Gedanken am Muttertag

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Nein, eigentlich geht es in diesem Text gar nicht um den Muttertag, ich gebe zu, das war nur eine Mischung aus Clickbaiting und der Tatsache, dass heute nun mal Muttis ureigenster Sonntag ist. Der Tag, an dem die geplagte Hausfrau ausnahmsweise liegenbleiben darf, bis ihr ein Frühstück inklusive Blümchen vorzugsweise ans Bett gebracht wird. Dann steht noch das obligatorische Schmunzeln darüber auf dem Plan, wie tolpatschig sich der im Haushalt ungeübte Ehemann dabei abmüht, ein Essen zu kochen.

Irgendein kluger und perfider Mensch wahrscheinlich männlichen Geschlechts hat diesen Tag praktischerweise auf einen Sonntag gelegt. Lästiges Einkaufen mit Kindern oder Putzen (man will ja nicht gegen das himmelhochherrgöttliche Ruhegebot verstoßen) fällt da natürlich leider aus.

Jetzt habe ich doch über den Muttertag 100 Worte verloren und nebenbei das ursprüngliche Thema vergessen. Naja, dann werden aus den Gedanken am Muttertag dann eben doch noch Gedanken zum Muttertag.

Was ich mit meinem etwas spöttischen Einstieg nicht sagen wollte: Dass ein Tag, der Müttern gewidmet ist, per se schlecht oder nutzlos oder lachhaft ist. Wie so viele Mottotage gerät er aber schnell zu Heuchelei. Wozu Mutti einen Tag lang umsorgen, wenn morgen wieder die Rückkehr in übliche Rollenbilder und -verhaltensweisen ansteht?

Ganz gut trifft es dieser Tweet, wie ich finde:

Mich stört gar nicht so sehr, dass dieser Tag so kommerzialisiert ist, ich meine, bitte sehr, so läuft das nun mal im Kapitalismus. Der Mama einfach mal sagen, wie toll sie ist? Und das eben instiuttionalisiert, mit einem speziellen Tag als quasi Reminder? Warum nicht.

Aber was mich stört ist die übliche gedankenlose Perpetuierung überholter Rollenbilder. Wenn nicht reflektiert wird, warum Mami denn so angestrengt ist und ob ihr wirklich geholfen ist, wenn sie an einem von 365 Tagen zwar dafür gelobt wird, dass sie alles macht, aber nicht hinterfragt wird, warum das so selbstverständlich sein soll.

Mein Vorschlag: Schenke heute deiner Mutter oder einer Mutter in deinem Umfeld, die du bewunderst, Blumen und nehme dir vor, eine ganz bestimmte Sache, eine ganz bestimmte Verhaltensweise, die Frauen in eine Rolle zwängt, wenn nicht zu ändern, aber doch wenigstens zu hinterfragen und anzusprechen, im persönlichen Gespräch mit Freunden und Kollegen oder auf Facebook oder Twitter. (Der Hashtag #Muttertag drängt sich hier geradezu auf.) Das würde mich mit dem Muttertag etwas versöhnen.

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Geburtstagswoche

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Letzte Woche wurde unser großer Kleiner drei Jahre alt. In den letzten Wochen hatte er immer wieder gefragt, wann er Geburtstag habe und wir hatten viel darüber geredet. Er hatte auch konkrete Wünsche geäußert (einen Schneckenkuchen, Kekse, einen Roller) und so waren Mama und Papa in die Planung des ersten Kindergeburtstages eingestiegen. Aber diese Feier sollte nur der Höhepunkt einer ganzen Geburtstagswoche werden, denn es gab ja so einige Menschen, die mit dem Sohn gerne Geburtstag feiern wollten.

