6 Monate – Nachtrag

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Da sieht man, wie schnell ein Blogeintrag von der Realität überholt werden kann. Kaum war die virtuelle Tinte trocken, belehrte unsere Tochter meine Liebste eines Besseren.
Hinknien..Ja, Hinknien ist so was von „Heute Mittag“. Vorhin hat sie sich einfach mal am Bettgitter hochgezogen. Und stand. Sekundenlang. Sie war dabei wohl genauso verdutzt wie wir von dieser Tatsache.

Wo soll das nur enden? Läufst du morgen, mein Mädchen? Das wohl nicht, aber es fühlt sich schon irgendwie so an. Egal, wie schnell es weitergeht, wir feiern deine Erfolge jetzt dann einfach bei ein paar Keksen (statt eines halben Kuchens zum halben Geburtstag 😉 )

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Jahresende – Zeitenwende?

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Die Welt steht auf dem Kopf – jedenfalls die Welt unseres Sohnes. Alles ändert sich. Mal wieder. Dieses Mal aber mehr als bisher. Zuerst war da auf einmal eine kleine Besucherin, die für immer blieb. Er ist kein Einzelkind mehr, da gibt es jetzt jemanden, der unsere Aufmerksamkeit fordert, jemanden, der auch seine Liebe einfordert und bekommt. Das ist verwirrend, er wird mit ganz neuen Gefühlen konfrontiert. Geschwisterliebe zum Beispiel. Ich bin mir sicher, dass es für ihn ungewohnt, schön, aber auch überfordernd ist, auf einmal ein kleines Wesen lieb zu haben. Und zwar nicht so lieb zu haben, wie man ein Stofftier liebt, sondern zu rennen, wenn sie weint, zu rufen „Großer Bruder kommt!“ und sie zu streicheln. Sich an sie zu kuscheln, morgens, abends, nachts.

Diese Liebe ist überwältigend und wunderschön zu beobachten. Sie stand in den ersten drei Monaten des Zusammenlebens mit der kleinen Maus im Vordergrund, aber langsam kommen da auch andere Gefühle und klopfen an. Zunächst verhalten, aber immer deutlicher, zeigt sich auch Eifersucht. War da früher ein leichter Unmut, wenn Mama mal wieder stillen musste, anstatt mit ihm zu spielen, äußert sich dies immer häufiger in Weinen oder darin, dass er der Tochter das Trinken an der Mamabrust verbieten will. Mama soll die Kleine weglegen, soll sich mit ihm beschäftigen. Es war irgendwie klar, dass diese Gefühle ihren Tribut fordern würden, aber bisher waren wir verschont geblieben davon. Nun muss vor allem er sich dem stellen, wie es ist, Aufmerksamkeit teilen zu müssen. Wir versuchen, ihm zu zeigen, dass unsere Liebe für ihn unvermindert weiter da ist, aber ich bin mir nicht sicher, ob es für ihn dadurch leichter wird, die Frustration, der Ärger und die Konfrontation mit der neuen Situation bleiben ja bestehen.

Wechsel in den Kindergarten

Leichter wird die Situation für den großen Kleinling sicher auch nicht dadurch, dass er zur Zeit so unglaublich viel lernt und bald noch viel mehr lernen wird, denn am 12. Januar beginnt für ihn eine ganz neue Epoche – der Kindergarten. Mit 2 3/4 Jahren ist er nun alt genug und es wird höchste Zeit, die Krippengruppe wird ihm zu eng, er entwächst ihr einfach. Nicht mehr lange und er würde sich sicherlich langweilen. Zumal er der Älteste dort ist, kein älteres Vorbild mehr hat. Das ist allgemein wichtig und für ihn ganz besonders, habe ich den Eindruck. Er vermisst die Krippe, das merkt man und das glauben wir auch aus Gesprächen mit ihm herauszuhören. Aber alles muss einmal enden, diese Erfahrung von Ende und Neubeginn muss er machen. Leider haben wir keine Kontakte zu Eltern aus der Kitagruppe knüpfen können, teilweise aus mangelnder Sympathie, teilweise auch aus Unfähigkeit zu sozialem Kontakt unsererseits. Er wird neue Freunde finden, da bin ich mir sicher, aber ein Umbruch ist immer schwer.

