. Intensive, lange Zeit. Wir kamen raus aus unserer Elternrolle und sahen uns mal wieder so, wie wir waren, als die Kleinlinge noch nicht da waren. Wir haben endlich einmal wieder festgestellt, dass wir uns wieder ineinander verlieben können, dass wir wieder Schmetterlinge aktivieren können, dass der Alltag uns längst nicht auffrisst. Diese Zeit war wichtig für uns, sie hat uns sehr gut getan. Auch im Alltag sind wir oft ein harmonisches Paar. Aber gleichzeitig streiten wir auch oft. Wegen Kleinigkeiten. Wegen Stress. Und immer wieder kommen wir wegen Zeitmangel, Müdigkeit, Kindern, nicht dazu Konflikte wirklich auszudiskutieren und zu verarbeiten. Das frisst. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie uns das WGT ermöglicht haben.

Manchmal war es hart, die kleine Maus so oft und lange bei ihnen zu lassen. Aber sie hat es gut mitgemacht, hat mit den Großeltern und dem Bruder geschäkert und uns ja trotzdem immer wieder gesehen. Die Paarzeit wird auch der Familie gut tun. Wenn wir als Paar gut funktionieren, sind wir auch besser gerüstet für den Familienalltag. Und es ist schön zu wissen, dass es möglich ist, auch wieder zeitweise auszusteigen, nur Paar zu sein, die Nacht zum Tag zu machen, zu feiern.

Mein zehntes WGT war insgesamt großartig. Und ich kann das elfte jetzt schon gar nicht mehr erwarten.

 

Glücksmomente – auch aus der Ferne

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Heute ist mal Papa dran:

Es gibt auch Glücksmomente, die man aus der Ferne erlebt. Momente, die nicht nur Glück in sich tragen, sondern auch einen Teil Vermissen und Sehnsuchtsschmerz.

Als ich am vergangenen Montag zur re:publica aufbrach, steckte der Große das erst mal ganz gut weg, er fragte mich, ob ich fliegen würde und erzählte mir, dass er mir dann wieder zuwinken würde. Die Liebste schrieb mir aber abends, dass das Zubettgehen äußerst schwierig war, da er gerne mich als Abend-Service gehabt hätte. Ging aber nun mal nicht.

Das zu lesen war erst mal natürlich kein Glücksmoment, doch irgendwie ging mein Herz doch ein wenig auf, als er sich in den nächsten Tagen beruhigte, mich aber dennoch vermisste. Bei Geräuschen sprang er auf und fragte: “Papa kommt?” – Es tut gut, dass man vermisst wird, dass ihm auch an mir liegt, wenn ich nicht da bin. Ich bin ein fester Bestandteil seines Lebens und das ist so schön.

Wiedersehen

Als ich den Großen am Freitag wiedersah, gab es zwar kein – vielleicht zu erwartendes – dramatisches und überschwängliches Wiedersehen, aber alles fühlte sich ab dem ersten Moment wieder komplett an. Ich kam nach Hause und er quatschte mich wieder voll, erzählte mir in seiner üblichen Art alles gleichzeitig und wir waren alle paar Sekunden andere Tiere und Rollen.

Die Tochter ist da natürlich noch mit der Zeitlosigkeit kleiner Babys beschenkt, doch auch sie kann sich bereits über nein Wiedersehen freuen. Als ich heute nach Hause kam, erwartete mich meine Familie vor der Tür in der Einfahrt. Sie waren gerade von einem langen Spaziergang nach Hause gekommen und der Große spielte noch ein wenig vor dem Haus. Als sie mich erblickte, hüpfte das Mädchen förmlich auf und ab – so weit es ihr möglich ist. Dabei lachte sie laut los vor Freude. Ich merkte: Ein Mädchen ist glücklich – ein Mädchen sieht ihren Papa und freut sich.

Lautes Gelächter gab es auch noch einmal beim Ins-Bett-bringen: Da die Liebste heute bei einer Sneak-Preview im Kino ist, war es an mir, beide Kinder gleichzeitig ins Bett zu bringen. Die Frau gab mir den Tipp, einfach mal die Kleine ans Bett zu stellen und die beiden noch etwas spielen zu lassen. Ich wusste ja bereits aus eigener Anschauung, dass die beiden toll miteinander spielen können, aber dieses vielarmige und glucksende Chaos war auch mir neu. Beide tobten wild, begraptschten sich und kriegten sich kaum mehr ein vor Lachen., Die Maus lachte so laut und ausgelassen, dass sie direkt einen Schluckauf bekam. Bald darauf aber, nach ein bisschen Hin und Her – “Will nicht müde sein” – schliefen beide friedlich wie zwei Engelchen.

