Großes Mädchen ganz klein – kleines Mädchen ganz groß

Dein erster Geburtstag war wunderschön. Wie immer kuschelten wir morgens im Bett, stillten, spielten und standen dann irgendwann auf um zu frühstücken. Auch der Vormittag verlief typisch: Spielen, Tragen, mittags schlafen. Dein Papa holte deinen Bruder ab, auf dem Rückweg kauften sie noch einmal Geschenke für dich, da die eigentliche Geburtstagslieferung noch nicht eingetroffen war. Der Bruder hatte erstmals sein Sparschwein geplündert, um dir von seinem eigenen Geld etwas kaufen zu können. Herzmoment. Als sie also zurückkamen, gingen wir alle zusammen ins geschmückte Wohnzimmer und du durftest Geschenke auspacken. Gerade das Geschenk des Bruders kam gut an und ihr spieltet wunderbar zusammen. Von deinen Geburtstagsmuffins wolltest du nicht wirklich essen, lieber gleich weiterspielen. Später breiteten wir Malerfolie in der Küche aus und bemalten Papier, aber vor allem uns gegenseitig, mit Fingerfarben. Der Tag klang in der Badewanne aus. Dein Geburtstag war unaufgeregt, ganz im Zeichen der Kernfamilie und sehr gelungen.

Jetzt bist du also ein Jahr alt. An deinem Geburtstag und seitdem spielen meine Hormone verrückt. Mein kleines Minibaby ist weg. Ich habe eine großartige und mutige Tochter. Du läufst sicher, du rennst, du gehst in die Knie und hebst Gegenstände auf, du kletterst Treppen rauf und auch teilweise auch schon hinunter, du kletterst auf Wippen und in Spielhäuser auf dem Spielplatz, du bist immer in Bewegung. Du erzählst in deiner dir eigenen Sprache, quietschst, wenn du Papa, Bruder oder mich siehst, zeigst auf Gegenstände und willst, dass wir sie benennen, schaust immer öfter Bücher mit uns oder alleine an. Du spielst konzentriert, räumst aus und wieder ein, hilfst beim Wäsche aufhängen und Spülmaschine ausräumen und bist furchtbar stolz, wenn du um Hilfe gebeten wirst und dann auch helfen kannst. Du streitest richtig mit deinem Bruder, bist sehr durchsetzungsstark, wickelst uns alle um den Finger. Du bist unglaublich niedlich und ich bin so froh und stolz, jeden Entwicklungsschritt mitzuerleben. Und doch bin ich ein bisschen wehmütig. Du bist schon so groß.

Seit dieser Woche darfst du in die Krippe. Papa macht die Eingewöhnung, da du dich bei ihm genauso sicher wie bei mir fühlst, dich aber leichter von ihm trennen kannst als von mir und meiner Brust. Du bist mit Begeisterung dabei und rabaukst durch den Krippenraum. Aber natürlich brauchst du auch noch Papas sicheren Hafen. Gerade heute warst du sehr kuschelbedürftig. Auch zu Hause. Immer wieder ziehst du dich sehr zu uns zurück, kuschelst, klammerst, willst getragen und gestillt werden. Du bist eben doch auch noch sehr klein. Und die Zähne machen dir wieder zu schaffen. Drei hast du schon, der zweite obere Schneidezahn wird wohl bald durchkommen und macht dir derzeit Probleme. Du schläfst die ersten Stunden toll in deinem Bett, brauchst aber später in der Nacht die Versicherung, dass ich da bin und stillst wieder häufig und lang in der Nacht. Du merkst den Umbruch in unserem Leben. Und glaub mir – auch ich knabbere an diesem Umbruch.

Kommende Woche werde ich wieder zu arbeiten beginnen. Ich freue mich sehr darauf. Und ich bin traurig, dass das erste Jahr mit dir daheim vorbei ist. Für mich ist es Zeit zu arbeiten. Ich glaube, dass dir die Kita gut tun wird. Und ich werde auch mit Arbeit sehr viel Zeit mit dir und deinem Bruder haben. Du wirst dein soziales Bedürfnis dort befriedigen können, du wirst noch mehr klettern, noch mehr Spielzeug erkunden können. Das neue Haus des Kindergartens macht einen sehr guten Eindruck, ich glaube, dass ihr es dort richtig schön haben werdet. Und in den letzten Wochen habe ich immer wieder gemerkt, dass mir die Zeit nur daheim lang wird – ich will wieder einen zweiten Wirkpunkt. Ich will wieder arbeiten. Und auch du warst manchmal gelangweilt und unterfordert mit mir daheim, trotz Krabbelgruppe und vielen Unternehmungen. Es wird gut werden. Der Umbruch bleibt dennoch schwer.

Ich danke dir, mein wuseliges Mädchen, für das schöne erste Jahr mit dir. Ich danke dir für all die zauberhaften Momente, aber auch die schweren Stunden, die Schlaflosigkeit und die Glückstage. Ich freue mich, mit dir zusammen den nächsten Schritt zu gehen und unser Leben wieder zu verändern. Bleib wie du bist und wachse. Meine große Kleine, mein kleines großes Mädchen.

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