Gedanken am Muttertag

0

Nein, eigentlich geht es in diesem Text gar nicht um den Muttertag, ich gebe zu, das war nur eine Mischung aus Clickbaiting und der Tatsache, dass heute nun mal Muttis ureigenster Sonntag ist. Der Tag, an dem die geplagte Hausfrau ausnahmsweise liegenbleiben darf, bis ihr ein Frühstück inklusive Blümchen vorzugsweise ans Bett gebracht wird. Dann steht noch das obligatorische Schmunzeln darüber auf dem Plan, wie tolpatschig sich der im Haushalt ungeübte Ehemann dabei abmüht, ein Essen zu kochen.

Irgendein kluger und perfider Mensch wahrscheinlich männlichen Geschlechts hat diesen Tag praktischerweise auf einen Sonntag gelegt. Lästiges Einkaufen mit Kindern oder Putzen (man will ja nicht gegen das himmelhochherrgöttliche Ruhegebot verstoßen) fällt da natürlich leider aus.

Jetzt habe ich doch über den Muttertag 100 Worte verloren und nebenbei das ursprüngliche Thema vergessen. Naja, dann werden aus den Gedanken am Muttertag dann eben doch noch Gedanken zum Muttertag.

Was ich mit meinem etwas spöttischen Einstieg nicht sagen wollte: Dass ein Tag, der Müttern gewidmet ist, per se schlecht oder nutzlos oder lachhaft ist. Wie so viele Mottotage gerät er aber schnell zu Heuchelei. Wozu Mutti einen Tag lang umsorgen, wenn morgen wieder die Rückkehr in übliche Rollenbilder und -verhaltensweisen ansteht?

Ganz gut trifft es dieser Tweet, wie ich finde:

Mich stört gar nicht so sehr, dass dieser Tag so kommerzialisiert ist, ich meine, bitte sehr, so läuft das nun mal im Kapitalismus. Der Mama einfach mal sagen, wie toll sie ist? Und das eben instiuttionalisiert, mit einem speziellen Tag als quasi Reminder? Warum nicht.

Aber was mich stört ist die übliche gedankenlose Perpetuierung überholter Rollenbilder. Wenn nicht reflektiert wird, warum Mami denn so angestrengt ist und ob ihr wirklich geholfen ist, wenn sie an einem von 365 Tagen zwar dafür gelobt wird, dass sie alles macht, aber nicht hinterfragt wird, warum das so selbstverständlich sein soll.

Mein Vorschlag: Schenke heute deiner Mutter oder einer Mutter in deinem Umfeld, die du bewunderst, Blumen und nehme dir vor, eine ganz bestimmte Sache, eine ganz bestimmte Verhaltensweise, die Frauen in eine Rolle zwängt, wenn nicht zu ändern, aber doch wenigstens zu hinterfragen und anzusprechen, im persönlichen Gespräch mit Freunden und Kollegen oder auf Facebook oder Twitter. (Der Hashtag #Muttertag drängt sich hier geradezu auf.) Das würde mich mit dem Muttertag etwas versöhnen.

Advertisements

Glücksmomente 09/2015

0

In anderen Blogs habe ich immer wieder die Glücksmomente anderer gerne gelesen. Und heute möchte ich doch auch einmal festhalten, was vergangene Woche besonders schön war.

Da war erstmal für mich Sonne. Sonne, die mir ins Gesicht strahlte, Dazu ein Geruch, der von Frühling kündet und mich und den Sohn nach draußen lockt. Nicht nur für eine halbe Stunde Spaziergang, nein, richtig ausführlich und lange. So haben wir also mehrmals letzte Woche das Baby in Kinderwagen oder Tragetuch gepackt und sind losgezogen. Der Sohn schnappte sich sein Laufrad. Damit ist er mittlerweile so mutig. Er dreht mit großer Begeisterung große Runden allein auf dem Friedhof. Da darf er das – alles eingezäunt und wenig los, also kann er da loslegen und er kommt auch sehr zuverlässig wieder bei mir an. Dazu strahlender Sonnenschein – mein Vitamin-D-Haushalt ruft „Hurra!“. DSC_03522

Letzten Mittwoch waren der Liebste, ich und das Babymädchen beim Babyschwimmen. Für sie war es schon die zweite Stunde und wie beim ersten Mal war sie wieder völlig begeistert. So viel Gejuchze, Gepatsche und Gestrahle macht uns Eltern glücklich und stolz. Und sie ist einfach auch hier wunderbar und macht fast alles gerne mit.