Am Dienstagmorgen wachte ich ab halb fünf im 20-Minuten-Takt auf. Ich war so aufgeregt. Der erste Geburtstag, den der Sohn richtig mitbekommen würde, auf den er sich gefreut hatte! Im Jahr davor war das ja noch anders – er hatte durchaus Geburtstagsmuffins und Geschenke gewürdigt, aber sich nicht wochenlang gefreut und danach auch nicht mehr vom Geburtstag erzählt. Um halb sieben hatte ich genug, ich wollte jetzt feiern! Also tappste ich zunächst rüber zum Mann, der im Gästebett geschlafen hatte und weckte ihn. Die letzten kleinen Vorbereitungen und dann setzte ich mich zum Sohn ans Bett. Dieser räkelte sich schon etwas und wachte sofort auf, sobald ich das Wort „Geburtstag“ aussprach. Er tappste dann auch ganz aufgeregt die Treppe hinunter und blieb nach dem Öffnen der Wohnzimmertür erstmal sprachlos stehen und guckte. Auf die Deko, auf die Geschenke, auf den Geburtstagstisch. Dann guckte er zu uns, grinste, guckte wieder. Ganz langsam lief er dann zur neuen, schon aufgebauten Holzeisenbahn. „Spielen?“ Natürlich durfte er spielen. Wir Eltern setzten uns an den Tisch und sahen ihm zu. Besonders schön war, dass wir an diesem Morgen nur für ihn da sein konnten, da das Töchterchen noch tief und fest schlief. Nach ein paar Minuten entdeckte der Sohn den Kuchen und wollte die Kerze auspusten. Das ging richtig gut! Nach Essen war ihm dann aber weniger, nur ein paar Gäbelchen Kuchen verschwanden in ihm, bevor er weiter Geschenke gucken wollte. Vom Nachbarn bekam er eine Tüte mit einem Buch, einem Puzzle und den langersehnten Keksen. Das neue Starwars-T-Shirt wollte er sofort anziehen. Den Puky-Roller bäugte er noch etwas skeptisch und gab nach einem kurzen Probestehen gleich wieder auf. Stattdessen spielten Papa und Sohn noch eine Weile mit der Eisenbahn. Ich schlug ihnen dann vor Zähne zu putzen und sich umzuziehen und dann den Roller noch richtig auszuprobieren, bevor es in den Kindergarten gehen sollte. Der Sohn, der eigentlich keine Lust hatte, ging darauf ein und so kamen die Männer noch zu einer Viertelstunde Rollerfahrt, bevor sie los mussten. Das Rollerfahren muss noch ein wenig geübt werden, klappt dank Laufraderfahrung aber doch schon recht gut.

In den Kindergarten nahm der Sohn dann Obst und Gemüse mit. Ich find das eine echt gute Sache: Geburtstag wird in unserem Kiga ohne Kuchen gefeiert, dafür gibt es einen Korb, der vom jeweiligen Geburtstagskind mit frischen Leckereien gefüllt werden muss. In unserem Fall waren das Dinge, die Oskar (zumindest manchmal) gerne isst: Apfel, Trauben, Karotten und Gemüsegurken. Als ich ihn am frühen Nachmittag wieder abholte, strahlte mein Kind. Er hatte es so genossen im Mittelpunkt zu stehen. Sowohl seine Erzieherin als auch wir waren da vorher skeptisch gewesen, da er das meistens nicht so mag. Aber Geburtstagsaufmerksamkeit war scheinbar richtig gut. Er hatte den ganzen Kiga-Tag seine dort gebastelte Krone nicht mehr abgenommen, mit Begeisterung den kleingeschnittenem Korbinhalt verteilt, sich Spiele gewünscht, einfach den Tag richtig genossen. Dafür war er danach auch richtig müde und kaputt. Dennoch fuhr ich mit ihm und einer wachen kleinen Schwester zum Bäcker, wo schon der Papa auf uns wartete, der mit seinem Geburtstagssohn seine Mittagspause verbringen wollte. Wir tranken Milchkaffee, Oskar Traubenschorle und er aß noch ein leckeres Bamberger Hörnchen. Dabei erzählte er uns von den anderen Kindergartenkindern und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Auf dem Weg zum Musikgarten schlief er mir dann ein. Etwas erholt begaben wir uns dann in den Kursraum. Die Stunde war okay, aber der Sohn eigentlich einfach zu fertig. Er ließ mich mit dem Babymädchen die Spiele machen, schaute zu und war damit zufrieden. Danach wollte er unbedingt noch etwas machen, also überredeten wir die teilnehmenden Freundinnen mit Kindern noch einen Abstecher zum Bäcker zu machen. Dort gab es für den Sohn und mich je ein Eis und dazu noch eine Breze. Wieder daheim gab es noch eine Runde „Sendung mit dem Elefanten“, bevor das Geburtstagskind müde ins Bett sank.