In solchen Momenten wie den oben beschriebenen ist einfach alles vergessen, jedes Hadern, jeder Anflug von #regrettingfatherhood. Das Genervtsein, die Müdigkeit, die Enge, die Sorgen, all das ist weggelacht und schlummert mit den Kleinen ein, fliegt davon. Es fühlt sich richtig an, es ist richtig.     Jo

Ach ja, mehr Glücksmomente gibt es wie immer bei Pia zu lesen!

Breifrei

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Die Perfektionistin ist ein Baby, das sehr viel selbst bestimmen will. Nicht, dass mir nicht bewusst wäre, dass das jedes Kind gerne möchte, aber im Vergleich ist sie eindeutig die Macherin meiner beiden Kinder. Der Große hat es genossen gefüttert zu werden (und gleichzeitig im Essen zu matschen und an Stückchen zu nagen), war aber durchaus bereit, den oft selbstgekochten oder ab und an gekauften Brei zu verköstigen. Und so wurde unser Genießer gefüttert. Seine Schwester dagegen mag nicht.

Die ersten Breiversuche waren sehr wechselhaft. Manchmal ließ sie es gerne zu und aß. Allerdings nur, wenn der Mann sie fütterte. Wenn ich es versuchte, erntete ich meist Protestgeschrei. Eine Zeit lang fütterte ich sie im Tuch. Aber das war ja auch keine sinnvolle Möglichkeit. Also ließ ich es. Der Mann mochte sie füttern, wenn er Lust hatte, aber ich würde mir das erstmal nicht mehr antun. Die ersten Versuche mit Obst- und Gemüsestücken blieben aber natürlich auch bei mir auf dem Alltagsprogrammplan. Und da war sie auch begeistert bei der Sache. Also zuckte ich die Schultern ob der vielen Pläne zur Beikosteinführung, die mir in den Werbebriefsendungen diverser Babynahrungshersteller zugesandt wurden. Ich kümmerte mich nicht um Reihenfolgen. Ich guckte einfach, worauf mein Baby Lust hatte. Wenn ich ihm in so vielen Dingen (richtige Trinkmenge beim Stillen, Schlafzeitpunkte, Ausräumen der Spielkisten des Großen, etc.) vertraute, konnte ich das auch im Bereich Essen.

Ein wenig informiert habe ich mich dann aber doch. Und so traf ich auf das große Thema “Baby led weaning”, das ich beim Genießer noch nur gestreift hatte und das jetzt so perfekt zu meiner Zwergin zu passen schien. Und so leben wir jetzt also mit dieser Art der Beikost: Mädchen bekommt so ziemlich alles, was bei uns auf den Tisch kommt. Bisher bin ich noch etwas zurückhaltend Soßen und andere flüssigere Nahrungsmittel betreffend, aber das wird mit der Zeit sicher immer mehr werden. Die Kleine findet es super. Morgens setze ich mich mit ihr (und je nach Schicht des Mannes und Wochentag auch mit den Jungs) zum Frühstück und sie knabbert Brot, Käse, Apfel, Banane, Gurke, Avocado, Zwieback oder wie heute Pfannkuchen. Mittags (oder abends *g*) koche ich salzfrei und etwas weniger gewürzt ein warmes Essen und sie nuckelt an Paprika, Brokkoli, Zucchini, Blumenkohl, Möhren, Tomaten, Kohlrabi, Hühnchen, Rind, Lachs,  Reis, Nudeln oder Kartoffeln. Dazwischen gibt es Obst (Birne, Mango, Apfel, Banane, Erdbeeren oder als absoluter Favorit Wassermelone) oder nochmal Brot. Auch Joghurt ging gut: Die Kleine nahm kurzerhand die Schüssel mti beiden Händen und versenkte ihr Gesicht darin, um den Joghurt aufzuschlecken. Sie hat jetzt also schon eine ziemliche Bandbreite verschiedener Lebensmittel gekostet und zeigt ziemlich deutlich, wo ihre Favoriten liegen. Dies sind ganz nach BLW-Methode zu verschiedenen Mahlzeiten ganz unterschiedliche Dinge.