Am Donnerstag war ich von lauter Herzmenschen umgeben. Spontan kündete sich ein guter Freund an, der sich als hervorragender Babybespaßer erwies. Da ich ihn sonst nicht als allzu kinderkompatibel kennengelernt hatte, war das umso schöner zu sehen, wie er mit dem Babymädchen umging. Später kam dann auch noch meine wundervolle annyclaws und wir verbrachten einen gemütlichen, verspielten und dramalosen Nachmittag mit ihrer kleinen Maus und meinen Zwergen. Danke! Mein sozialer Akku war seit langem nicht mehr so voll.

Am Samstag: schöner Spaziergang mit langem Spielplatzaufenthalt mit der ganzen Familie (ja – Sooooooonne!!!!) und nachmittags Besuch von der Schwiegerfamilie. Hier besonders schön das Spiel von unserem Großen mit seiner Cousine. Er spielt ja meist noch sehr zurückhaltend und eher selten mit anderen Kindern – aber seine Cousine ist da eine Ausnahme. Und ich freu mich immer wahnsinnig, wenn ich ihn einfach vertieft mit einem anderen Kind spielen sehe. Highlight des Tages für mich war aber der Ausflug in die Sauna. Obwohl ich körperilch nicht ganz fit war, hab ichs riskiert und es war eine gute Entscheidung. Zwei Aufgüsse und ein bisschen Ruhen habe ich nach der doch anstrengenden Woche wirklich gebraucht. Und es macht mich immer wieder so glücklich, dass sowas trotz Stillen möglich ist. Danke an dieser Stelle an den treusorgenden Ehemann!

DSC_0408Am Sonntag überraschte uns –  wie schon erwähnt – das halbjährige Baby: Es zeigte uns gerne und ausführlich, wie es krabbelrobbend vorankommt und wie es sich hochziehen kann. Zu erwähnen sind an diesem Tag noch die köstlichen selbstgemachten Pommes und die Schnitzel vom Mann sowie die aufgrund von Müdigkeit meinerseits leider viel zu kurze, aber dafür sehr schöne Paarzeit am Abend.

Insgesamt war es eine wirklich erfolgreiche und schöne Woche. Nur mein Abnehmziel hat ein bisschen unter leckerem Essen und „ach-gönn-dir“-Mentalität gelitten. Diese Woche wieder.

Weitere Glücksmomente finden sich auf „Bis einer heult“.

Geburtsbericht der kleinen Perfektionistin

0

Es ist der 31. August – Geburtstag der kleinen Cousine. Ich hoffe, dass du heute nicht kommst, sondern dir zumindest noch einen Tag Zeit lässt. Viel länger mag ich nicht mehr auf dich warten müssen, ich bin so ungeduldig! Ein Freund fragt mich, ob ich noch mit ins Kino möchte an dem Abend. Ich habe zwar ein bisschen Angst ohne den Mann irgendwo hinzugehen, beschließe aber, dass mir das nur gut tun kann und ich einen Abend Ablenkung und soziale Kontakte gebrauchen kann. Vor dem Film trinken wir Cocktails (alkoholfrei 😉 ) und quatschen, „Guardians of the galaxy“ ist gute Unterhaltung und ich bin zufrieden, als ich mich von ihm nach dem Film wieder daheim absetzen lasse. Ich bin ziemlich fertig und müde, Kino und das lange Sitzen schlaucht mich mittlerweile sehr. Der Mann hat noch nichts gegessen und auch ich habe großen Hunger, also gönnen wir uns ein Burgermahl. Dazu schauen wir noch eine Folge „Revenge“. Da wir noch gar nicht über den Film geredet haben, meint er, dass ich ihm davon morgen beim Frühstück oder nach der Geburt erzählen könne. Wir lachen, aber er soll recht behalten. Danach geht’s ins Bett. Der große kleine Sohn wacht in dieser Nacht früh wieder auf, kommt rüber und kuschelt sich zu uns ins große Bett.