Zwei Tage später holten die Großeltern ihn vom Kindergarten ab. Auch an diesem Nachmittag wurde noch einmal ausführlich gefeiert und Oskar übte mit dem Opa weiter seinen Roller zu fahren. Richtig gut kam das Großelterngeschenk an: Endlich eine elektrische Lok für die Holzeisenbahn.

Am Samstag dann trafen wir uns mit der Familie meiner Schwester und der Familie meiner Schwägerin im Wildpark. Der Große wollte unbedingt hin und hibbelte den ganzen Vormittag. Die Wetteraussichten waren nicht die besten und wir hofften nur, dass wir trockenen Hauptes den Nachmittag überstehen würden. Als wir ankamen tröpfelte es. Mist. Meine Laune war im Keller und das meine Schwester sich verspätete und wir in einem Funkloch standen, machte das nicht besser. Zum Glück beschlossen wir, trotzdem loszulaufen und den Mann wartend am Eingang stehen zu lassen. Die Kinder waren von Schweinen, aber besonders von Elchen und Wisent begeistert und so fand ich mich mit Schwager, Kindern und plötzlich ziemlich guter Laune in einem Pavillon wieder, wo wir erstmal das vorbereitete Picknick auspackten. Auch der Rest der Ausflugsgesellschaft kam dann bald und so konnten wir uns erstmal lecker die Bäuche vollschlagen. Der Sohn genoss es, dass wir für ihn (und auch die kleine Nichte, die einen Tag vor ihm Geburtstag hatte) sangen und erklärte seiner Tante, was wir nicht alles für das Picknick eingepackt hatten. Frisch gestärkt entschieden wir uns für den langen Weg durch den Wildpark und wurden dafür belohnt: Zwei Wölfe ganz nah und der erste Live-Blick auf einen Luchs meines Lebens. Das Geburtstagskind fand das auch sehr toll. Getoppt wurden diese Eindrücke aber von den Schafen, die gefüttert wurden und wo die Kinderhorde gar nicht mehr weg wollte. Eine kleine Trübung erfuhr der Ausflug als der Sohn mit dem Gesicht in den Kieseln landete und zunächst stark blutete. Zum Glück war meine Schwester gut ausgestattet und die Wunde schnell versorgt. Den Weg nach unten zum Eingang musste ich meinen großen Kleinen dann aber komplett tragen, was dank Adrenalinschub kein Problem war, mir aber ziemlich starke Rücken- und Knieschmerzen am nächsten Tag bescherte. Bei den Kaninchen angekommen, ging es ihm aber wieder gut genug, um Spaß am Ausflug zu haben. Zum Glück waren wir jetzt fast durch, denn jetzt hatten wir genug Wetterdusel gehabt. Es begann zu regnen und wir retteten uns noch für eine halbe Stunde ins Lokal. Dort gab es Kaffee für die Großen und Eis für die Kleinen, bevor wir dann die Heimfahrt antraten. Die war etwas schwierig, da das Babymädchen jetzt überhaupt keine Lust mehr hatte zu schlafen oder in der Babyschale zu spielen, sondern endlich wieder krabbeln wollte. Aber auch das ging vorbei und mein Großer akzeptierte irgendwann auch, dass nicht „alle noch mit zu uns!“ kommen konnten.

Ein erneutes abendliches Backen und ein Sonntagmorgen im Zeichen des Hausputzes zehrten an unseren Elternkräften, dennoch war um zwei Uhr nachmittags am Folgetag alles bereit für den Kindergeburtstag. Der wurde auch richtig schön. Meine Sorge, es könnte nicht genug zu essen da sein, war völlig unbegründet, da die Kids lieber spielten als zu essen und die Eltern hauptsächlich die Teller ihrer Kinder aufaßen. Es war ein ziemliches Gewusel, aber alles in allem gut. Der Sohn hatte (fast) kein Problem damit, dass die anderen sechs Kinder mit seinen Sachen spielten. Zeitweise spielten sie auch zusammen und so wurde es ein durchaus harmonischer Nachmittag. Der Große genoss es wieder sehr im Mittelpunkt zu stehen. Und jetzt gab es auch endlich den gewünschten Schneckenkuchen (Biskuitrolle mit Marzipanköpfen und Schokoantennen), den er begeisert anguckte, dann aber doch lieber den Käsekuchen aß.