An den meisten Tagen isst sie gerne und sitzt dabei auch lächelnd in ihrem Stuhl. An anderen hat sie keine große Lust und will lieber ganz viel stillen. Heute wiederum war ein Tag, an dem sie nur auf mir sitzend essen wollte. Manchmal kaut und lutscht sie nur und lässt alles wieder herausfallen. Aber immer öfter fehlen große Gurken- oder Kartoffelstücke, die definitiv in ihrem Magen gelandet sind. Auch das Bunkern von Essensresten in den Bäckchen wird immer seltener. Sie isst immer mehr wirklich als nur zu erkunden.

Ich bin sehr angetan von dieser Form der Beikost. Eine große Sauerei hat man mit Brei auch. Dafür grinst mein Mädchen beim Essen die meiste Zeit und lernt so viel durch das Berühren der Speisen. Es geht einiges daneben und wir schmeißen auch immer wieder Essen weg, dass eben nur auf dem Boden landete oder nur zermatscht wurde. Aber sehr viel esse ich auch einfach dann selbst, wenn sie die Lust verloren hat. Ich denke nicht, dass hier mehr verlorengeht als beim normalen Breifüttern. Zumal ich viele der (gekauften) Breie auch einfach selbst nicht essen mochte und die Reste dann eben auch einfach wegkamen.

Der große Kritikpunkt des Mannes am Essprogramm der Tochter ist, dass wir bisher noch keine Mahlzeit ganz ersetzt haben. Manchmal trinkt Mäuschen vor dem gemeinsamen Essen, oft danach, immer wieder ist die Pause aber auch mal länger. Richtig ersetzt ist nichts. Und eine echte Regelmäßigkeit im Stillen passt scheinbar auch einfach nicht zu meiner Tochter. Wenn sie nicht will, will sie nicht. Wenn sie will, lässt sie sich mit nichts anderem ablenken. Fläschchen geben geht nur im Notfall für wenige Schlückchen. Lieber hält mein Töchterchen so lange aus bis Mama wieder daheim ist und stillen kann. Ja, das ist schwierig. Ich fände es schön, wenn der Mann sie ebenfalls ernähren könnte und wir auch hier schon wieder gleichberechtigter wären. Aber gleichzeitig genieße ich das Stillen ebenso wie das Baby und will noch längst nicht, dass diese Zeit vorbeigeht. Wenn ich im September wieder arbeite, wird sich hier eine Lösung finden müssen. Aber September – das ist noch lang und bis dahin wird sich ihr Essverhalten sicher noch mehrmals verändern.

Wenn sie im September in die Kita kommt (*seufz*), wird sie sicher auch dort selbstbestimmt essen. Das wird klappen, denke ich. Trinken ist hier noch das größere Fragezeichen. Ich stelle ihr immer wieder mal Becher oder Trinklernflasche hin, aber sie interessiert sich noch nicht besonders dafür. Wie alles werden die Trinkgefäße mit Händen und Mund erkundet und werden herumgeschmissen. Das Konzept des Trinkens hat die Kleine noch nicht begriffen. Hat ja auch noch Zeit und beim Stillen bekommt sie genug Flüssigkeit.

Seit die Kleine sich für BLW entschieden hat, sehe ich das Füttern anderer Babys mit anderen Augen. Wenn in den Krabbelgruppen die Gläschen herausgekramt werden, wenn ich immer wieder die Einzige bin, die noch stillt und die Erfahrung von gleichaltrigen Kindern mit Fingerfood sich auf Babykekse beschränkt, gruselt es mich mittlerweile leicht. Es scheint mir so viel natürlicher, die Maus mit den gleichen Nahrungsmitteln zu versorgen, die ich auch zu mir nehme. Es scheint mir so normal im Umgang mit ihr, sie nach Bedarf zu stillen. Und es ist so wunderschön ihr zuzusehen, wie sie alle möglichen, teils schwierig zu essenden Dinge erkundet. Es ist so viel eigene Entscheidungsfreiheit darin. Ich würde nicht sagen, dass ich Brei jetzt ganz ablehne, das wäre mir auch viel zu radikal. Mein Sohn wollte ihn ja auch und ich glaube nicht, dass es bei ihm der falsche Weg war. Im Nachheinein würde ich das Verhältnis von Brei und Fingerfood vielleicht ändern, aber die Tatsache des Breifütterns hat zu ihm einfach besser gepasst als zur Kleinen.