Um 1.30 Uhr erwache ich von einer Wehe. Sie schmerzt schon ziemlich und ich möchte nicht zu laut veratmen, um den Kleinen nicht zu wecken. Der Mann schläft auch fest, aber ihn wecke ich kurz: „Stell dich darauf ein, dass es heute losgeht!“ Er bleibt erstmal liegen und ich gehe rüber in sein Zimmer und schalte noch einmal den Rechner ein. Ich lese ein wenig auf Facebook und Geburtsberichte aus verschiedenen Geburtshäusern. Gegen zwei kommt er rüber und schaut, wie es mir geht. Ich habe zwar nochmal eine Wehe gehabt, bin mir aber alles andere als sicher, ob es jetzt losgeht oder nicht. Da unser Sohn gerade unruhig schläft, beschließen wir, dass es besser ist, wenn der Papa sich noch einmal zu ihm legt und versucht selbst noch etwas zu schlafen. Ich möchte das auch versuchen, allerdings im Gästebett. Ich schlafe aber nicht noch einmal ein. Zeitweise singe ich mir selbst ein Chantra aus dem Yoga-Kurs bei meiner Hebamme vor. Das beruhigt mich derzeit ziemlich gut. Da ich aber doch immer wieder von einer Wehe hochgeschreckt werde, wird es nichts mehr mit dem Schlafen. Nach etwa einer Viertelstunde stehe ich wieder auf, laufe ein wenig herum und veratme dann eine besonders heftige Wehe. Jetzt glaube ich, dass es wirklich los geht. Mit etwas schlechtem Gewissen, da ich das ja trotzdem nicht sicher weiß und vor allem nicht weiß, wie lang das jetzt dauern wird, aber befürchte, dass es eher schnell gehen könnte, rufe ich um halb drei meine Eltern an. Mein Vater geht schnell ans Telefon, klingt auch gleich sehr wach und verspricht mir, dass sie sofort losfahren. Ich bin wahnsinnig dankbar. Allein sein mag ich jetzt nicht mehr und vor allem sehne ich mich danach, eine Weile in die warme Wanne zu gehen. Ich wecke den Mann, der gerade tief eingeschlafen ist, dem diese kurze Schlafphase aber scheinbar gut getan hat, denn er wirkt jetzt viel wacher als beim letzten Wecken. Unser wunderbarer Sohn ist jetzt tief und fest eingeschlafen. Zum Glück. Der Mann kommt zu mir und hilft mir in die Wanne zu steigen. Die Wehen sind sehr unregelmäßig. Mal kommt eine nach sechs Minuten, dann nach zehn Minuten, mal erst nach zwanzig Minuten. Da zweifeln wir dann doch, ob es richtig war, meine Eltern bereits anzurufen. Die Wanne tut mir sehr gut, auch wenn ich in den Wehen nicht weiß, wie ich mich hinsetzen soll. Trotz des warmen Wassers werden sie aber nicht weniger schmerzhaft, also doch – das sind Geburtswehen. Jo packt die Geburtstasche fertig, theoretisch sind wir bereit. Ich finde aber, dass die Wehen nicht regelmäßig genug sind, um bereits bei der diensthabenden Hebamme – Melanie – anzurufen. Etwa eine Stunde später steige ich wieder aus der Wanne. Die Wehen sind teilweise schon ziemlich schmerzhaft, aber durchaus gut zu veratmen.