Am Montagmorgen fragte er noch einmal: „Heute wieder Geburtstag feiern?“, aber nein, damit ist für dieses Jahr erstmal genug. Nächstes Jahr wieder. 🙂

Die Betreuungsfrage

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Vor der Geburt des Sohnes war für mich klar: Ich finde Krippen gut. Ich finde es gut, wenn Kinder frühzeitig andere soziale Kontakte haben als die eigenen Eltern. Ich finde es gut, wenn Mama und Papa neben der Familie noch eine andere, sie möglichst erfüllende Tätigkeit haben, damit Kind und Eltern von der gemeinsamen Zeit, aber eben jeder auch von der eigenen Berufs- oder Krippenzeit profitieren können. Ich habe immer die Entscheidung anderer für längere Familienarbeitszeit ohne sonstige Erwerbstätigkeit respektiert. Für meine Schwester, für Freunde, für andere Menschen, die ich sehr achte, war dies die richtige Entscheidung. Für uns war klar – ein mögliches Kind kommt nach einem Jahr, in dem ich daheim bleibe, in die Krippe.

Der Sohn wurde geboren. Ich unterbrach mein Referendariat und plante nach etwas weniger als einem Jahr wieder einzusteigen. Das Schuljahr beginnt nun einmal im Februar und so schluckte ich zwar etwas, aber wir waren uns alle einig, dass er im Februar dann eben auch schon in der Krippe eingewöhnt sein sollte, damit ich meinen erneuten Start ins Berufsleben gut hinbekommen würde. Heute denke ich, dass es ihm gut getan hat. Er hatte zu Beginn eine luxuriöse Situation in einer neugeschaffenen Krippe, in der zwei Tagesmütter für drei Kinder da waren. Es wurden natürlich dann mit der Zeit mehr Kinder, aber es blieb immer eine kleine, gemütliche Gruppe. Er liebte seine Haupterzieherin sehr und wir wussten ihn in sehr guten Händen. Dank zusätzlicher Unterstützung durch meine Eltern, besonders meine Mutter, aber natürlich auch dank meinem wunderbaren Partner, konnte ich mich auch mit Kind auf mein Referendariat konzentrieren, meinen Unterricht vorbereiten, Krisen und Selbstzweifel durchstehen und letztendlich mein Zweites Staatsexamen abschließen. Dabei zeigte sich, dass sich meine Vorstellung von Beruf und Familie wirklich verwirklichen ließ. Oft konnte ich mich bei meinem Sohn, bei meiner Familie, von den Schwierigkeiten im Ref erholen, loslassen, Energie tanken. Und immer wieder hatte ich in der Schule den Eindruck, die Belastungen daheim weniger schwer zu nehmen. Ich erholte mich beim einen vom anderen. Auf der anderen Seite war es natürlich manchmal auch hart, aber alles in allem waren wir zufrieden mit der Lösung. Der Sohn entwickelte sich prächtig in der Krippe. So hatte ich selten bis nie die Gedanken, ob es richtig war, ihn früh in die Krippe zu geben. Es ging uns allen gut damit. Dazu kam noch, dass er sehr früh gut aß. Er ersetzte schnell erste Stillmahlzeiten, nahm die Brust immer öfter nur als Tröster oder Einschlafhilfe. Im zehnten Stillmonat blieb nur noch die Einschlafmahlzeit an der Brust bis er sich nach elf Monaten ganz selbst entwöhnt hatte. Es lief natürlich und von ihm gewählt ab. Ich war diejenige, die traurig war, dass diese wunderschöne Verbindung ein Ende gefunden hatte. Und ich war so stolz auf ihn, dass er selbst diese Entscheidung getroffen hatte. Sein Essverhalten hatte es uns leicht gemacht, die Stillgedanken standen dem Krippenaufenthalt in keiner Weise im Weg.

Das Mädchen hat ab September einen Krippenplatz. Als Geschwisterkind hat sie ihn in der Einrichtung, in der ihr Bruder den Kindergarten besucht, sicher. Für den Mann und für mich war es klar, dass wir den Antrag stellen. Vor ihrer Geburt war ich mir auch ganz sicher, dass ich nach einem Jahr wieder arbeiten wollen würde. Und jetzt komme ich zum Punkt meines Artikels. Wenn ich daran denke, sie im September in die Krippe zu geben, zieht sich alles in mir zusammen und ich könnte sofort weinen. Alles, was sich beim Sohn richtig und gut für mich und ihn angefühlt hat, fühlt sich gerade alles andere als richtig für die Tochter an. Aber woran liegt das? Ich habe dazu mehrere Gedanken..