Als Fazit sehe ich für mich und mein Baby nur, wie viel Eigenständigkeit ein Baby gewinnen kann, wenn es über Menge, Art und Schnelligkeit der Nahrungsaufnahme selbst bestimmen kann.

Gedanken am Muttertag

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Nein, eigentlich geht es in diesem Text gar nicht um den Muttertag, ich gebe zu, das war nur eine Mischung aus Clickbaiting und der Tatsache, dass heute nun mal Muttis ureigenster Sonntag ist. Der Tag, an dem die geplagte Hausfrau ausnahmsweise liegenbleiben darf, bis ihr ein Frühstück inklusive Blümchen vorzugsweise ans Bett gebracht wird. Dann steht noch das obligatorische Schmunzeln darüber auf dem Plan, wie tolpatschig sich der im Haushalt ungeübte Ehemann dabei abmüht, ein Essen zu kochen.

Irgendein kluger und perfider Mensch wahrscheinlich männlichen Geschlechts hat diesen Tag praktischerweise auf einen Sonntag gelegt. Lästiges Einkaufen mit Kindern oder Putzen (man will ja nicht gegen das himmelhochherrgöttliche Ruhegebot verstoßen) fällt da natürlich leider aus.

Jetzt habe ich doch über den Muttertag 100 Worte verloren und nebenbei das ursprüngliche Thema vergessen. Naja, dann werden aus den Gedanken am Muttertag dann eben doch noch Gedanken zum Muttertag.

Was ich mit meinem etwas spöttischen Einstieg nicht sagen wollte: Dass ein Tag, der Müttern gewidmet ist, per se schlecht oder nutzlos oder lachhaft ist. Wie so viele Mottotage gerät er aber schnell zu Heuchelei. Wozu Mutti einen Tag lang umsorgen, wenn morgen wieder die Rückkehr in übliche Rollenbilder und -verhaltensweisen ansteht?

Ganz gut trifft es dieser Tweet, wie ich finde:

Mich stört gar nicht so sehr, dass dieser Tag so kommerzialisiert ist, ich meine, bitte sehr, so läuft das nun mal im Kapitalismus. Der Mama einfach mal sagen, wie toll sie ist? Und das eben instiuttionalisiert, mit einem speziellen Tag als quasi Reminder? Warum nicht.

Aber was mich stört ist die übliche gedankenlose Perpetuierung überholter Rollenbilder. Wenn nicht reflektiert wird, warum Mami denn so angestrengt ist und ob ihr wirklich geholfen ist, wenn sie an einem von 365 Tagen zwar dafür gelobt wird, dass sie alles macht, aber nicht hinterfragt wird, warum das so selbstverständlich sein soll.

Mein Vorschlag: Schenke heute deiner Mutter oder einer Mutter in deinem Umfeld, die du bewunderst, Blumen und nehme dir vor, eine ganz bestimmte Sache, eine ganz bestimmte Verhaltensweise, die Frauen in eine Rolle zwängt, wenn nicht zu ändern, aber doch wenigstens zu hinterfragen und anzusprechen, im persönlichen Gespräch mit Freunden und Kollegen oder auf Facebook oder Twitter. (Der Hashtag #Muttertag drängt sich hier geradezu auf.) Das würde mich mit dem Muttertag etwas versöhnen.

Geburtstagswoche

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Letzte Woche wurde unser großer Kleiner drei Jahre alt. In den letzten Wochen hatte er immer wieder gefragt, wann er Geburtstag habe und wir hatten viel darüber geredet. Er hatte auch konkrete Wünsche geäußert (einen Schneckenkuchen, Kekse, einen Roller) und so waren Mama und Papa in die Planung des ersten Kindergeburtstages eingestiegen. Aber diese Feier sollte nur der Höhepunkt einer ganzen Geburtstagswoche werden, denn es gab ja so einige Menschen, die mit dem Sohn gerne Geburtstag feiern wollten.