Wie erwähnt lernt er zur Zeit so viel neues. Es ist schwer in Worte zu fassen, es ist nicht zu zählen in Buchstaben oder Ziffern oder bestimmten Worten. Sein Horizont wird weiter, seine Innensicht differenzierter. Er drückt mehr Emotionen aus, er wird empathischer. Er trainiert Situationen in Rollenspielen, verarbeitet Gehörtes und Gesehenes, ahmt Situationen nach. Da wird das Schaf ins Krankenhaus gebracht, da sind Playmobilfiguren Jäger, aber vor allem müssen wir alle ständig (und mit ständig meine ich alle fünf Sekunden!) neue Rollen einnehmen. „Mama ein Löwe! Papa auch Löwe! Mama Gespenst! Drache kommen! Ich böser Hund! WAAAAAAAAAAAAAA!“ Und so weiter, und so fort. Das ist anstrengend, bisweilen wirklich nervenaufreibend, aber es zeigt eines gut: Dass er von seiner Phantasie förmlich überrollt wird, alle seine Ideen und Spielgedanken scheinen gar nicht in seinen Kopf zu passen, alles gleichzeitig, alles intensiv.

Seine Phantasie ist so lebhaft, dass sie ihm nachts wohl des öfteren böse Streiche spielt. Alpträume sind häufiger, er kommt nicht selten in unser Schlafzimmer gerannt, voller Angst vor dem Tiger, dem Krokodil oder dem bösen Mann. Letzterer verstört uns, aber ist wohl nicht wirklich mit Bedeutung aufgeladen, sondern steht allgemein für eine Bedrohung. Kein ruhiges Ins-Bett-krabbeln mehr, sondern eben oft lautes Hereinpoltern. Auf der anderen Seite hat er mittlerweile auch schon den Wunsch geäußert, früh morgens wieder in sein Bett zu gehen, um dort den restlichen Nachtschlaf zu verbringen. Also auch hier ein leichter Fortschritt, ein Stück Emanzipation.

(H)attiti?

Sprachlich tut sich ebenfalls einiges. Worte werden artikulierter (Vor allem – wie könnte es anders sein – das „Nein!“ wird mittlerweile sehr deutlich ausgesprochen), Sätze haben mehr Struktur und es kommen etwa Artikel dazu („mit der Mama“, „Papa ein Löwe“) oder abstraktere Worte wie „jemand“ in Sätzen wie „Kommt da jemand?“. Auch Frageworte kommen langsam dazu. „Wo“ funktioniert, „Warum“ allerdings weder aktiv noch dann, wenn er gefragt wird.

Verben werden besser konjugiert, Vergangenheit drückt er mit einem Partizip aus (das er natürlich fast immer regelmäßig bildet und nicht unregelmäßig, aber das ist der nächste Schritt). Wenn etwas in der Vergangenheit passiert ist, war es „gestern“. Da mag es Stunden, Tage oder Wochen her sein.

Ein ewiges Rätsel wird uns allerdings der (H)attiti bleiben – so nennt der Kleinling seit jeher das Sandmännchen. Uns fällt keine lautliche Herleitung ein, aus der man vom Sandmännchen zum (H)attiti kommt. Vielleicht gab es eine Situation, die das erklärte, uns aber nicht im Gedächtnis geblieben ist oder der Kleine hat einfach irgendwann ein Wort erfunden, weil Sandmännchen zu schwierig war und ihm (H)attiti einfach besser gefallen hat. Wer weiß. Das ist sein feststehende Begriff und von dem rückt er auch nicht ab. Mal sehen, wie lange er noch bleibt und ob er ihn irgendwann erklären kann.

Kleiner Zwischenbericht zur Tochter

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Seit dem 21.12. dreht sich die Tochter. Natürlich geht so etwas nur vor Publikum. Daher hat sie auch gewartet, bis die Rollenspielgruppe mal wieder zusammentraf. Es hatte sich schon angekündigt, dass sie bald sozusagen die zweite Dimension entdecken würde. Unter Beifall (ihrer Eltern) sowie höflicher Zurkenntnisnahme (Besucher) rollte sich die Maus tapfer, neben dem Weihnachtsbaum liegend, auf den Bauch. Von der Rückenlage in die Bauchlage wechseln geht gut, andersherum wirkt es teilweise eher wie ein Unfall. So dreht sie sich fleißig, verharrt aber dann oft in der Bauchlage, stemmt sich hoch und beschwert sich dann irgendwann, dass es nicht mehr wirklich zurückgeht.

Ein weiterer großer Fortschritt war das erste laute Lachen. Es entfuhr ihr während des Badens. Sie saß mit der Frau Mama sowie mit ihrem Bruder in der Badewanne. Mama goss ihr Wasser über den Kopf, um sie zu waschen. Anstatt sich zu beschweren, keckerte die kleine Wasserratte laut los. Bisher hatte sie schon oft gegrinst, viel stumm gelacht, aber eine derart laute Äußerung des Wohlgefallens und der Erheiterung hatten wir von ihr noch nicht vernommen. Seitdem lacht sie immer wieder einmal auch laut – beim Anlächelspiel, beim Herumtragen, beim Spielen. Nun hört man ihre Fröhlichkeit auch.