1. Ich habe keinen Job. Nach der Elternzeit mit Oskar hatte ich meinen festen Referendariatsplatz. Jetzt bin ich ohne Arbeitsstelle. Dafür habe ich jede Menge Zukunftsängste. Vielleicht will ein Teil in mir sich der Realität der Jobsuche und der Notwendigkeit des Geldverdienens nicht stellen. Auch erfüllt mich die ehrenamtliche Arbeit doch mit ausreichend Selbstbestätigung. Ich würde dieses Engagement gern ausbauen. Ob sich in diesem Bereich aber auch ein echter Brotverdienst finden lässt, daran hege ich meine Zweifel.

2. Das Mädchen is(s)t anders. Sie isst keinen Brei. Von Beginn an klappte es mit Fingerfood so viel besser, weshalb wir derzeit komplett darauf umgestiegen sind. Sie kaut und nuckelt begeistert und mit großer Ausdauer. Aber natürlich sättigen ein paar abgelutschte Bananenstückchen weniger als ein Schüsselchen Brei. Es ist die absolute Ausnahme, dass sie nach einer Mahlzeit nicht noch stillen mag. Sie hat keine Lust Trinken zu üben. Sie schmeißt die Flasche lieber durch die Gegend und sucht bei Durst nach der Brust. Ich finde das schön und absolut in Ordnung so. Wieso soll ich ihr Brei geben, wenn sie so glücklicher ist? Sie lernt so viel, wenn sie jedes Nahrungsmittel genau erkundet. Milch aus der Flasche trinkt sie mittlerweile zwar manchmal unter etwas Gemecker, wenn ich mir ein paar Stunden freinehme zu ihren Schlafzeiten. Die Abstände zwischen den Stillmahzeiten sind immer noch unregelmäßig, der Bruder hatte viel regelmäßiger Hunger. Sie lässt sich da einfach schwerer berechnen und auch nicht „einstellen“. Mein momentaner Eindruck ist, dass wir länger stillen werden als dies beim Großen der Fall war.

3. Sie ist mit großer Wahrscheinlichkeit mein letztes Baby. Sie krabbelt, zieht sich hoch, erkundet alles mit viel Elan. Sie ist wahnsinnig aktiv, spielt viel allein und will auch viel weniger mit mir spielen als ihr Bruder. Sie ist glücklich, wenn sie etwas erkunden kann, wir in der Nähe sind und sie uns bei Bedarf erreichen kann. Sie ist auch glücklich, wenn sie bei Opa ist (bei Oma müssen wir noch bissl Vermittlungsdienste leisten, da ist die Begeisterung des Bruders noch nicht ganz übergeschwappt). Vermutlich würde sie gut in der Krippe zurechtkommen. Vermutlich… Und doch, sie ist so klein. Sie braucht uns so sehr. Und ich brauche sie. Ich weiß nicht, ob ich bereit bin, mein kleines Mädchen in ein so bedeutendes Stück Selbstständigkeit zu schicken.

Ich halte die Krippe immer noch für sinnvoll. Ich weiß auch nicht, ob ich wirklich länger daheim ohne Arbeit bleiben möchte. Der Mann meint noch immer, dass das nicht zu mir passe. Und er hat auch Recht. Wie oft wünsche ich mir jetzt schon wieder ein wenig mehr Freiheit, Anerkennung außerhalb der Famile, einen zweiten Mittelpunkt in meinem Leben. Ich bin da kein anderer Mensch geworden. Aber ist es diesmal auch das Richtige für uns? Finanziell ist es das auf jeden Fall. Bliebe ich zu Hause, müssten wir uns finanziell einschränken. Ich bin nicht gut im Einschränken. Und ehrlich? Ich will auch gar nicht besser darin werden. Aber diese Stimme in mir verstummt nicht, sie ist immun gegen rationale Einwände. Ich weiß nicht, ob die Kleine und ich bereit sind. Und so kann ich mich auch nicht so richtig freuen, wenn ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde. Will ich das denn überhaupt?