Am Dienstagmorgen wachte ich ab halb fünf im 20-Minuten-Takt auf. Ich war so aufgeregt. Der erste Geburtstag, den der Sohn richtig mitbekommen würde, auf den er sich gefreut hatte! Im Jahr davor war das ja noch anders – er hatte durchaus Geburtstagsmuffins und Geschenke gewürdigt, aber sich nicht wochenlang gefreut und danach auch nicht mehr vom Geburtstag erzählt. Um halb sieben hatte ich genug, ich wollte jetzt feiern! Also tappste ich zunächst rüber zum Mann, der im Gästebett geschlafen hatte und weckte ihn. Die letzten kleinen Vorbereitungen und dann setzte ich mich zum Sohn ans Bett. Dieser räkelte sich schon etwas und wachte sofort auf, sobald ich das Wort “Geburtstag” aussprach. Er tappste dann auch ganz aufgeregt die Treppe hinunter und blieb nach dem Öffnen der Wohnzimmertür erstmal sprachlos stehen und guckte. Auf die Deko, auf die Geschenke, auf den Geburtstagstisch. Dann guckte er zu uns, grinste, guckte wieder. Ganz langsam lief er dann zur neuen, schon aufgebauten Holzeisenbahn. “Spielen?” Natürlich durfte er spielen. Wir Eltern setzten uns an den Tisch und sahen ihm zu. Besonders schön war, dass wir an diesem Morgen nur für ihn da sein konnten, da das Töchterchen noch tief und fest schlief. Nach ein paar Minuten entdeckte der Sohn den Kuchen und wollte die Kerze auspusten. Das ging richtig gut! Nach Essen war ihm dann aber weniger, nur ein paar Gäbelchen Kuchen verschwanden in ihm, bevor er weiter Geschenke gucken wollte. Vom Nachbarn bekam er eine Tüte mit einem Buch, einem Puzzle und den langersehnten Keksen. Das neue Starwars-T-Shirt wollte er sofort anziehen. Den Puky-Roller bäugte er noch etwas skeptisch und gab nach einem kurzen Probestehen gleich wieder auf. Stattdessen spielten Papa und Sohn noch eine Weile mit der Eisenbahn. Ich schlug ihnen dann vor Zähne zu putzen und sich umzuziehen und dann den Roller noch richtig auszuprobieren, bevor es in den Kindergarten gehen sollte. Der Sohn, der eigentlich keine Lust hatte, ging darauf ein und so kamen die Männer noch zu einer Viertelstunde Rollerfahrt, bevor sie los mussten. Das Rollerfahren muss noch ein wenig geübt werden, klappt dank Laufraderfahrung aber doch schon recht gut.

In den Kindergarten nahm der Sohn dann Obst und Gemüse mit. Ich find das eine echt gute Sache: Geburtstag wird in unserem Kiga ohne Kuchen gefeiert, dafür gibt es einen Korb, der vom jeweiligen Geburtstagskind mit frischen Leckereien gefüllt werden muss. In unserem Fall waren das Dinge, die Oskar (zumindest manchmal) gerne isst: Apfel, Trauben, Karotten und Gemüsegurken. Als ich ihn am frühen Nachmittag wieder abholte, strahlte mein Kind. Er hatte es so genossen im Mittelpunkt zu stehen. Sowohl seine Erzieherin als auch wir waren da vorher skeptisch gewesen, da er das meistens nicht so mag. Aber Geburtstagsaufmerksamkeit war scheinbar richtig gut. Er hatte den ganzen Kiga-Tag seine dort gebastelte Krone nicht mehr abgenommen, mit Begeisterung den kleingeschnittenem Korbinhalt verteilt, sich Spiele gewünscht, einfach den Tag richtig genossen. Dafür war er danach auch richtig müde und kaputt. Dennoch fuhr ich mit ihm und einer wachen kleinen Schwester zum Bäcker, wo schon der Papa auf uns wartete, der mit seinem Geburtstagssohn seine Mittagspause verbringen wollte. Wir tranken Milchkaffee, Oskar Traubenschorle und er aß noch ein leckeres Bamberger Hörnchen. Dabei erzählte er uns von den anderen Kindergartenkindern und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Auf dem Weg zum Musikgarten schlief er mir dann ein. Etwas erholt begaben wir uns dann in den Kursraum. Die Stunde war okay, aber der Sohn eigentlich einfach zu fertig. Er ließ mich mit dem Babymädchen die Spiele machen, schaute zu und war damit zufrieden. Danach wollte er unbedingt noch etwas machen, also überredeten wir die teilnehmenden Freundinnen mit Kindern noch einen Abstecher zum Bäcker zu machen. Dort gab es für den Sohn und mich je ein Eis und dazu noch eine Breze. Wieder daheim gab es noch eine Runde “Sendung mit dem Elefanten”, bevor das Geburtstagskind müde ins Bett sank.