Kurz darauf klingelt es. Meine Eltern sind da. Meine Mama schaut zwar ziemlich müde aus, aber sie wirken dennoch nicht total fertig. Ich hoffe nur, dass ich sie nicht umsonst geweckt und zu der langen Fahrt veranlasst habe. Wir trinken Tee, reden ein wenig und ich hole mir bald ein Kissen, auf das ich mich kniee, um die Wehen halb auf dem Sitzball liegend zu veratmen. Meine Wehen sind immer noch unregelmäßig, aber eindeutig. Die Kleine hat sich auf den Weg gemacht. Ich bin aufgeregt und habe ein bisschen Angst, aber ich freue mich auch auf die Geburt. Jo hilft mir gut in den Wehen, hält meine Hand, streichelt mich. Etwas doof ist, dass natürlich das Gespräch verstummt, wenn ich veratme. Meine Mama beschließt, sich zum Kleinen ins Ehebett zu kuscheln. So ist mein großer Sohn versorgt. Ich hoffe so sehr, dass er sich nicht irritieren lässt, wenn wir morgen früh nicht da sind. Aber Oma und Opa sind ihm so vertraut, er wird sich vor allem sehr freuen sie zu sehen. Um halb fünf beschließen wir, dass es Zeit ist die Hebamme anzurufen. Melanie nimmt schnell ab, sie wirkt hellwach. Wir verabreden, dass wir uns um fünf Uhr im Geburtshaus treffen. Ich trinke noch etwas Tee, veratme und bin jetzt wirklich aufgeregt. Es geht los! Der Mann bringt die Sachen ins Auto, mein Papa ist aufgekratzt. Mein fürsorglicher Schatz hilft mir die Treppe hinunter und dabei mir die Schuhe anzuziehen. Auf der Motorhaube veratme ich noch einmal eine Wehe, bevor ich ins Auto steige. Mein Papa winkt uns hinterher. In der Gewissheit, dass unser Sohn gut versorgt ist und wir uns voll auf die Geburt konzentrieren können, fahren wir um 4.51 Uhr los.

Die nächste Wehe kommt um 4.59 Uhr, während wir einen Parkplatz möglichst nah am Eingang suchen. Autofahren war schon etwas fies, aber Wehe im Sitzen geht eigentlich gar nicht. Ich stöhne und ächze und bin gleichzeitig so froh, dass ich diesmal sicher nicht im Auto bis nach Haßfurt fahren muss. Wir laufen zum Geburtshaus, nehmen erst einmal nur meine Tasche mit dem Mutterpass mit.

Melanie öffnet uns und leitet uns nach hinten ins große Geburtszimmer. Wir bleiben die einzige Geburt an diesem Morgen. Ich mag den Raum so gern. Ein großes, gemütliches Bett mit einem wunderschönen Kronleuchter darüber, der Massagesessel. Zum CTG nehme ich meine altbewährte Position ein: auf dem Boden (gut gepolstert), halb auf dem Ball liegend. Immer wieder nimmt das CTG meine Herztöne statt denen des Babys auf, aber ich bin mir immer sicher, dass es ihr da drinnen gut geht. Irgendwie glaube ich, dass ich spüren würde, wenn sie Probleme bekäme. Die nächste Wehe lässt etwas auf sich warten, ich werde wieder unsicherer, ob wir nicht doch zu früh losgefahren sind. Wir unterhalten uns mit Melanie über Namen, Sternzeichen, ihre Schicht, die letzte Geburt und sie fragt mich, ob es okay für mich wäre, wenn Vanessa, die Hebammenschülerin, bei der Geburt dabei wäre. Es ist für uns okay, also ruft Melanie sie an, während sie mir einen Tee und dem Mann einen Kaffee kocht. Dann untersucht sie mich. Der Befund ist für mich enttäuschend – der Muttermund ist erst zwei Zentimeter geöffnet. Mit meinen immer noch unregelmäßigen Wehen, die gerade mal nach acht, mal nach 15 Minuten kommen, fürchte ich sehr zu früh Alarm geschlagen zu haben. Im Krankenhaus hätten sie uns sicher noch einmal nach Hause geschickt. Melanie schickt uns dagegen erst einmal eine Stunde spazieren. Ich veratme noch eine Wehe an der Tür, bevor wir losziehen.