Ein ganz normaler Tag

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So eine Schreibphase will genutzt werden.. Deshalb möchte ich den heutigen Tag in einem Blogeintrag festhalten. Es war ein typischer Tag in einer Papa-hat-Spätdienst-Woche.

Etwa gegen vier Uhr morgens brachte der Liebste das Baby zu mir ins Elternschlafzimmer, wo schon der Sohn gemütlich auf der Papaseite schlief. Zur Zeit schläft er im Gästebett, da wir so alle zu mehr Schlaf kommen als wenn wir versuchen zu viert im Elternbett zu schlafen. Die kleine Maus mag ihr Beistellbett nicht mehr. Sie rollt und bewegt sich im Schlaf mittlerweile auch zu viel und es ist ihr dort einfach zu eng geworden. Der Große zieht immer noch jede Nacht zu uns um. Den ersten Teil der Nacht schläft er im eigenen Bett im Kinderzimmer, die zweite Hälfte eben bei mir. Und das Baby macht es jetzt genauso. Nach dem letzten Stillen zieht sie schlafend ins Gitterbettchen um, sobald sie sich nachts über das Babyphone meldet, bringt der Mann sie zu uns. Wir stillten also heute morgen und schliefen dabei beide wieder ein. Gegen halb sieben verkündete der Sohn, dass er jetzt wach sei, kuschelte noch kurz mit mir, um dann zum Papa zu laufen und diesen zu wecken. Eine halbe Stunde später erwachte dann auch die Kleine und ich brachte sie rüber, wo sie dann gemeinsam mit Papa und Bruder auf dem Gästebett spielte. Ich bekam noch eine Stunde Schlaf, bevor der Sohn in mein Bett hüpfte, mich weckte und mir verkündete, dass er ein Pferdepapa sei und jetzt in den Kiga gehe. So wurde ich zwar aus dem Tiefschlaf gerissen, aber einem Kind mit guter Laune verzeiht man das schnell. Im Bett wurde noch ein bisschen Pferd gespielt und dann zogen Papa und Sohn los. Ich spielte ein wenig mit der Kleinen, bereitete Frühstück vor und stillte sie dann. Der Mann kam mit frischem Brot nach Hause. Nach einem gemütlichen Frühstück mit Zeit zum Zeitunglesen, packten wir das Mäuschen in den Kinderwagen und gingen eine Stunde spazieren. Auch heute wieder: strahlender Sonnenschein. So marschierten wir also durch die Straßen, wobei mir einmal mehr auffiel, dass ich in unserem Wohnort nicht angekommen bin. Mir fehlt es so sehr nur ein kleines Stück zu laufen und dann wirklich im Grünen zu sein. Hier haben wir zwar schöne Spielplätze und eine Laubensiedlung, aber das ist einfach kein Wald, kein Fluss, keine reine Natur. Die Autobahn ist zu nah, der Main für einen Spaziergang mit den Kindern zu weit weg. Ich mag es nicht, immer fahren zu müssen, wenn ich wirklich Natur möchte. Selbst in der Innenstadt hatten wir mehr Grün vor der Tür und das nervt mich immer mehr. Trotzdem – wir genossen die Sonnenstrahlen und hatten Zeit uns zu unterhalten und ein bisschen Zukunftsvisionen zu malen. Meine Gedanken kreisen viel um den Wiedereinstieg ins Berufsleben ab September, schließlich habe ich keinen festen Job und weiß noch nicht genau, wie es weitergehen wird. Und es tat gut, über die Zweifel in mir einmal mehr mit dem Mann sprechen zu können.

Kurz nachdem wir wieder daheim angekommen waren, erwachte die kleine Perfektionistin und wollte spielen.Der Liebste tat ihr den gefallen und alberte mit dem Baby herum und fütterte es mit Kürbisbrei, während ich kurz ein paar Anrufe tätigte, die Küche aufräumte und dann zu kochen begann. Beim heute sehr frühen Mittagessen thronte die Kleine auf Papas Schoß und verputzte mindestens eine halbe Nudel. Beim Essen kann man sie nicht mehr ablegen und spielen lassen. Sie muss dabei sein und sie will auch selbst etwas zum Knabbern haben. Das feste Essen machte Durst und so stillten wir kurz darauf, während der Mann sich verabschiedete. Kurz darauf fand ich mich auf dem Boden des Kinderzimmers lesend wieder, währed die Kleine sitzen übte. Das klappte heute nicht ganz so gut, weshalb sie sich schnell aufs Spielen verlegte. So verging die Zeit bis zum Abholen des Sohnentigers sehr geruhsam und gemütlich.

