Es ist so viel passiert… (Teil 1 – der Großling)

Das kommt davon, wenn man ein Familienblog hat, aber zu faul für
regelmäßige Updates ist: Es staut sich einiges auf, was erzählt werden will.

Die Schnullerfee war da

Geben wir dem Großling mal den Vortritt: Endlich sind wir alle Schnuller los geworden. Nachdem wir schon seit längerem die Schlafschnuller einfach ausgeschlichen haben, waren die Autoschnuller die letzten Relikte der Nuckel-Ära. Bei jeder Fahrt mussten zwei Schnuller (im Papa-Auto) bzw. ein Schnuller (Mama-Auto) in Hand bzw. Mund sein. Da war nichts zu machen und fiel der Schnuller aus dem Mund, war das Geschrei groß. Dann aber, ganz überraschend vor kurzem die Wende: Nach einer Autofahrt sprachen wir mit dem Großen darüber, dass die Autoschnullerfee ihm ein Geschenk bringen würde, wenn er seine Schnuller abgeben würde. Er war sofort damit einverstanden und deponierte die Schnuller gesammelt vor der Haustür.

Am nächsten Morgen war die Spannung groß und siehe da – die Schnullerfee hatte tatsächlich etwas für ihn dagelassen: Morro von LEGO Ninjago. Die Freude war so groß, dass der Übergang ins schnullerlose Zeitalter wirklich gut vonstatten ging. Ein paar Tage lang war der Drang nach „etwas im Mund“ im Auto noch groß. Das äußerte sich so, dass Oskar genau das sagte und dann eben etwas zu essen wollte. Das hat sich mittlerweile aber auch gelegt.

Ein Freund

Wirklich schön: Der Großling hat einen echten Kindergarten-Freund gefunden. Mit ihm kann er stundenlang spielen und beim Bringen und Holen hängen sie auch immer zusammen, warten gemeinsam auf die Kleinen. Außerhalb des Kindergartens sehen sie sich auch ab und zu, so wie es die Zeit eben zulässt. Entweder auf dem Spielplatz oder eben zuhause. Sie spielen sehr schön miteinander und können sich ganz toll miteinander beschäftigen. Und das Schöne für uns ist: Die Mutter ist sehr nett und sympathisch. (Über den Vater kann ich wenig sagen, mehr als ein „Hallo“ habe ich bisher nicht mit ihm gewechselt.) Das war eine große Erleichterung, denn wir hätten uns schon schwerer getan, wenn seine Eltern unsympathisch gewesen wären. Bei einigen Eltern, denen man beim Bringen so begegnet, denkt man sich seinen Teil und ich bin froh, dass Oskar mit ihren Kindern nicht so gut kann. Wäre dem so, müssten wir uns arrangieren, es geht ja schließlich um ihn, aber es wäre eben nicht so angenehm.

Der Freund des Großlings ist auch nicht getauft, die Eltern kommen aus Brandenburg und können mit Kirche etc. wenig anfangen. Das ist gut, denn dann hat Oskar seinen besten Freund dabei, wenn irgendwann der Pastoralreferent in den Kindergarten eindringt und dort seine Propaganda verbreitet. Aber diese Geschichte steht auf einem anderen Blatt und ich hoffe, ich komme dazu, sie gesondert zu behandeln. Sonst würde ich jetzt nur in einen endlosen Rant abgleiten. Nur so viel als Fazit: Es ist schön, dass wir nicht die einzigen „Gottlosen“ sind.

„Und wenn wir sterben?“

Was mich zum nächsten Thema beim Großling bringt: Ihn treiben große Themen um, zur Zeit: Der Tod. Sehr oft fragt er, was ist, wenn wir sterben und ob wir noch lange leben und so weiter. Es ist wirklich merkwürdig, wenn ein dreijähriges Kind zum ersten Mal fragt: „Und wenn wir sterben, was ist dann?“. Da steht man erstmal da und überlegt, was man sagen soll. Wir versuchen es so zu lösen, dass wir ihm  mehrere Ansichten anbieten. Alleine schon, um ihm beizubringen, dass es nur selten, wenn überhaupt jemals, eindeutige Antworten auf solche Fragen gibt. Wir stellen ihm dar, wie das verschiedene Menschen sehen. Er weiß, dass seine Großeltern etwa gläubig sind und da eben eine christliche Sichtweise haben, während wir das deutlich skeptischer sehen. Aber selbst unter uns Eltern ist es ja nicht genau gleich. Ich habe eher eine nüchterne Sicht darauf, während meine Liebste eher geneigt ist, eine transzendente Perspektive einzunehmen. Wie sollten wir also unseren Kinder eine Sichtweise mitgeben, „unseren Glauben“ vermitteln, wenn wir uns doch selbst nicht sicher sind, geschweige einig.

Ich finde es beeindruckend und hochinteressant, wie tief ihn das beschäftigt und wie oft er darüber nachdenkt. Natürlich ist das Konzept „Tod“ noch nicht zu 100 Prozent eingesickert. Oft spielt er, dass ein Stofftier oder ein Legomännchen umfallen und tot sind und dann wieder aufstehen und alles wieder gut ist. Aber naja, er ist drei Jahre alt – da sprüht die Fantasie sowieso. Er hat aber durchaus erfasst, dass es etwas Umwälzendes ist, wenn jemand stirbt. Er setzt dann sein ernsthaftestes Gesicht auf und sagt etwa: „Wenn einer tot ist, dann ist man traurig. Oder?“

Ebenso hat er auch zum Teil begriffen oder nimmt zumindest mit großer Ernsthaftigkeit wahr, was gerade auf der Welt passiert. Sehr gut finde ich da, wie zum Beispiel die Sendung mit der Maus damit umgeht. Das Thema wird behandelt, es geht um Krieg und Flucht, aber auf eine kindgerechte Art. Das heißt nicht, dass beschönigt und verniedlicht wird. Aber es wird behutsam und gleichzeitig deutlich dargestellt. Die Geschichte einer syrischen Familie, die von der Sendung mit der Maus begleitet wird, hat unser Großer mit Interesse verfolgt. Tief beeindruckt, bzw. getroffen hat ihn, dass ihr Haus kaputt ist, weil Krieg herrscht in ihrer Heimat. Damit kann er etwas anfangen. Das ist sein Anknüpfungspunkt. Denn er kann sich in etwa ausmalen, was es heißt, wenn das eigene Haus weg ist. Sicherheit und Geborgenheit.

Es ist beeindruckend, wie er das aufnimmt, mit welcher Ernsthaftigkeit und Empathie er das aufnimmt. (Und natürlich springt sein kleinkindliches Gemüt wieder schnell zu Spiel und Spaß – so muss es ja auch sein, aber für die kurzen Momente, in denen er innehält, ist er ganz ganz tief beeindruckt.) Wir hoffen sehr, dass er dadurch gefeit sein wird gegen Polemik und Populismus. Denn AfD und CSU werden auch noch da sein, wenn er groß ist und werden auch dann noch Ressentiments streuen. Einen Söder wird es immer geben, aber unsere Kinder sollen diese Politiker durchschauen und nicht auf Angstmache und Aufwiegelei hereinfallen. Vielmehr sollen sie dagegenhalten können, mit Intelligenz und Empathie.

Aber ich schweife ab. So viel zum Großling. Da es doch recht lang geworden ist, teile ich das Update auf – bald Teil 2 zu unserem Mädchen, unserer „G. Gefährlich“

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