Um kurz vor sechs laufen wir also durch die einsamen Straßen. Mein Mann fragt sich, wie oft die Bewohner der Gegend wohl nachts wehenveratmende Frauen hören. Mein Veratmen klingt wohl ein wenig spukend. Ich muss lachen, was sehr anstrengend, aber auch wohltuend ist. Wir laufen weiter. Meine Wehen sind gerade eher selten, ich hoffe so, dass wir nicht noch einmal nach Hause müssen. Unser Weg führt uns zum Bäcker. Der baldige Doppelpapa hat Hunger und ich könnte auch etwas zu essen gebrauchen. Die Verkäuferin spricht mich auf meinen schwangeren Bauch an und freut sich, als wir ihr sagen, dass es wohl bald soweit ist und wir gerade vom Geburtshaus aus spazieren geschickt worden sind. Ich bleibe stehen, schließlich soll ich mich ja bewegen. Der Mann genießt seinen Kaffe, drei Brötchen und Käse/Wurst, ich meinen Tee, ein bisschen was von seinem Teller, ein Hörnchen mit Marmelade und einen Joghurt mit Früchten. Mehrere kleine Wehen muss ich dabei verarbeiten. Mir ist es etwas unangenehm als andere Kunden in den Raum kommen und so lasse ich mich beim Veratmen vom Mann abschirmen, der mich von hinten umarmt. Wir kaufen noch ein belegtes Brötchen, ein Nusshörnchen und eine Mohnschnecke für später, bzw. Melanie und Vanessa. Auf dem Rückweg habe ich wenig Wehen und bin ein wenig enttäuscht. Ich will, dass sie heute kommt.

Auch Melanie wirkt etwas enttäuscht, als wir um sieben zurückkommen und ihr die Wehenabstände beschreiben. Das Bewegen hätte ruhig mehr helfen können. Wir schreiben erst einmal CTG in altbewährter Haltung, die Überwachung hier übernimmt jetzt hauptsächlich Vanessa, die auch wirklich süß ist. Der Kleinen geht es gut, es zeigt auch an, dass gut Druck vorhanden ist. Aber wirklich mehr werden die Wehen immer noch nicht. Die anschließende Untersuchung zeigt: 2-3 Zentimeter offen. Ich bin enttäuscht. Melanie beschließt, die Geburt ein wenig anzustupsen. Also akkupunktiert sie mich, was zwar leicht schmerzt, aber sich auch gut und richtig anfühlt. Außerdem gibt sie mir eine Dosis aus einem Nasenspray und zwei Zäpfchen zum Krampflösen, damit der Muttermund weicher wird. Währenddessen lässt Vanessa die Wanne ein, ich würde gern noch einmal hineinsteigen. Die Wirkung des Anstupsens ist gut: Plötzlich halbiert die Zeit zwischen den Wehen sich. Sie sind gut zu veratmen, der Mann hilft mir, atmet mit, lässt sich die Hand zerdrücken, streichelt mich. Er ist ein wunderbarer Geburtsbegleiter. Auch mit Melanie und Vanessa fühle ich mich wohl. Aber die Nadeln behindern mich in meiner Bewegungsfeieheit und Wehen veratmen, während sie noch in mir stecken, ist so schwierig. Also bin ich froh, dass Vanessa sie dann endlich wieder entfernt. Trotzdem – endlich ist mir eindeutig klar, dass wir unser Tochter bald in den Armen haben werden. Der Mann holt die Sachen aus dem Auto.