Beim Abholen war dieser dann zwar ganz schön erschöpft, aber gut drauf. Wir schauten uns noch an, wie ein Krankenwagen einparkte (der Kiga ist direkt bei der Roten-Kreuz-Station) und unterhielten uns über die sichtbaren und unsichtbaren Einsatzfahrzeuge. Heute wurde mein Auto zum Polizeiauto erklärt und der Sohn forderte mich dann auf der Fahrt auch auf: „Schnell fahren! Blaulicht an!“ Ja, mein Schatz… Trotzdem gelten für uns die Geschwindigkeitsbegrenzungen! Wir machten einen Zwischenstop beim Bäcker, wo wir auf den Liebsten trafen, der seine Mittagspause mit uns bei Milchkaffee/Apfelschorle und Nusschnecken/Bamberger (ja, ungesund! Lecker!) verbrachte. Die Kleine wollte nicht trinken, was der eigentliche Zweck des Stops war und so hatte ich ein etwas mulmiges Gefühl als ich mit meinem Sohn wieder ins Auto stieg und die Kleine mit dem Papa zur Arbeit fuhr. Ich finde das ganz großartig, dass er uns ermöglicht, wenn die Arbeit es zulässt, ohne Baby zum Musikgarten zu gehen. Ich will ja auch nur mit meinem großen Kleinen Zeit verbringen und so ist das heute unser Moment gewesen. Richtig Lust hatte er allerdings nicht und machte nur bei wenigen Liedern und Singspielen mit. Dafür sang er mir später im Auto einige Lieder aus dem Musikgarten vor und erzählte mir, dass es ihm gut gefallen habe. Ein Glück, ganz sicher war ich mir nämlich nicht gewesen. Mit den anwesenden befreundeten Mamas quatschte ich dann noch kurz, hatte aber doch immer noch ein leicht ungutes Gefühl wegen des eventuell unglücklichen Babys. Zwar war auf dem Handy keine Nachricht vom Mann, aber ich war doch sehr froh, als ich die beiden halbwegs zufrieden auf mich warten sah. Im Auto meckerte sie dann doch lautstark, schlief aber auf den letzten Metern ein.

Der Sohn war müde und fertig, aber immer noch gut drauf. Mit Apfelschnitzen gönnten wir uns dann noch ein bisschen Unterhaltung (Sendung mit dem Elefanten) und schauten gemeinsam ein paar Bücher an. Während ich ihm die Zähne putzte, erwachte dann auch die Tochter wieder. Nach dem Stillen, währenddessen der Bruder allein „Ritter“ spielte, kam der Sandmann. Die Tochter spielte während des Bettrituals noch ein wenig, wollte aber nicht mehr lange im Kinderzimmer bleiben. So war die Zeit, die ich heute nach Anschauen eines Buches und Anschaltens des Hörspiels noch an seinem Bett saß, kürzer als sonst. Er nahm das aber gut auf und so konnte ich die Kleine mitnehmen und bequem auf dem Sofa in den Schlaf stllen.

Jetzt schaue ich noch ein bisschen „House of Cards“ und genieße meinen hoffentlich ruhigen Abend. Es war heute ein wirklich gelungener Tag, an den ich gerne noch einmal denken will, wenn ich mich über meinen Alltag beschwere. Denn Alltag ist oft wirklich schön. Und ja – an den meisten Tagen ist die Harmonie nicht ganz so im Vordergrund wie heute. Trotzdem – es war heute ein ganz normaler Tag.

Glücksmomente 09/2015

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In anderen Blogs habe ich immer wieder die Glücksmomente anderer gerne gelesen. Und heute möchte ich doch auch einmal festhalten, was vergangene Woche besonders schön war.

