Gedanken am Muttertag

Nein, eigentlich geht es in diesem Text gar nicht um den Muttertag, ich gebe zu, das war nur eine Mischung aus Clickbaiting und der Tatsache, dass heute nun mal Muttis ureigenster Sonntag ist. Der Tag, an dem die geplagte Hausfrau ausnahmsweise liegenbleiben darf, bis ihr ein Frühstück inklusive Blümchen vorzugsweise ans Bett gebracht wird. Dann steht noch das obligatorische Schmunzeln darüber auf dem Plan, wie tolpatschig sich der im Haushalt ungeübte Ehemann dabei abmüht, ein Essen zu kochen.

Irgendein kluger und perfider Mensch wahrscheinlich männlichen Geschlechts hat diesen Tag praktischerweise auf einen Sonntag gelegt. Lästiges Einkaufen mit Kindern oder Putzen (man will ja nicht gegen das himmelhochherrgöttliche Ruhegebot verstoßen) fällt da natürlich leider aus.

Jetzt habe ich doch über den Muttertag 100 Worte verloren und nebenbei das ursprüngliche Thema vergessen. Naja, dann werden aus den Gedanken am Muttertag dann eben doch noch Gedanken zum Muttertag.

Was ich mit meinem etwas spöttischen Einstieg nicht sagen wollte: Dass ein Tag, der Müttern gewidmet ist, per se schlecht oder nutzlos oder lachhaft ist. Wie so viele Mottotage gerät er aber schnell zu Heuchelei. Wozu Mutti einen Tag lang umsorgen, wenn morgen wieder die Rückkehr in übliche Rollenbilder und -verhaltensweisen ansteht?

Ganz gut trifft es dieser Tweet, wie ich finde:

Mich stört gar nicht so sehr, dass dieser Tag so kommerzialisiert ist, ich meine, bitte sehr, so läuft das nun mal im Kapitalismus. Der Mama einfach mal sagen, wie toll sie ist? Und das eben instiuttionalisiert, mit einem speziellen Tag als quasi Reminder? Warum nicht.

Aber was mich stört ist die übliche gedankenlose Perpetuierung überholter Rollenbilder. Wenn nicht reflektiert wird, warum Mami denn so angestrengt ist und ob ihr wirklich geholfen ist, wenn sie an einem von 365 Tagen zwar dafür gelobt wird, dass sie alles macht, aber nicht hinterfragt wird, warum das so selbstverständlich sein soll.

Mein Vorschlag: Schenke heute deiner Mutter oder einer Mutter in deinem Umfeld, die du bewunderst, Blumen und nehme dir vor, eine ganz bestimmte Sache, eine ganz bestimmte Verhaltensweise, die Frauen in eine Rolle zwängt, wenn nicht zu ändern, aber doch wenigstens zu hinterfragen und anzusprechen, im persönlichen Gespräch mit Freunden und Kollegen oder auf Facebook oder Twitter. (Der Hashtag #Muttertag drängt sich hier geradezu auf.) Das würde mich mit dem Muttertag etwas versöhnen.

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