Zwei Tage später holten die Großeltern ihn vom Kindergarten ab. Auch an diesem Nachmittag wurde noch einmal ausführlich gefeiert und Oskar übte mit dem Opa weiter seinen Roller zu fahren. Richtig gut kam das Großelterngeschenk an: Endlich eine elektrische Lok für die Holzeisenbahn.

Am Samstag dann trafen wir uns mit der Familie meiner Schwester und der Familie meiner Schwägerin im Wildpark. Der Große wollte unbedingt hin und hibbelte den ganzen Vormittag. Die Wetteraussichten waren nicht die besten und wir hofften nur, dass wir trockenen Hauptes den Nachmittag überstehen würden. Als wir ankamen tröpfelte es. Mist. Meine Laune war im Keller und das meine Schwester sich verspätete und wir in einem Funkloch standen, machte das nicht besser. Zum Glück beschlossen wir, trotzdem loszulaufen und den Mann wartend am Eingang stehen zu lassen. Die Kinder waren von Schweinen, aber besonders von Elchen und Wisent begeistert und so fand ich mich mit Schwager, Kindern und plötzlich ziemlich guter Laune in einem Pavillon wieder, wo wir erstmal das vorbereitete Picknick auspackten. Auch der Rest der Ausflugsgesellschaft kam dann bald und so konnten wir uns erstmal lecker die Bäuche vollschlagen. Der Sohn genoss es, dass wir für ihn (und auch die kleine Nichte, die einen Tag vor ihm Geburtstag hatte) sangen und erklärte seiner Tante, was wir nicht alles für das Picknick eingepackt hatten. Frisch gestärkt entschieden wir uns für den langen Weg durch den Wildpark und wurden dafür belohnt: Zwei Wölfe ganz nah und der erste Live-Blick auf einen Luchs meines Lebens. Das Geburtstagskind fand das auch sehr toll. Getoppt wurden diese Eindrücke aber von den Schafen, die gefüttert wurden und wo die Kinderhorde gar nicht mehr weg wollte. Eine kleine Trübung erfuhr der Ausflug als der Sohn mit dem Gesicht in den Kieseln landete und zunächst stark blutete. Zum Glück war meine Schwester gut ausgestattet und die Wunde schnell versorgt. Den Weg nach unten zum Eingang musste ich meinen großen Kleinen dann aber komplett tragen, was dank Adrenalinschub kein Problem war, mir aber ziemlich starke Rücken- und Knieschmerzen am nächsten Tag bescherte. Bei den Kaninchen angekommen, ging es ihm aber wieder gut genug, um Spaß am Ausflug zu haben. Zum Glück waren wir jetzt fast durch, denn jetzt hatten wir genug Wetterdusel gehabt. Es begann zu regnen und wir retteten uns noch für eine halbe Stunde ins Lokal. Dort gab es Kaffee für die Großen und Eis für die Kleinen, bevor wir dann die Heimfahrt antraten. Die war etwas schwierig, da das Babymädchen jetzt überhaupt keine Lust mehr hatte zu schlafen oder in der Babyschale zu spielen, sondern endlich wieder krabbeln wollte. Aber auch das ging vorbei und mein Großer akzeptierte irgendwann auch, dass nicht “alle noch mit zu uns!” kommen konnten.

Ein erneutes abendliches Backen und ein Sonntagmorgen im Zeichen des Hausputzes zehrten an unseren Elternkräften, dennoch war um zwei Uhr nachmittags am Folgetag alles bereit für den Kindergeburtstag. Der wurde auch richtig schön. Meine Sorge, es könnte nicht genug zu essen da sein, war völlig unbegründet, da die Kids lieber spielten als zu essen und die Eltern hauptsächlich die Teller ihrer Kinder aufaßen. Es war ein ziemliches Gewusel, aber alles in allem gut. Der Sohn hatte (fast) kein Problem damit, dass die anderen sechs Kinder mit seinen Sachen spielten. Zeitweise spielten sie auch zusammen und so wurde es ein durchaus harmonischer Nachmittag. Der Große genoss es wieder sehr im Mittelpunkt zu stehen. Und jetzt gab es auch endlich den gewünschten Schneckenkuchen (Biskuitrolle mit Marzipanköpfen und Schokoantennen), den er begeisert anguckte, dann aber doch lieber den Käsekuchen aß.

Am Montagmorgen fragte er noch einmal: “Heute wieder Geburtstag feiern?”, aber nein, damit ist für dieses Jahr erstmal genug. Nächstes Jahr wieder. :)