Da war erstmal für mich Sonne. Sonne, die mir ins Gesicht strahlte, Dazu ein Geruch, der von Frühling kündet und mich und den Sohn nach draußen lockt. Nicht nur für eine halbe Stunde Spaziergang, nein, richtig ausführlich und lange. So haben wir also mehrmals letzte Woche das Baby in Kinderwagen oder Tragetuch gepackt und sind losgezogen. Der Sohn schnappte sich sein Laufrad. Damit ist er mittlerweile so mutig. Er dreht mit großer Begeisterung große Runden allein auf dem Friedhof. Da darf er das – alles eingezäunt und wenig los, also kann er da loslegen und er kommt auch sehr zuverlässig wieder bei mir an. Dazu strahlender Sonnenschein – mein Vitamin-D-Haushalt ruft „Hurra!“. DSC_03522

Letzten Mittwoch waren der Liebste, ich und das Babymädchen beim Babyschwimmen. Für sie war es schon die zweite Stunde und wie beim ersten Mal war sie wieder völlig begeistert. So viel Gejuchze, Gepatsche und Gestrahle macht uns Eltern glücklich und stolz. Und sie ist einfach auch hier wunderbar und macht fast alles gerne mit.

Am Donnerstag war ich von lauter Herzmenschen umgeben. Spontan kündete sich ein guter Freund an, der sich als hervorragender Babybespaßer erwies. Da ich ihn sonst nicht als allzu kinderkompatibel kennengelernt hatte, war das umso schöner zu sehen, wie er mit dem Babymädchen umging. Später kam dann auch noch meine wundervolle annyclaws und wir verbrachten einen gemütlichen, verspielten und dramalosen Nachmittag mit ihrer kleinen Maus und meinen Zwergen. Danke! Mein sozialer Akku war seit langem nicht mehr so voll.

Am Samstag: schöner Spaziergang mit langem Spielplatzaufenthalt mit der ganzen Familie (ja – Sooooooonne!!!!) und nachmittags Besuch von der Schwiegerfamilie. Hier besonders schön das Spiel von unserem Großen mit seiner Cousine. Er spielt ja meist noch sehr zurückhaltend und eher selten mit anderen Kindern – aber seine Cousine ist da eine Ausnahme. Und ich freu mich immer wahnsinnig, wenn ich ihn einfach vertieft mit einem anderen Kind spielen sehe. Highlight des Tages für mich war aber der Ausflug in die Sauna. Obwohl ich körperilch nicht ganz fit war, hab ichs riskiert und es war eine gute Entscheidung. Zwei Aufgüsse und ein bisschen Ruhen habe ich nach der doch anstrengenden Woche wirklich gebraucht. Und es macht mich immer wieder so glücklich, dass sowas trotz Stillen möglich ist. Danke an dieser Stelle an den treusorgenden Ehemann!

DSC_0408Am Sonntag überraschte uns –  wie schon erwähnt – das halbjährige Baby: Es zeigte uns gerne und ausführlich, wie es krabbelrobbend vorankommt und wie es sich hochziehen kann. Zu erwähnen sind an diesem Tag noch die köstlichen selbstgemachten Pommes und die Schnitzel vom Mann sowie die aufgrund von Müdigkeit meinerseits leider viel zu kurze, aber dafür sehr schöne Paarzeit am Abend.

Insgesamt war es eine wirklich erfolgreiche und schöne Woche. Nur mein Abnehmziel hat ein bisschen unter leckerem Essen und „ach-gönn-dir“-Mentalität gelitten. Diese Woche wieder.

Weitere Glücksmomente finden sich auf „Bis einer heult“.

6 Monate – Nachtrag

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Da sieht man, wie schnell ein Blogeintrag von der Realität überholt werden kann. Kaum war die virtuelle Tinte trocken, belehrte unsere Tochter meine Liebste eines Besseren.
Hinknien..Ja, Hinknien ist so was von „Heute Mittag“. Vorhin hat sie sich einfach mal am Bettgitter hochgezogen. Und stand. Sekundenlang. Sie war dabei wohl genauso verdutzt wie wir von dieser Tatsache.

Wo soll das nur enden? Läufst du morgen, mein Mädchen? Das wohl nicht, aber es fühlt sich schon irgendwie so an. Egal, wie schnell es weitergeht, wir feiern deine Erfolge jetzt dann einfach bei ein paar Keksen (statt eines halben Kuchens zum halben Geburtstag 😉 )