Einige Wehen später ist die Wanne voll und ich steige um 8.45 ins Wasser. Es ist so angenehm! Während der Wehen genieße ich es total in der Wanne zu sein. Die Hebammen lassen uns jetzt eine Weile alleine und mein Schatz beginnt, mir während den Wehen schöne Dinge von unseren Kindern zu erzählen. Er erzählt mir vom kommenden Skiurlaub, von Spaziergängen, von unserer wunderschönen Tochter, die sich genau überlegt hat, wann sie kommen darf (seit diesem Tag ist auch Gynäkologe wieder aus dem Urlaub zurück, ihr Bruder hat keine Kitaferien mehr, ich durfte noch einen guten Film sehen, etc), von unserem klugen Sohn, von seinen Spielen, seiner Sprache.. Das hilft mir in den Wehen sehr, die in der Wanne immer schmerzhafter werden. Das warme Wasser schiebt die Geburt eindeutig an. Nach einiger Zeit bin ich hin- und hergerissen zwischen der wunderbaren Entspannung in den Wehenpausen, in denen ich so schön in der Wanne dümpeln kann und den doch sehr starken Schmerzen. Letztlich ist es wohl so, dass mein Kreislauf die Wanne auf Dauer doch nicht mehr so gut verträgt und ich entscheide mich, wieder rauszuklettern. Der Mann und Melanie helfen mir dabei, ziehen mir den Bademantel über.

Es ist etwa 9.15 Uhr. Ich kniee mich vors Bett und veratme hier meine Wehen. Schnell bricht mir jetzt der Schweiß aus. Vanessa lüftet in den Wehenpausen, aber mir ist furchtbar warm. Ich ziehe wieder mein Kleid an, damit ich mich nicht erkälte, aber ich schwitze weiter. Die Wehen kommen jetzt im Abstand von drei bis vier Minuten. Melanie stellt bei der nächsten Untersuchung fest, dass der Muttermund etwa drei Zentimeter offen ist, aber alles weich und kein Gebärmutterhals mehr. Ich veratme, muss mich immer mehr darauf konzentrieren tiefe Töne anzuschlagen. Vanessa kontrolliert zwischen den Wehen immer wieder die Herztöne. Das beginnt mich ein wenig zu nerven, gleichzeitig finde ich es auch irgendwie schön und lustig, wie engagiert sie ist und zumindest lenkt es auch etwas ab. Mein Partner hilft mir sehr, atmet mit mir, tönt mit mir, versichert mir, dass ich es gut mache und es schaffe und er stolz auf mich sei. Auch Melanie und Vanessa tönen jetzt immer wieder mal mit und erinnern mich an die tiefen Töne und das Einatmen durch die Nase. Ich fühle mich gut aufgehoben. Die meiste Zeit kniee ich vor dem Bett, zeitweise bin ich aber auch im Vierfüßler. Kurzzeitig liege ich auch auf der Seite auf dem Bett, aber das geht für mich gar nicht. Die Wehen werden jetzt immer heftiger. Auch die Abstände verkürzen sich noch mehr. Habe ich zunächst noch ab und zu eine kleine Wehenpause, gehen die Wehen jetzt immer mehr ineinander über. Ich wehe und atme, es schmerzt so sehr! Ich will Pausen, aber mein Körper gönnt sie mir nicht mehr. Mir läuft der Schweiß in Strömen. Der Mann tupft mir die Stirn mit einem kalten Waschlappen ab, Melanie legt mir einen in den Nacken. Ich will, dass es aufhört und ich endlich wieder einmal durchschnaufen kann. Der Mann sichert mir zu, dass unsere Tochter bald da sein wird und ich entgegne nur: „Wann ist bald?“ Ich bin völlig geschafft. Ich habe Angst, dass mein Kreislauf diese Intensität nicht mitmacht. Es kommt mir ewig vor, wie eine Wehe die nächste jagt. Diesmal verstehe ich besser, wieso so viele Frauen PDA und ähnliches wollen. Ich denke zwar nicht ernsthaft daran, aber eigentlich will ich nur noch, dass dieser Schmerz aufhört. Ich zerquetsche die Hand des Mannes, jammere und werde beim Veratmen sehr laut. Der Druck wird stärker, aber irgendwie glaube ich nicht, dass es vorangeht. Der Befund war vorhin ja erst bei drei Zentimetern. Die Kleine rutscht immer tiefer ins Becken. Wann hört das endlich auf?

