9 Monate Babymädchen – ein paar Alltagseindrücke

Unser kleiner Sonnenschein ist jetzt seit neun Monaten bei uns. Unglaubliche neun Monate. In dieser Zeit sind wir zu einer echten vierköpfigen Einheit zusammengewachsen. Wir sind vollständig.

Heute haben sie und ich den großen Bruder zu Fuß aus dem Kindergarten abgeholt. Sie sitzt jetzt wirklich gern im Kinderwagen, schaut die Welt an, macht es sich bequem – sie lümmelt sich wirklich richtig in den Sitz hinein – und spielt ein wenig. Wie meistens ist sie etwa auf der Hälfte des Weges eingeschlafen, ihr kleines Köpfchen gemütlich an die Seite gekuschelt, mit ihrem Knisterschmetterling in der Hand. Die Kindergartenkinder spielten bei schönem Wetter im Garten, mein Großer war gerade beim Wickeln. Also warteten wir ein wenig unten und das kleine Mädchen wachte sofort auf, als sie die Spielgeräusche der Kinder hörte. Dann flirtete sie gleich drauflos, denn wie immer, wenn so ein Baby kommt, finden das die Größeren toll. Also lachte und quietschte sie ein bisschen mit ihnen, um dann richtig zu juchzen, als das Gesicht des großen Bruders in ihrem Blickfeld auftauchte. Die beiden brauchen immer kurz einen Moment, um sich zu begrüßen, zu bejuchzen, ein wenig zu bekrabbeln, bevor wir dann wieder aufbrechen können. Dieser Begrüßungsmoment der Geschwiester ist zu niedlich.

Auf dem Rückweg machten wir die üblichen kleinen Pausen – bei den großen Lastwagen, auf der Eisenbahnbrücke, bei der Bank hinter der Eisenbahnbrücke und schließlich am Spielplatz. Hier breitete der Sohn die Picknickdecke aus und gönnte sich erstmal ein bisschen Banane und Zwieback, während das Mädchen Reiswaffeln futterte. Sie isst inzwischen richtig gut, kann abbeißen, lutschen, kommt mit verschiedenen Konsistenzen zurecht und isst einfach gerne. Sie wurde dann auch ziemlich wütend, als ich ihr erstmal keine Banane geben wollte. Am Tisch gerne, aber auf der Decke wollte ich dann doch nicht unbedingt überall die Bananenpampe. Aber gut – Mädchen setzte sich durch und es ging sogar von der Sauerei. Mädchen und Decke sahen durchaus noch annehmbar aus, Mama hatte dafür jede Menge Flecken an der Hose. Stillen wollte sie heute recht wenig, dafür hat sie intensiv mit der Trinklernflasche geübt, die wir dann tatsächlich auch mit zum Picknick genommen hatten. Ein wenig Wasser ist wohl tatsächlich auch in ihr gelandet, jedenfalls war sie wirklich nicht so durstig wie sonst oft.

Der Große packte nach dem Mahl sein Sandspielzeug aus und die Kleine machte es ihm nach und erkundete Förmchen und Schaufel. Ich durfte mich einen Moment zurücklegen und ein wenig lesen. Aber schon bald wurde ich in die fantasiereichen Rollenspiele des Sohnes einbezogen, war mal Hund, mal Fuchs, mal Pirat und bespielte mit ihm hauptsächlich Sandeimer und Kipplaster. Dann huschte er davon, um die Wippe auszutesten. Mein Mamaherz geriet leicht in Panik, als ich aus den Augenwinkeln sah, wie er einfach die Wippe entlangkrabbelte, aber perfekt das Gleichgewicht hielt, als sie in die andere Richtung kippte. Daran hatte er heute wirklich einen Heidenspaß und ich habe einmal mehr gesehen, wie mutig er doch sein kann. Das Mädchen krabbelte derweilen durch den ganzen Sandkasten. Sie ist wirklich schnell und auch heute hatte sie sofort das Baby mit dem Schnuller im Visier, das einige Meter entfernt im Gras saß. Sie giert total auf Schnuller und klaut sie, wo sie nur kann. Gerade in Krabbelgruppen eine eher anstrengende Angewohnheit. Heute kam ich aber über ihre Schnullergier zumindest in ein nettes Gespräch. Danke, kleines Mädchen, du machst Kontaktaufnahmen einfacher!