Dann plötzlich bin ich der Meinung, dass ich jetzt sofort meinen Darm entleeren muss. Sofort. Melanie ist gerade nicht im Raum. Irgendwie komme ich ins Bad und setze mich auf die Schüssel. Gleich merke ich, dass ich in die „falsche“ Richtung presse. Aber der Druck ist so groß! Mir kommt gar nicht der Gedanke, dass es ja einfach das Kind sein könnte. Ich habe Angst, nicht pressen zu dürfen. Ich rufe den Mann, der auch gleich zu mir kommt. „Ich muss aufs Klo! Aber ich darf nicht pressen! Tu etwas!“, schreie ich ihn an. Er tut etwas, geht raus, um die Hebammen zu holen. Vanessa holt sofort Melanie und den Arzt. Ihnen ist natürlich klar, was los ist. Ich bin schon in der Austreibungsphase. Ich will nicht, aber ich presse und fasse nach unten, spüre das Köpfchen, das kurz davor ist geboren zu werden! Melanie ermuntert mich zu pressen. Ich will mein Kind aber auf keinen Fall auf dem Klo bekommen. Also holt der Mann den Geburtshocker. Sie stellen ihn direkt vor mich. Auch wenn ich jammere, dass ich da nicht hinkomme, helfen sie mir vom Klo zum Hocker zu wechseln. Der Arzt fordert mich immer wieder auf, mich nach hinten zu lehnen, aber ich kann nicht! Mein Schatz setzt sich hinter mich auf den Toilettendeckel und zieht mich kurzerhand ein Stück zu sich heran. Er ist da, hält mich. Jetzt presse ich, was das Zeug hält. Ich bin einfach nur so froh, diesem Drang nachgeben zu können! Ich schreie in den Wehen, habe wahnsinnige Schmerzen und fühle mich gleichzeitig mächtig und euphorisch. Der Kopf ist geboren. Ich spüre, wie mein Kind durch mich hindurchrutscht. Zwei oder drei Austreibungswehen später ist sie da, wird von Melanie aufgefangen. Es ist 10.24 Uhr. Arzt und Hebamme untersuchen sie kurz, trocknen sie ab. Sie meldet sich und ihre Stimme bringt mich noch mehr aus dem Konzept. Ich bin völlig fertig, außer Atem und kann es nicht glauben. Ich musste doch meinen Darm entleeren eigentlich… Ich war doch erst bei so wenigen Zentimetern Muttermundöffnung gewesen… Die schnelle Geburt überfordert mich gerade. Aber da unten, da liegt sie, meine Tochter! Meine wunderschöne kleine Tochter! Melanie fragt mich, ob ich schon soweit bin sie zu halten. Natürlich bin ich das. Ich nehme sie in die Arme, halte sie an mich und fange an mit ihr zu sprechen. Ich kann nicht mehr aufhören zu reden, sie zu begrüßen. Sie so nah bei mir zu spüren überwältigt mich. Jo umarmt uns. Er weint. Wir sind glücklich. Wir sind jetzt vier. Unsere Tochter ist bei uns. Sie ist da, tatsächlich da. Die Nabelschnur pulsiert aus, der Mann durchtrennt sie. Ich merke, dass ich das kaum sehen kann, wie er da die Verbindung trennt, die mein Mäuschen und mich so lange zusammengehalten hat. Ich spüren schon wieder eine Wehe kommen. Melanie feuert mich noch einmal an. Schon ist die Nachgeburt da. Ich bin so außer Atem. Aber meine Tochter ist auf der Welt. Ich habe es geschafft. Ich habe sie geboren.

Jetzt soll ich aufstehen und rüber zum Bett. Das Wunder in meinen Armen gebe ich nicht mehr her, ich trage sie selbst, das muss gehen. Ich werde zum Bett geführt, lege mich hin, die Kleine auf meiner Brust. Sie ist so unglaublich schön. Sie ist so perfekt. Ihr Papa kommt dazu und kuschelt sich an uns. Wir haben eine Tochter. Wir kuscheln und genießen es in diesen ersten Minuten zusammenzuliegen. Melanie und Vanessa untersuchen die Plazenta. Dann erklären sie sie dem Mann genau und zeigen sie auch mir. Beim Großen habe ich ja leider verpasst sie genauer zu betrachten. Sie ist an ein paar Stellen schon ein wenig verkalkt, aber schaut insgesamt gut aus.  Jetzt untersucht Melanie mich. Ich kann es kaum glauben, aber außer ein paar Abschürfungen habe ich keine Geburtsverletzungen. Das Nähen bleibt mir erspart. Ich bin gleich noch viel glücklicher. Melanie geht jetzt erst einmal hinaus, Vanessa bleibt noch, um ein Stück aus der Plazenta zu schneiden, das wir zu Plazentapulver verarbeiten wollen. Dann lässt auch sie uns alleine. Wir kuscheln und begrüßen uns. Unsere Kleine beginnt schon bald darauf zu suchen. Als Melanie das nächste Mal nach uns schaut, hilft sie mir sie erstmals anzulegen. Unsere Tochter beginnt zum ersten Mal an meiner Brust zu saugen. Ich bin unbeschreiblich glücklich. Während ich stille und stille kommt  die Hebamme, die den Großen zur Welt gebracht hat, herein und gratuliert uns. Ich freue mich sehr sie zu sehen. Die meiste Zeit ist jetzt aber Ruhe – Begrüßungszeit. Es ist einfach so schön. Der Mann geht kurz raus, Babyschale holen, damit diese nicht zu kalt ist, wenn das Baby hineingelegt wird. Dieses wird nach sehr langem Nuckeln an die zweite Brust angelegt, auch hier saugt sie munter weiter. Schließlich nehme ich sie nach zwei Stunden ab. Es ist Zeit für ihre Untersuchung. Der Mann bleibt bei unserer wunderbaren Tochter. Ich gehe in dieser Zeit duschen. Es tut gut sich zu waschen. Vanessa hilft mir aus der Dusche wieder hinaus. Die U1 war wunderbar, 10/10 beim Apgar-Test. Sie hat einen Kopfumfang von 36 cm, wiegt 3800 g und ist 51 cm lang. Ich bin so stolz auf sie. Der Arzt gratuliert uns und verabschiedet sich dann. Ich fühle mich fit und euphorisch. Vanessa hilft mir ein wenig beim Anziehen. Melanie und Jo wählen Kleidung für Greta aus und ziehen sie an. Danach klären wir Formalia und sind dann plötzlich bereit aufzubrechen. Und ich will auch nach Hause. Wir durften hier in Ruhe ankommen, hatten eine schöne Geburt. Aber jetzt sehne ich mich nach der Ruhe in den eigenen vier Wänden. Vanessa und mein Mann tragen unser Gepäck zum Auto. Ich wechsle noch einmal Vorlagen und stelle fest, dass Pinkeln nicht weh tut. Das begeistert mich so – ich erinnere mich noch gut, wie schmerzhaft das nach der ersten Geburt war. Dann brechen wir auf. Der Papa trägt die Babyschale, Vanessa führt mich. Wir umarmen unsere wunderbaren Hebammen. Sie haben uns eine tolle Geburt ermöglicht und mir viel Vertrauen in mich gegeben. Danke! Vanessa setzt mich noch ins Auto, jetzt bin ich wieder müder und mir ist ein wenig schwindelig. Aber ich habe genug Glückshormone in mir, um die Fahrt gut zu überstehen. Unser Baby schläft in der Schale ein. Wir fahren nach Hause in die Zeit zu viert. Unsere Familienflitterwochen können beginnen.