Später zog sich die kleine Perfektionistin an der Schaukel hoch. Egal, wie wackelig, sie schafft es daran aufzustehen. Theoretisch kann sie dann auch schon freihändig stehen, aber nur, wenn sie Spielzeug in der Hand hält, das sie ablenkt. Sobald sie merkt, dass sie frei steht, plumpst sie von sich selbst überrascht sofort auf ihren Popo. Entlanghangeln an Tischen oder unserem Gästebett geht dafür auch immer schneller. Immer wieder fordert sie den großen Bruder inzwischen auch zum Fangenspielen auf. Da krabbelt sie schnell ein Stück von ihm weg, schaut sich herausfordernd um und wenn er folgt krabbelt sie fix glucksend und nicht selten nach am Lachkrampf oder der Panik weiter. Weil irgendwie macht ihr das wohl dann doch auch etwas Angst, wenn sie da etwas verfolgt und ja doch immer recht bald erwischt. Aber es macht sie beide so glücklich, dass sie jetzt richtig miteinander spielen können. Hach!

Schaukeln durfte das Minimädchen auf dem Spielplatz natürlich auch noch. Sie genießt das sehr und richtig schön war, als der Große sie heute zum ersten Mal angeschubst hat. Den Unterschied zwischen Festhalten und Anschubsen müssen wir zwar noch endgültig begreifen, aber Minimaus fand das nochmal toller, als wenn ich sie anschubse.

Mir wurde dann langsam etwas kalt, also wurden die Zwerge eingepackt und wir gingen noch ein wenig spazieren. Er düste mit dem Laufrad voran, sie bespielte wieder den Knisterschmetterling. Am Friedhof machten wir wie so oft die Kapelle als Treffpunkt aus und der Sohn fuhr eine Weile ganz alleine und ohne Mamas beobachtende Augen herum. Er liebt das und es ist ein guter Ort für seine selbstständigen Ausflüge – keine Autos, kaum Tore, schöne Fahrwege. Wir zündeten noch eine Kerze für Opa an, der gerade seine zweite Hüft-OP hinter sich hat, und dann gings nach Hause. Söhnchen wollte noch nicht rein, also malten wir noch ein wenig mit Kreide in der Einfahrt. Das Mädchen untersuchte ein Prospekt und zerriss es in kleine Teilchen und meldete dann Stillhunger an.

Nach einem leckeren Abendmahl aus Nudeln und gedünstetem Gemüse, wo auch das Mädchen gut zuschlug, mussten die Kinder eine Runde baden. Er machte das mit Freuden, sie war weniger begeistert. Sie ist es gewohnt, dass der Mann oder ich mit in der Wanne sitzen, wenn ich aber allein bin, geht das nicht. Also habe ich sie reingesetzt und festgehalten, was eine Minute gut ging und dann zu Protestgeschrei führte. Also Maus raus, bettfertig gemacht und dann nochmal zum Spielen auf den Boden gesetzt. Außerhalb des Wassers waren dann die Badewannenspritztiere auch wieder sehr interessant und so konnte der Große sein Bad in Ruhe beenden.

Nach der Wanne wollten beide noch ein wenig spielen, sie mit einem Steckpuzzle (rausnehmen geht schon ganz wunderbar, reinlegen natürlich noch nicht), er mit Holzschwert und Schild (Topfdeckel). Ich war der Raubritter, der verjagt werden musste. Das Mädchen beäugte unser Spiel misstrauisch, konnte aber wunderbar allein spielen, obwohl sie doch schon recht müde schien. Kurze Zeit später schauten wir dann Sandmann, gingen ins Kinderzimmer und ich las noch aus einem Buch vor. Das Mädchen war jetzt auch schon sehr kaputt und wollte nur noch sehr kurz mit dem Bruder spielen. Meist stelle ich sie nämlich noch an sein Bett und die zwei spielen noch kurz miteinander. Ich machte ihm eine CD an (die Wahl fiel heute auf Feenmärchen), stillte und hielt seine Hand. Bald war er eingeschlafen und sie wieder hellwach. Also ging ich mit ihr noch einmal ins Zimmer des Mannes, machte mir eine Kleinigkeit zu essen, ließ sie spielen und las ein bisschen Blogeinträge. Gegen halb acht konnte sie dann aber auch nicht mehr und ich stillte sie in wenigen Minuten in den Schlaf.

Irgendwann heute nacht werden beide ins Elternbett umziehen, ich werde sie nachts stillen und wir werden kuscheln.

Sie kann schon so viel, sie ist so aktiv. Und doch ist sie immer noch mein Minimädchen. In drei Monaten kommt sie mit größter Wahrscheinlichkeit in die Krippe. Die letzten drei Monate zu Hause muss ich nutzen, um mich noch mehr darin zu üben, im Augenblick zu leben. Es ist einfach so wunderschön, so ein Baby zu haben. Und dazu noch so ein mutiges und neugieriges Kleinkind.

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